Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 9 (24.2.1885)
- Date
- 1885-02-24
- Page
- Seite 143 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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143 Der rumänische Metropolit Roman drückte dem Vorstände der Arader Gemeinde seine schmerzliche Theilnahme über das Ableben „des von ihm hochgeschätzten, hochgelehrten, humanen Oberrabbiners" telegraphisch aus. Mehr als hundert Beileidstelegramme sind an die Familie und die Gemeinde gelangt. Sein Andenken wird in der Gemeinde Arad noch lange fortleben. —<r. Schweiz. Aus dem Aargau, 5. Februar. (Privatmitth.) Wenn Ihnen seit längerer Zeit nur selten Berichte von hier zukamen, so hat das darin seinen Grund, daß wir nichts Bemerkenswerthes mitzutheilen hatten. Die alten Gemeinden Endingen und Lengnau, nehmen in dem Maße ab, wie die Gemeinden in Zürich, Bern, Luzern, Baden u. a. von Jahr zu Jahr an Mitgliederzahl zunehmen. Die israelitische Gemeinde Baden hat sich in den letzten Jahren bedeutend vergrößert; sie zählt jetzt 43 steuerpflichtige Mitglieder, welche in schönster Harmonie miteinander leben. Ihre Religionsschule wird von nahezu 60 Schülern besucht. Außer einem Frauen- und Kranken - Verein existirt hier der durch den wackern Religionslehrer Herrn Michael Neu b erg er gegründete Verein „Union" oder r.-cn, dessen Zweck ist: Verherrlichung des Gottesdienstes durch Chorgesang, Unterstützung Armer ohne Unterschied der Confesfion und Förderung des geselligen und religiösen Lebens seiner Mitglieder. In Endingen wurde Herr Oberlehrer Bollag nach fünfundvierzigjährigem erfolgreichen Wirken seines Amtes enthoben. Ihm zu Ehren wurde vorigen Sonntag in Endingen ein Bankett veranstaltet, an welchem über fünfzig seiner ehemaligen in der ganzen Schweiz zerstreut wohnenden Schüler theilnahmen. Bei dieser Gelegenheit wurde dem aus seinem Amte scheidenden Lehrer eine schön ausgeführte Gedenktafel überreicht und ihm ein Ehrengehalt von 1300 Francs jährlich von seinen Schülern zugesichert. Möge der treffliche Mann sich dieser Ehrengabe noch viele Jahre in Gesundheit und geistiger Frische erfreuen'. Mehrere Mitglieder der israelitischen Gemeinden Endingen, Lengnau, Bremgarten, Baden, Zürich, Luzern. Liestal, Bern haben den Gedanken gefaßt, ein Bezirks-, resp. Tistrikts- Rabbinat zu gründen. Es hat sich zu diesem Zwecke ein Verein gebildet, der ein Somit« zur Realisirung dieses Plans wählte. Die erste Versammlung dieses Comites fand am 25. December v. I. in Baden statt. Hoffen wir, daß das Werk recht bald zu Stande komme. Frankreich. Bonn, 15. Februar. (Privatmitth.) Wir haben bereits berichtet, daß die Kiliane« israolite universelle am bevorstehenden Purimfeste (1. März c.) ihren 25 jährigen Bestand feiern werde und ihre zahlreichen Freunde aufgefordert hat, diesen Tag mit ihr festlich zu begehen. Sicherlich wird diesem Wunsche an recht vielen Orten genügt werden. Als gegen Ende 1883 Schreiber dieses zum Mitglieds des Central-Comite's gewählt und die Frage erörtert wurde, auf welchem Wege wohl die Vermehrung der Mitgliederzahl bewirkt werden könne, sprachen wir uns dahin aus, daß eines der besten Mittel eine Geschichte der Alliance, ihrer Bemühungen und Erfolge abgeben werde, weil hierdurch am nächsten das Bewußtsein ihrer Bedeutung verbreitet würde. Dieser Wunsch ist nunmehr in Erfüllung gegangen, und die Alliance hat zu ihrem 25 jährigen Jubiläum eine solche geschichtliche Darstellung in französischer und deutscher Sprache ausgegeben. Diese Schrift erfüllt ihren Zweck so angemessen, daß wir darauf antragen möchten, dieselbe auch auf dem Wege des Buchhandels zu veröffentlichen, weil sie am besten alle die Angriffe widerlegt, die in den letzten Jahren gegen die Alliance unternommen worden. Außerdem müßte allen Delegirten der Alliance eine Anzahl Exemplare zur Vertheilung innerhalb der jüdischen Gemeinden zugewiesen werden, um neue Mitglieder zu gewinnen. — Wir wollen hier der Schrift selbst nicht vorgreifen und nur einige Bemerkungen hervori heben. Jedermann, der nicht bloß ein Herz für das Judenthum und seine Bekenner, sondern überhaupt für alle humanen Zwecke hat, wird dieselbe mit großem Interesse lesen. Die Alliance verfolgte einen dreifachen Zweck, da, wo die bürgerliche Gleichstellung noch nicht erreicht war und wo Unterdrückung und Verfolgung der Juden stattfanden, für die letzteren nach Kräften einzutreten; ferner wo große Nothstände für die jüdische Masse sich einstellten, Hülfe zu leisten und endlich in den orientalischen Ländern Schulen zu gründen und zu erhalten, durch welche Bildung und Aufklärung für die kommenden Geschlechter ermöglicht und die intellektuelle und sociale Hebung der tiefgesunkenen orientalischen Juden erzielt würde. In der vorliegenden Schrift werden nun die Anstrengungen und Erfolge der Alliance sachgemäß geschildert. Man'wird sich daraus überzeugen, daß die Alliance ihrem Grundsätze treu geblieben, politischen und eigentlich religiösen Tendenzen sich fern zu halten. Wenn die Bestrebungen für den ersten Gegenstand ihrer Fürsorge Anfangs günstig, in der jüngsten Zeit sich noch ohne große Erfolge erwiesen, so lag das sicherlich nicht am Mangel fortgesetzter Bemühungen, sondern in der traurigen Strömung, die durch die eivilisirte Welt gegangen. Nachdrücklicher waren ihre Resultate im zweiten Moment, so schwierig es auch war, den massenhaft andringenden Hilfsbedürftigen wesentliche Unterstützung zu verschaffen. Desto glänzender tritt uns das Bild der durch die Alliance gegründeten Schulen entgegen, wobei doch nicht , minder große Schwierigkeiten zu überwinden waren. Tie 9'