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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-02-24 · Heft 9 (24.2.1885) · p. Seite 139

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 9 (24.2.1885)
Date
1885-02-24
Page
Seite 139 (sequence 7)
Language
German
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139 ^oBcn. Wir glauben nicht, daß gegen dieses Argument die einem Jahrzehnt verstorbenen Freundes besuchen. Wie sollte wenigen Nachrichten und Inschriften aufkommen können. i ich sie auffinden? Hier wurden nur hebräische Inschriften Ganz bedeutungslos erscheinen uns aber für die Abgeduldet, und wer kennt gleich die Synagogennamen des stammungsfrage die Untersuchungen des Herrn Jkow. Was Todten und seines Vaters? Ich mußte meine Zuflucht zu aus seinen Messungen von 120 Schädeln ruflischer Juden? dem Friedhofswächter nehmen, der in dem Hause neben dem und 50 Schädeln von Karäern als sicher hervorgeht, ist, Eingang wohnte. Nach einigem Besinnen erinnerte er sich, daß unter diesen in einem bedeutendem Procentsatze die Kurz-! an welcher Stelle des großen Gräberfeldes mein Freund beschädeligen gegen die Langschädeligen vorwiegen. Seine; stattet worden, und führte mich dahin. Er mar das lebendige Meflungen anderer jüdischen Schädel aber sind von keiner. Berzeichniß Aller, die hier begraben lagen. Ich fragte ihn, Bedeutung, weil sie an Zahl so gering waren, daß sie dem! wenn er einmal selbst dahin gegangen, wer dann im Stande Zufall anheimgegeben waren. Zieht er aus diesen die Bewäre, Auskunft zu geben? Nun, lautete die Antwort, mein rechtigung zu einer Hypothese von zwei verschiedenen Gruppen Sohn übernimmt dann das Amt, und von den letzten Jahren unter den Juden, semitischen und nichtsemitischen Ursprungs: kennt er auch schon genau, wo die Verstorbenen liegen; nach so fehlt ihm hierzu jede wissenschaftliche Berechtigung. Gedenen aus früheren Zeiten frägt doch Keiner mehr. So stand rade im Gegentheil beweist sein Resultat, Daß die Karäer in ich denn an dem Plätzchen, wo die irdischen Reste meines Freunfast ganz gleichem Prozentsatz wie die rusiischen Juden kurzdes ruheten: ein eingesunkener Grabhügel, niedergetreten von schädelig sind, daß beide ganz gleicher Abstammung wären, denen, welche andere weiter liegende Gräber gesucht hatten, obschon die Karäer aus Südosten, die rusiischen Juden aus mit einem eingesunkenen Steine, auf welchem Regen, Sonnen- Westen gekommen. Denn nach seiner Hypothese müßten strahlen und Wind die Buchstaben unleserlich gemacht. Das sämmtliche rusiische Juden aus Jnnerasien gekommen sein, war also Alles, was noch von dem geist- und gemüthreichen und dies ist doch nur eine Grille. Menschen übrig geblieben, der ein so bewegtes Leben geführt, so viele Selbstaufopferung und Thatkraft bewährt hatte! Da sprechen noch die Leugner der Unsterblichkeit von einer Art Unsterblichkeit innerhalb der Menschenwelt! Wenige Jahre Ski^en über bas Ehemals unb 3e%t im Iubenthume. und das Andenken des Geschiedenen ist erloschen! Und dann sagen sie: Jede gute That trägt ihre Frucht, die ins Un- * ^' endliche fortwirkt, und das ist Unsterblichkeit genug. Hohle In diesen Tagen hatte ich Veranlasiung» die Friedhöfe Phrase! Thaten des Menschen sind wie ausgestreuter Samen, zweier benachbarten Gemeinden zu besuchen. Beide sind alte von dem der größere Theil auf unfruchtbaren Boden fällt Gemeinden, die eine größer, die andere von mittlerer Zahl der Mitglieder. Zu dem Friedhofe der ersteren gelangte ich auf einem weiten, beschwerlichen und vernachlässigten Wege an das schwarz angestrichene hölzerne Gitterthor, das oder vom Winde zerstreut, oder von den Vögeln verzehrt wird. Ich sah über das ganze Gräberfeld hin. Welche Verödung, welche Wüste des Todes, wie tief ernst, wie traurig und doch in seiner Einsamkeit eindrucksvoll, erschütternd! für sich neben einem großen, etwas verfallen aussehenden Hause schwächere Seelen ein Schrecken, für zartere ein Grauen!... befand. Ich betrat das Gräberfeld. Auf einem unebenen, j Ich verließ den Begräbnißplatz. und nahm von dem Wächter weithin reichenden Boden welche Unzahl von Gräbern und j Abschied. Ein Auftrag, etwas für die Grabstätte meines Freundes Grabsteinen! Aber kein Baum, kein Strauch, kaum hier und!zu thun, konnte ich nicht geben; denn hier darf nichts geda über den eingefallenen Gräbern wucherndes Gras. Auf ändert, nichts erneuert werden. Die alte Satzung bewahrt der Höhe des Feldes befand sich ein Platz, auf welchem die dem Todten mit äußerster Strenge den Raum, der ihm ge> Rabbiner, Vorsteher und sonst ausgezeichnete Gemeindemil-? hört. aber ihn zu schmücken, an ihm eine Aenderung vorzuglieder beerdigt wurden. Der Raum war gefüllt, und um nehmen, gestattet der überkommene Brauch nicht. Nachfolgenden eine Grabstätte zu finden, hatte man wohl j Wie gesagt, besuchte ich kurze Zeit darauf den Friedhof zwischen den alten Gräbern irgend noch ein Plätzchen gesucht, der anderen Gemeinde, die vor etwas mehr als einem Jahr so daß hier schon völlige Unordnung herrschte. Wie nun > zehnt gezwungen war, ihren alten Gottesacker zu schließen erst auf der übrigen ausgebreiteten Fläche. Niemals hatte? und einen neuen anzulegen. Wie überrascht war ich, als ich man daran gedacht, die Gräber in Reihe und Glied anzulegen.? an die stattliche Mauer mit dem hohen eisernen Thor gelangte. Alle waren unter einander gerathen. Die meisten Grab-! welche den Friedhof umschloß. Ich betrat zuerst einen Vorhügel waren eingesunken; die älteren Grabsteine hatten sich! platz, der parkähnlich mit Bäumen. Sträuchern und Rasenplatz zum Theil gesenkt, die Inschriften waren verloschen und oft von Moos bedeckt. Ich wollte die letzte Ruhestätte eines vor geschmückt war. Rechts erhob sich ein Leichenhaus, links ein architektonisch ausgestatteter Brunnen. Eine Reihe hoch-

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