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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-02-24 · Heft 9 (24.2.1885) · p. Seite 140

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 9 (24.2.1885)
Date
1885-02-24
Page
Seite 140 (sequence 8)
Language
German
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140 aufgeschossener Tujas trennte ihn von dem Gräberfetde. Ein breiter mit schönen Linden besetzter Weg führte durch den ganzen Gräberplatz, links befanden sich die Familienbegräbnisse, rechts die anderen Gräber. Hier war Alles in sorgfältigster Ordnung; die Gräber lagen in Reihen neben einander, und jede Reihe war von der anderen durch einen schmalen Weg getrennt, so daß man zu jedem Grabe gelangen konnte, ohne ein anderes übersteigen zu müssen. Am Fuße jedes Grabes befand sich ein steinerner Würfel mit einer Nummer, so daß die Ruhestätte eines Jeden nach dem ge-j nau geführten Berzeichniß leicht gefunden werden kann, wäre? es auch nach Jahrhunderten. Auf den Grabsteinen waren die Inschriften entweder auf der Vorderseite bebräisch und' auf der Rückseite deutsch oder auf der ersteren oben hebräisch und unten deutsch. Viele dieser Grabhügel waren mit Epheu bedeckt, von einer Trauerweide beschattet, oder mit Tujas eingefaßt. Die Linden am Wege blüheten gerade und verbreiteten ihren süßen Duft; in den Zweigen zwitscherten Vögel. Welcher Friede, welche Ruhe, Ernst und Würde zugleich mit einer gewisien anmuthenden Lieblichkeit! Es überkommt Einem das Gefühl, hier laste sich gut ruhen nach den Stürmen und Mühsalen des Lebens. Hier ist der Zusammenhang des Todes mit dem Leben nicht zerristen, nicht durch unübersteigbare Kluft getrennt. Wer mit schmerzerfülltem Herzen hierherkömmt, fühlt sich doch vom Tröste angehaucht und über dem Moder der Verwesung schwebt die Gewißheit des Wiederfindens, der Wiedervereinigung, und das alte Wort des Judenthums von dem „Bunde des Lebens", in welchen die Seele des Verblichenen ausgenommen, fühlt sich als Wahrheit. Wer an einem solchen übergrünten und umschatteten Grabhügel steht, dem tritt das Bild des verlorenen Theuren ganz wie es im Leben war, vor die Seele, nicht die Vorstellung von den staubgewordenen Resten. — Dies ist eine Skizze von dem Ehemals und Jetzt im Judenthum. Biele Gedanken lasten sich daran knüpfen, und! werden im Geiste unsrer Leser erstehen. Die Entsagung, i die Resignation war die Aufgabe, die unsren Vätern im! Leben wie im Tode gestellt war, und die sie, energisch wie j ihr inneres Leben war, immer und überall lösten; großartig aus j psychologischem Gesichtspunkte, aber erkauft mit Verlust von i Würde, Geschmack und Leben. Wir, die Enkel, sind auf einen! ganz anderen Boden versetzt; die Schranken sind gefallen, j bie allgemeine Gesittung ist bei uns eingedrungen; eine andere j ist unsere Stellung, eine andere unsre Gedanken- und Gefühlswelt geworden. Andere Forderungen stellt das Leben an uns, stellen wir selbst an unser Thun und Lasten. %q\X\av\ c^ywac Deutschland.! steht ein Verein, den wir jedem Lehrerseminar zur Seite I wünschen, welches nicht genug Mittel besitzt, um seine Zög- Berlin, 11. Februar. Es ist immer von Nutzen, auf linge zu unterhalten: Der „Verein zur Unterstützung der die Zeitdauer zurückzuweisen, während derer unsere gegen-! Schüler der Bildungs-Anstalt für jüdische Lehrer zu Hannowärtigen Institute bestehen, um ihre Wirksamkeit in den er-! ver." Er hat soeben seinen fünften Jahresbericht über das reichten Erfolgen zu erkennen und zu bemesten. Am 7. Februar! verflosteneJahr ausgegeben und dieser bietet erfreuliche Resultate, waren es 50 Jahre, daß der Vorstand der hiesigen jüdischen Die Einnahmen beliefen sich auf M. 14 197, und wurden an Gemeinde eine Mädchenschule ins Leben rief, nachdem etwa Internat und Unterstützungen ausgegeben M. 10 477, so daß ein Jahrzehnt früher eine bis dahin von Wohlthätern unter-; das Vermögen des Vereins einen bedeutenden Zuschuß erhaltene Knabenschule von der Gemeinde übernommen und; hielt, welches mit einzelnen Stiftungen ca. M. 17 000 beder Leitung des noch unter uns lebenden Dr. L. Zunz unterreits beträgt. Der Verein unterhält ein Internat, in welchem stellt worden war. Schon bei Reorganifirung dieser Anstalt er jedoch nur 1$ Schüler unterbringen kann, so daß 19 in hatte man die Absicht, auch eine Mädchenschule zu gründen.! Pension gegeben werden mußten. Es ist deshalb seine Ab- Judeß kam der Plan erst 1835 zur Ausführung. Zweck sicht, die Räumlichkeiten des Internats zu vergrößern, sobald der neuen Anstalt war, Töchter unbemittelter Gemeindemitj er die hierzu nöthigen Mittel haben werde. Der Vorstand glieder in der Religion, in den Elementargegenständen und in Handarbeiten zu unterrichten. Dirigent war Anfangs vr. Michael Sachs. Im Laufe der Jahre hat die zweiklassigc Elementaschule sich zu einer starkbesuchten achtklassigen Mittelschule entwickelt. Tie Kosten der jetzt unter Leitung des Herrn 0r. Steinschneider stehenden Anstalt werden zum größten Theile aus Gemeindemitteln bestritten. Hannover, im Februar. (.Privattmitth.) Hierselbst berichtet deshalb eine dringende Bitte an Alle, die sich für seinen wohlthätigen Zweck interessiren, ihm die Mittel zur Ausführung des Planes zu gewähren. Möge diesen Ebrenmännern bald die Befriedigung werden, daß ihr Gesuch ausreichend erfüllt werde. Breslau, 13. Februar. (Berichtigung.) Der in der Correspondenz aus London in Nr. 4. genannte Sir John Retcliffe ist kein Engländer, sondern der jüngst verftor-

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