Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 12 (17.3.1885)
- Date
- 1885-03-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein mpartmschrs Organ für alles indische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. »Preis vierteljährig S Mart. Abonne-1 Iment in Deutschland (Postzeitungsliste I »Nr. lll) und Oesterreich bei allen Post-s |totern, anßerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Or. Ludwig Philippsou in Bonn. KzepeöiLion: Leipzig, Woßpccrh 18. In redactionellen Angelegenbeiten wende man sich an vr.L.PHrlippson in Bonn direct. in allen übrigen an die BerlagShandlnng. Beilagen (Gebühr 12 M.) find gleichfalls an letztere ein- ,useudeu. 49. JkhrgUUg. Leipzig, den 17. März 1885. JVö. 12. Inhalt. Leitende Artikel: Die Anschauung der heiligen Schrift vom menschlichen Leben. II. — Rückblick auf die Kämpfe des letzten halben Jahrhunderts. VIII. — Die Debatte um den „Oberhaus-Rabbiner" im ungarischen Abgeordnetenhause. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin, Fürth, Aus Württemberg, Frankfurt a. M. - Oesterreich-Ungarn: Pest, Brünn. — Rußland: Petersburg, Turek. — Bonn-. Notizen. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Geschichte des Städtchens Sczybow. Bonn, 11. März. Die Anschauung der heiligen Schrift vom menschliche« Leben. II. Die Erfahrung lehrt, daß in der Tiefe der menschlichen Seele sich oft die Gegensätze berühren und verbinden, daß diese Gegensätze sogar auf einem und demselben seelischen Untergründe beruhen. Wer veranlagt und gewohnt ist, das Leben leicht und fröhlich zu nehmen, dessen Lebensweise nach Heiterkeit und Genuß hinzielt, bei dem erleben wir es,, zersplittert, jede Anstrengung erfolglos ist. Wer hierfür Bewenn sein Horizont fich verdüstert, wenn Leid und Mißgeschick! lege sucht, findet sie in Fülle besonders in der ganzen ihn treffen, daß er verzagt, fich willenlos ergiebt und das dramatischen Literatur der Griechen, deren Endergebniß von Berhängniß als unvermeidlich anschaut. Hat er dem Zuge Sophokles in dem Verse ausgedrückt wird: seiner Seele nach fröhlichem Genuß des Lebens — nicht „Erflehe Nichts: giebt es doch für Sterbliche selten zu seinem Schaden — keinen Widerstand zuleisten jemals Erlösung aus der vorbestimmten Noth." Leidenschaften dachten, von Ehr- und Habgier beherrscht, so daß fie von Menschen sich leicht verletzt fühlen und sie dann voll Rachsucht verfolgen: so erkannten sie als die höchsten waltenden Mächte, denen selbst die Götter unterworfen sind, drei an: das unerbittliche Fatum, die Nemesis und die Erinnyen. Das erstere, das Schicksal, unveränderlich in seinen Beschlüssen, unerklärlich in seinen Zwecken; die zweite, die Vergeltung, hart und grausam, die Unthal bis zur Vernichtung ahndend; die dritten, die Geister der Gewiffensqual, treiben den Sünder ruhelos durch das Leben, bis der Frevel gesühnt ist. So steht der Mensch schwach und kraftlos diesen höchsten Mächten gegenüber, vor welchen jeder Widerspruch vermocht, so zeigt er denselben Mangel an Widerstandskraft in seinem Unglück. Nicht selten erfuhr man von Humoristen und Komikern, daß fie in ihrem Privatleben, in ihrem Heim die schwermütigsten, trübsinnigsten Menschen seien. — Dasselbe gewahren wir bei den Hellenen. Wenn ihr Gesammtleben auf einer heiteren, der Anmuth und Schönheit zugewandten Grundstimmung und Anschauung beruhte: so erkennen (Antigone 1308.') Auch die griechische Philosophie kam hierüber nicht hinaus und mußte fich schließlich begnügen, in der stoischen Philosophie die passive Widerstandskraft zu eonsttuiren. — (Siit ganz anderes Bild entrollt die h. Schrift auch von der Nachtseite des menschlichen Lebens. Sie bewahrt auch hier die realistisch ideale Anschauung, die wir bei ihr gefuuwir,d°s Gegentheil in ihren V°rst-llll»g-n. s°b°ii> dibtn ,,afen sje erfmnt mtb in ben tief|-ten Sijnc„ oder das Individuum von Unglück hermgesucht, von Leid j und Mißgeschick betroffen worden. Zeigen schon ihre Götter- , , , . „ und Heldensagen, daß sie sich ihre Götter voll Launen und. avutpoi>äs a7iaX?.ayrj. u