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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-03-10 · Heft 11 (10.3.1885) · p. Seite 176

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 11 (10.3.1885)
Date
1885-03-10
Page
Seite 176 (sequence 12)
Language
German
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176 gende Thema: Entstehung, Entwicklung und Ende des! Sadducäismus. Als Preisrichter sind ernannt: die Herren! Dr. Gottheit, Dr. Köhler, Dr. F. de Sola-Mendes von hier,! Dr. Jastrow von Philadelphia, Dr. Laster von Boston und j der Unterzeichnete. [ Die Schrift, welche den Preis erhält, bleibt Eigenthum des Verfassers, und verbindet sich die Ministers Asiociation, sünzig Exemplare der veröffentlichten Schrift zum Ladenpreis zu übernehmen. j Die Preisertheilung soll am 10. August 1886 stattfinden, und die betreffende Schrift am 1. Mai 1886 hier in New- Zork sein. Dieselbe ist zu adressiren an Dr. S. Adler, 604 Dexängton Ave- Bonn, 1. März. (Notizen.) Nach dem offiziellen Cambridge University Reporter vom 17. Februar c. ist dem Lector des talmudischen Faches, Herrn Dr. Schiller-Szinessy, eine bedeutende Gehaltserhöhung gewährt worden, „wegen des großen Werthes seiner Wirksamkeit und Arbeiten in seinem Lehrfache?' — Aus Altona schreibt man unterm 25 Februar: Caspar Joelsohn, „Klausrabbiner" und früher langjähriger Beisitzer des bereits vor einer Reihe von Jahren außer Wirksamkeit gesetzten jüdischen Gerichts Hierselbst, ist j gestern in dem hohen Alter von 97 Jahren an Altersschwäche verstorben. Der Heimgegangene war als ausgezeichneter Kenner des Talmud bekannt und hat bis 4 Wochen vor j seinem Tode jeden Morgen und jeden Abend, selbst bei strengster Kälte, die Synagoge besucht. — Aus Palästina berichtet! man über die erste Brücke, die über den Jordan geführt worden. Es ist eine hölzerne Brücke unweit Jericho. Der Pascha von Jerusalem und andere Würdenträger waren bei der Eröffnung gegenwärtig. — Die jüdische Freischule in London zählt jetzt 3200 Schüler und Schülerinnen. Sie hat 73 Klaffensäle, von denen gegenwärtig 66 besetzt sind. — Pest, im Februar. (Literarische Notizen.) Herr Dr. Nathan Grün, Religionslehrer und Bibliothekar in Prag, hielt im Jahre 1883 in dem dort bestehenden Vereine zur Förderung der Wissenschaft des Judenthums (Afike Jehuda) zwei Borträge über den hohen Rabbi Löw, welche bei den zahlreichen Zuhörern solchen Beifall fanden, daß er sich entschloß, das ihm zu Gebote stehende Quellenmaterial von neuem zu durchforschen und die vollständige Biographie des gefeierten Prager Oberrabbiners zu veröffentlichen. Dieselbe liegt nunmehr unter dem Titel: „Der hohe Rabbi Löw und sein Sagenkreis von Rabb. Dr. Nathan Grün (Prag 1885, Jakob B- Brandeis)" gedruckt vor. Der durch die Legende verherrlichte hohe Rabbi Löw, unter welchem Namen R. Liwa ben Bezalel bekannt ist, wurde in Posen im Jahre 1520 geboren. Er war zwanzig Jahre mährischer Landrabbiner, bis er in Folge der in Mähren ausgebrochenen Verfolgungen 1573 nach Prag übersiedelte und in der dort von ihm gegründeten „Klaus" lehrte. Vom Jahre 1584—1588 hielt er fich, wie schon Perles in seiner Geschichte der Juden in Posen (Fränkel's Monatsschrift 1864, S. 373) angiebt, in Posen auf, 'kehrte aber nach Prag zurück, und verließ es nach einigen Jahren wieder, um die Stelle eines Landrabbiners über ganz Großpolen mit dem Wohnsitze in Posen anzutreten. Im Jahre 1597 übernahm er das Rabbinat in Prag., das er bis zu seinem Tode, den 17. September 1609 — nicht 22. August, wie es bei Grün heißt — bekleidete. Das Leben und Wirken dieses gefeierten, auch vom Kaiser Rudolph hochgeschätzten Rabbiners, der sich auch mit Philosophie, Mathematik und Astronomie beschäftigte, wird von Hrn. Dr. Grün in anziehender, wenn auch nicht ganz erschöpfender Weise behandelt; — so vermissen wir, um nur das eine anzuführen, ein näheres Eingehen auf sein Brrhältniß zu Mardochai!Meisel. Die bekannte Golemsage, welche bis in die neueste Zeit und, wie G. meint (S. 38), „sogar von bedeutenden ' Gelehrten als verbürgte Wahrheit gehalten" wurde, hat durch >die 1883 erfolgte Renovirung der Altneusynagoge, „wo gläuj bige Gemüther vergebens nach dem Golem suchten", allen i Glauben verloren. Dem Schriftchen, das manche neue Resultate zu Tage fördert, wünschen wir recht viele Leser. > Dr. Kayserling. Keuilleton. Geschichte des Städtchens Sczybow. (Aus der Erzählung „Meier Ezofowicz" von E. P. Orzeszko, aus dem Polnischen übers, von L. Brixen.) (Fortsetzung.) Die Menge stand in regungslosem Schweigen noch einen Augenblick. Dann wogten die Häupter gleich Wellen nach Hänger umgaben ihn in enggeschlossenem Kreise. Sie stimmten verschiedenen Richtungen. O, wie das Geräusch der Wässer nicht ein in den Ruf der Menge — aber — sie schwiegen, rauschte es von Stimmen, bis auf einmal mehrere hundert Sie ließen die Köpfe hängen, und die unsicheren Blicke haf- Hände in die Höhe flogen, und mit dem Ausdruck der Angst teten am Boden. und des Schmerzes sich vielen hundert Lippen der mächtige gemeinsame Schrei entrang: Assybe! Assybe! Dajge! Reb Nochim hat gesiegt. Hersch ließ seinen Blick umherschweifen. Seine An-

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