Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 11 (10.3.1885)
- Date
- 1885-03-10
- Page
- Seite 175 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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175 vernommen (int Jahre 1883 : 129); rituelle Scheidungen wurden 18 (im Jahre 1883:14), Chalizas 7 (1883:5) vollzogen; amtliche Zertifikate 107 (1883:91) ausgestellt. Die Populationsbewegung war folgende: Geburten 1093 Knaben, Mädchen 1046; zusammen 2139 (im Jahre 1883: 2089). Trauungen: im Cultustempel 380, im Rombachtempel 150, in Privatwohnungen 27, zusammen 557 (1883: 472). Todesfälle: 793 Männer, 669 Frauen, zusammen 1462 (1883:1381). Der Bericht wurde zur Kenntniß genommen und das zer von der Sache des Deutschthums in Oesterreich ist eine nicht mehr wegzuleugnende Thatsache. Die bedauerlichen Folgen davon haben sich bei den jüngsten Handelskammerwahlen in Pilsen gezeigt. Es ist nun sehr interessant auf die Gründe dieses Abfalles zurückzugehen. Monatelang wurde in Pilsen eine unerhörte Pression auf die jüdischen Geschäftsleute geübt. Man drohte ihnen in der czechischen Presie mit dem „Pranger", das heißt, mit der Zerstörung ihrer geschäftlichen Existenz; der Jude in den czechischen Bezirken, der sich dem czechischen Commando nicht fügt, wird Absolutorium ertheilt, worauf die Vorlage des Budgets pro j mit seiner ganzen Familie fast vogelfrei erklärt und ist vor 1885 erfolgte. An Ausgaben sind 215 612 fl. 50 kr., an I Brutalitäten des aufgehetzten czechischen Pöbels nicht sicher. Einnahmen 205 999 fl. 37 kr. präliminirt; der Ausfall be->Was Wunder, daß in solcher Zwangslage nicht wenige Juden trägt daher 9613 fl. 13 kr. Für Unterrichtszwecke find! abfallen. Wie schlägt man aber Capital aus dieser That- 40 385 fl. veranschlagt und zwar: Knabenschule 12 340 fl.,! fache? Nachdem man dem Juden die Peitsche gegeben, komm Mädchenschule 6415 fl., Religionsunterricht 19 6<0 fl., Tal-! man ihm mit Zuckerbrod. So schreibt das altczechische mud-Thora I960 fl.; Spitalverwaltung 21588 fl. (zu wel-^ Hauptorgan, die „Politik" des vr. Rieger, in Betreff der chem Betrage die Chewra Kadischah 10 948 fl. 94 kr. bei- > Pilsener Wahlen: „Unseren sehr geehrten jüdischen Mitbürsteuert); der Beitrag der Gemeinde zur Waisenerhaltung gern gebührt das Verdienst, in unsere Reihen eingetreten zu beträgt 4530 fl.; Schulkinderbekleidung 4000 fl.; Suppenan-! sein und ihre feindselige Haltung gegen das czechische Volk stalt 100 fl.; Stipendien 1200 fl. Die Haupteinnahmsquelle > aufgegeben zu haben. Sie haben zahlreich in den drei der Gemeinde sind die Cultusbeiträge ihrer Mitglieder! Kammerbezirken (von Pilsen) nicht allein für die czechischen (85 000 fl.); dann folgen die Erträgniffe der Tempel und j Candidaten gestimmt, sondern sich auch häufig an die Spitze Synagogenverwaltungen: Spende 2500 fl.; Betsitz - Miethe > der Wahlbewegung gestellt. Sie haben das Odiose ihrer 8400 fl.; Trauungsgebühren 12 500 fl.; Leichenkonduct-Ge-! früheren Haltung eingesehen — das czechische Volk wird diese bühren 2000 fl.; Trauungs-Aufgebotstaxen 1000 fl. Der ^Wandlung zu würdigen wiffen!" Beitrag der Hauptstadt für die Gemeindeschule beträgt § Nicht genug an diesem gleißnerischen Lob wendet man 8000 fl.; die Zinsen der Stiftungen 9000 fl. Die Schlachtsich sogar von Seite der Czechen an die jüdischen Wähler gebühren und der Pachtschilling des Geflügelschlachtplatzes der Reichenberger Handelskammer in reindeutschen Bezirken. 11000 fl.; die anzuhoflenden und wohlthätigen Spenden Die Wahl für die Reichenberger Handelskammer findet vom figuriren mit 14 415 fl. im Budget; die Prüfungstaxen sind 24.-27. Februar statt. Man gemahnt die jüdischen Wähler mit 11 500 fl. präliminirt. daran, daß der „Antisemitismus", diese „echt germanische Das Budget wurde einstimmig acceptirt. Culturblüthe", nirgends mehr blühe, als in den deutschen Sodann lenkte ein Repräsentant die Aufmerksamkeit der Bezirken Reichenbergs. Es ist das aber eine doppelte Lüge: Generalversammlung auf den Umstand, daß die Einschreibung denn einmal ist der Antisemitismus gewiß keine „germanische der Schüler israelitischer Confesfion in den Gymnasien großen Culturblüthe" und dann „blüht" er in den deutschen Bezirken Schwierigkeiten begegne, da die Gymnasien fast ausschließlich Nordböhmens entschieden nicht." confessioneller Natur find und proponirt: Die Generalver- (Jedenfalls besitzt die czechische Partei große Energie sammlung möge ein Princip aussprechen, daß sie die Errich- und ist offensiv, während die deutsche schlaff ist und nicht tung eines israelitischen Gymnasiums in Budapest für notheinmal sich zu vertheidigen versteht!) wendig erachte. Auf die Auseinandersetzung Wahrmanns wurde der Gegenstand vorläufig fallen gelassen. Professor vr. Böke sprach im Interesse der Reform des Gottesdienstes und Professor vr. Karman unterzog in einer New-Pork, 11. Febr. (Privatmitth.) Die Jewish Milängeren Rede den Bericht einer scharfen Kritik und beannisters Association für Nerv-Jork und Nachbarstaaten, vom tragt die Einführung von Reformen. Nachdem ihm von dem Wunsche beseelt, auch ihrerseis zur wissentschafllichen Erkennt- Gemeinde-Präses und mehreren Repräsentanten geantwortet niß des Judenthums beizutragen, bietet hiermit einen Preis worden, erfolgte der Schluß der Generalversammlung. im Betrage von zweihundert D ollars, welcher den Namen AuS Böhmen, 25. Februar. Die „Bonn. Ztg." ent- Zunz-Preis haben soll, für die beste, streng wisscnschafthält folgenden Artikel: „Der Abfall mancher jüdischer Bürliche, auf Quellenstudium gegründete Schrift über das folii Amerika.