Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 11 (10.3.1885)
- Date
- 1885-03-10
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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167 derweibes" (Spr. 31,10 ff.), welches, „da es noch Nacht ist, aufsteht und ihrem Hause Nahrung theilt und ihren Mägden Tagewerk zu" (V. 15), und wie fleißig regt sie die Hände zum Schaffen den ganzen Tag! Noch eine Bemerkung: so lange die Israeliten in der Wüste verweilten, wird ihnen an vielen Stellen des Pentateuchs ein Land verheißen, „fließend von Milch und Honig". Diese Phrase verschwindet aber mit dem Einzug in Canaan aus den Büchern der Schrift und an den zwei Stellen, an welchen sie noch bei Jeremias und Ezechiel Vorkommen, ist sie nur als die in der Wüste gegebene Verheißung angeführt. 0 Dafür tritt die Verheißung ein: „Du wirst sicher wohnen. Jedweder unter seinem Feigenbaum und seinem Weinstock" (Micha 4, 4.°') So treten an die Stelle der Gaben der Natur Milch und Honig, die mit vieler Arbeit erzielten Früchte des Weinstocks und des Feigenbaums. — Aber diese Arbeit, die den Menschen in Anspruch nimmt, wird dann von idealem Geiste durchweht. Es geschieht dies durch die Institution des Sabbaths, durch die vom Gesetze gebotene Ruhe an jedem siebenten Tage. Es wäre durchaus ein Jrrthum, den Sabbath nur vom sanitären und socialen Gesichtspunkte zu betrachten, als ruhe er, um die Kräfte des Menschen nicht zu erschöpfen und wieder zu sammeln, oder gar aus demokratischen Gründen, wie Prudhon hervorhob, um die Gleichheit Aller, des Herrn und des Knechtes, zu constatiren. Vielmehr legt das Schriftwort das eigentliche Gewicht in die Loslösung des Geistes vom materiellen Boden, in die Erhebung zu Gott, in die Heiligung. Es heißt: „Sei eingedenk des Ruhetags, um ihn zu heiligen. Sechs Tage arbeite und verrichte all dein Werk, aber der siebente Tag ist Ruhe, dem Ewigen, deinem Gotte" (geweiht), lind um Arbeit und Ruhe mit idealem Geiste zu durchdringen werden sie dem Schöpfungswerke Gottes gleich gestellt, der in sechs Tagen die Welt geschaffen und am siebenten geruht und „zu sich selbst gekommen" (et:") und deswegen segnete der Ewige den Ruhetag, indem er ihn heiligte" (2. Mos. 8—11). Wie realistisch ideal aber die Schrift ein arbeitsvolles Leben, durchdrungen vom sittlichen Geiste, auffaßt, zeigt sich insbesondere in der Schilderung der Erfolge, die sie einem solchen zuschreibt. Sie bestehen in der Erfahrung, die es verschafft, in dem Ansehen, das hieraus entspringt, im genügenden Besitz, um die Werke der Wohlthätigkeit zu üben, in der Gerechtigkeit und Pstichttreue, die sich damit verbinden. Hiervon entwirft sie uns ein schönes und reiches Bild im 29. und 31. Kap. des Buches Hiob. Stellen wir hier die wesentlichen Züge zusammen. „Ging ich zum Thore an der Stadt hinaus, Bereitete am Platze meinen Sitz: 1) Jerem. 11, 5. 32, 22. Ezech. 20, 6. 15. 2) 1. Kön. 4, 25. 2. Kön. 18, 31. DLich sahen Jünglinge und traten schnell zurück. Und Greise erhoben sich und standen. Denn das Ohr, das hörte, pries mich glücklich, Das Aug', das sah, es rühmte mich. Tenn ich rettete den Armen, der da schrie, Und die Waise, die ohn' Beistand, Des zu Grundegehenden Segen kam auf mich. Und das Herz der Wittwe macht' ich jubeln. Recht war mein Gewand und ich war sein Gewand, Wie Oberkleid und Kopfbund mir Gerechtigkeit. Auge war ich Blinden, Fuß dem Lahmen. Vater war ich Dürftigen, Des Unbekannten Rechtstreit untersuchte ich. Da zerbrach ich das Gebiß des Ungerechten, Riß den Raub aus seinen Zähnen! Einen Bund hatt' ich mit meinen Augen geschloffen: Wie hätt' ich auf die Jungfrau da geblickt! Wenn von dem Wege wich mein Schritt, Mein Herz ging meinen Augen nach. An meinen Händen Makel klebte: So müßt' ich säen und ein Andrer essen. Und meine Sprößlinge entwurzelt werden! Ließ sich mein Herz zu einem Weib bethören. Und lauert' ich auf die Thüre meines Nächsten? Wenn ich die Rechte meines Knechts und meiner Magd Verwarf in ihrem Streit mit mir: Was sollt' ich thun, so Gott erstand? So er es rügte, was erwidern? Hat nicht im Mutterschooß mein Schöpfer ihn erschaffen. Im Mutterleib uns Einer nicht bereitet? Versagte ich den Wunsch der Armen, Ließ ich der Wittwe Augen schmachten. Aß ich mein Brod allein und aß die Waise nicht davon? Sie wuchs von Jugend an, mir ja wie Eines Vaters auf. Und wie von meiner Mutter Schooß leitet' ich sie. Wenn ich Verlornen ohne Kleidung sah. Den Dürst'gen ohne Decke, Und seine Hüften segneten mich nicht, Von meiner Lämmer Schur gewärmt: So müßte meine Schulter aus der Achsel fallen. Mein Arm in meiner Röhre brechen. Denn Furcht war in mir vor der Strafe Gottes, Bor Seiner Majestät vermocht' ich nichts. Wenn mein Vertraun auf Gold ich setzte Und zum Metall sprach: meine Zuversicht!; Wenn ich mich freute, wie mein Schatz so groß,! Wie meine Hand soviel erworben — Auch das wär' strafbar vor dem Richter, i Dem Gotte droben hätte ich geheuchelt!;Wenn ich an meines Hassers Sturz mich freute, u