Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 9 (24.2.1885)
- Date
- 1885-02-24
- Page
- Seite 142 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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142 Gemeinderath Pollak Borkenau seinen Ruf noch mehr compromitirt hat und genöthigt war, sein Mandat als Gemeinderath niederzulegen, erstattete heute seinen Wählern, von denen nur diejenigen antisemitischer Gesinnung erschienen waren, seinen Rechenschaftsbericht, vr. Mandl, welcher, nachdem er sich mit den Demokraten zerschlagen, zu den Lieberalen übergetreten war, stellte sich heute auf den Standpunkt der Antisemiten und errang auf diese Weise den Beifall und ein Vertrauensvotum der anwesenden Antisemiten, von denen er auch als Candidat für die Neuwahlen aufgestellt wurde. Die Wiener Presse war zur Versammlung nicht geladen. (Mandl ist nun da angelangt, wohin er gehört!) Pest, 8. Februar. (Privatmitth.) In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses gelangten die Petitionen wegen Regelung der israelitischen Matriken zur Verhandlung und zu seinem Nachfolger erwählt und. war er nächst Löw der erste Rabbiner, der ungarische Predigten hielt. Er war ein gesinnungstüchtiger Politiker. Als im Jahre 1849 die Nationalversammlung in Debreczin die Unabhängigkeit Ungarns proclamirte, hielt er bei einer von den Bewohnern Arads veranstalteten Feier eine begeisterte ungarische Rede, für welche er während des Absolutismus zur Verantwortung gezogen wurde und Jahre lang in Untersuchung stand. In dem im Jahre 1869 in Pest abgehaltenen israelitischen Landescongreß war Steinhardt als Vertreter der Juden des Arader Comitatus eine Führerrolle zugefallen; er war es, der den Orthodoxen zuerst frei und energisch entgegentrat. Als die orthodoxe Fraction zu Beginn der meritorischen Arbeiten des Congrefses die Forderung stellte, daß die Satzungen des Talmud, wie sie im Schulchan Aruch cowurde auf die in dieser Richtung bestehenden Mißbräuche | dificirt sind, allein zur Grundlage der Verhandlungen dienen hingewiescu. Minister Trefort erwiderte, daß ihm die vor-! sollen, hielt Steinhardt am 3. Februar jene Rede, welche handenen Uebelstände bekannt seien, und daß er im Einvergroßen Lärm und das Ausscheiden der Orthodoxen hervorrief, nehmen mit dem Minister des Innern ein Statut zur Rege- An dem Jnslebentreten des ungarischen Landes - Rabbinerlung der israelitischen Matriken ausgearbeitet habe.! seminars nahm er als Commisfionsmitglied wesentlichen An- Die Antisemiten-Partei beschloß in ihrer gestrigen Contheil und wurde er später zum Bice-Präfidenten der Unterferenz bei der Verhandlung des Gesetzentwurfes über die > richtscommission gewählt. Reform des Oberhauses die Vorlage auch nicht zur Basis! Steinhardt war ein vielseitig gebildeter Mann, er hat der Specialdebatte anzunehmen, da „das christlich-nationale! Manches geschrieben, aber wenig veröffentlicht. Außer einigen Gepräge" durch den Gesetzentwurf nicht gesichert sei. Predigten und kleineren Arbeiten in Zeitschriften, so in „Ben Pilsen, 11. Febr. In Böhmen wird bei allen Wahlen Chananja" und noch vor wenigen Jahren in Berliner's „Mavon den Czechen ein unerhörter Terrorismus geübt, wie nicht gazin", ist nichts von ihm im Druck erschienen. Zahlreiche einmal von den Polen in Galizien. Besonders unterliegen Notizen, welche er zu einem philosophischen Werke seit fünfdem die Juden. So schreibt man von hier: „In welcher undzwanzig Jahren gesammelt hat, fand man in seinem Weise der czechische Wahlterrorismus geübt wird, zeigt sich Schreibtische. recht deutlich bei den Handelskammerwahlen in Pilsen. Den! Das Leichenbegängniß dieses allgemein verehrten Mannes jüdischen Geschäftsleuten wird in der czechischen Presse mit fand am 4. d. M. unter allgemeiner Betheiligung der Beeiner durch drei Jahre wiederkehrenden Veröffentlichung ihrerj Hörden, Corporationen und Vereinen statt. Nachdem Rabbi- Namen gedroht, wenn sie deutsch wählen; die Bürgermeister ner vr. Sidon aus Werschütz im Trauerhause gesprochen, der Landstädte händigen den Gewerbsleuten die Stimmzettel hielt Oberrabiner vr. Löw aus Szegedin im Tempel, welcher ein; in Pilsen selbst werden die Stimmzettel durch städtische dicht gefüllt war, in ungarischer Sprache eine tiefergreifende Beamte ausgetragen. Jedem dieser Beamten folgt ein cze- : Trauerrede, worauf sich nach Absingung eines Chorals der chischer Agitator auf dem Fuße nach, um den betreffenden unabsehbare Leichenzug unter dem Glockengeläute sämmtlicher Wählern auch den czechischen Stimmzettel sofort abzunehmen!" Kirchen in Bewegung setzte; in den Straßen, welche der So verstehen die Czechen die Freiheit, die sie — für! Conduct passirte, waren die Läden gesperrt. Der Leichenfeier sich in Anspruch nehmen!; wohnte Bischof Metianu, die gesammte Geistlichkeit der ver- Arad, 6. Febr. (Privatmitth.) Der am 2. Febr. d. I. schiedenen Confessionen, das städtische Beamtencorps mit dem verstorbene Arader Oberrabbiner Jakob Steinhardt gehörte Bürgermeister an der Spitze. Major Pavel in Vertretung der Familie des bekannten Fürther Rabbiners Josephs Steinder Garnison, mehrere Deputationen und Rabbiner verschiehardt, des Bersaffers der Rechtsgutachten „Sichron Joseph" dener auswärtiger Gemeinden, der Gerichtshof, der Proan und wurde im Jahre 1817 in Bekes (Ungarn) geboren, fefforenkörper, sämmtliche Vereine mit ihren Fahnen und eine Seine Studien beendigte er in Preßburg, wo er, der erste vieltausendköpsige Menschenmenge bei. ungarische Stenograph, bei der Redigirung der Koffuth'schen Steinhardt stand nicht allein in seiner Gemeinde und geschriebenen Berichte als Stenograph thätig war. Nach dem bei allen dem Fortschritt huldigenden Juden, sondern bei im August 1844 erfolgten Ableben Aron Chorin's wurde er, den Kirchenhäuptern anderer Confessionen in hohem Ansehen. *