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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-02-24 · Heft 9 (24.2.1885) · p. Seite 137

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 9 (24.2.1885)
Date
1885-02-24
Page
Seite 137 (sequence 5)
Language
German
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137 "dald darauf, im 12. und 13. Jahrhundert, sahen wir Polen und Litthauen schon viel früher begonnen. Wie sich die Juden in Litthauen, was auch die litthauischjüdischen! die Juden von Westen her allmählich über ganz Deutschland, Geldmünzen von 1173 bis 1220 beweisen. In Folge der! Mähren und Böhmen gezogen, so waren sie auch in Polen Kreuzzüge und Judenverfolgungen fängt ihre Bewegung aus eingedrungen und gingen immer weiter nach Osten. Gegen dem westlichen Europa nach Polen und Litthauen an, wo die Ausbreitung der Juden in den russischen und polnischen folglich zwei Bewegungen von Osten und von Westen zu-!Ländern von Osten her spricht aber ein entscheidender histosammentreffen; die hierdurch entstandenen Folgen wollen wir rischer Grund, auf welchen wir bald kommen werden.) Der später ausführlicher besprechen." (Wir können die dokumen- Autor fährt fort: tirten Angaben zugestehen, ohne ihnen jedoch große Beweis- > „Talmud und armenische Hilfsquellen zeigen, daß, schon kraft beizulegen. Daß an den Nordküsten des Schwarzen bedeutend früher als am Schwarzen Meere, Juden im Kau- Meeres und in der Krim frühzeitig jüdische Ansiedelungen kasus und in Transkaukasien und besonders in den Gebieten vorhanden waren, ist sicher. Aber sehr fraglich ist, in weldes heutigen Armenien und Grusien lebten. Ohne Zweifel cher Zahl? Darüber fehlen bis jetzt Nachrichten. Die Karäer waren sie dort um das 3. und 2. Jahrhundert vor Chr. Geb., hatten schon um 900 nach der gew. Ztr. Sendboten nach doch wahrscheinlicher schon im 7. und 6. Jahrhundert, in der diesen Gegenden geschickt, in welchen Juden (wahrscheinlich Zeit des Berfalls des israelitischen Königreichs; endlich waren aus den Wohnsitzen der früheren zehn Stämme eingewandert) die Juden sehr zahlreich im 7. und 6. Jahrhundert vor wohnten, die nur die h. Schrift, aber keine Kenntniß von der Tradition besaßen. Um 957 kamen auch Rabbanitische Chr. Geb. in Kleinasien, Babylonien und Persien zerstreut. „Wie groß die Bedeutung der altkaukasischen Juden für Sendlinge dahin, welche, wie Berachah auf dem bekannt ge- Rußland ist, zeigt schon die unaufhörliche Uebersiedelung der wordenen Blatte zu einer Bibelhandschrift berichtet, in Juden nach Norden ins Gebiet des chasarischen Königsreichs Kertsch, Unchat, Sulchat und Kafa 200 Familienväter zur (wohin schon im 7. Jahrhundert nach Chr. Geb. flüchtige Rabbanitischen Lehre bekehrten. Er sagt hier'): „Wir hier, Juden aus Byzanz und auS dem Gebiet des Schwarzen ein Theil der Auswanderung aus Jerusalem", Worte, welche Meeres kamen); hierdurch bewogen, nahm ein Theil der der Ansicht Harkawy's und Jkows nicht günstig sind. Die Chasaren mit ihrem Kaiser (Kahan) die jüdische Religion an griechischen Aufschriften, die also die dortigen Juden als (7. und 3. Jahrhundert). Aber da das Gebiet des Schwärhellenistische bezeichnen, erweisen doch, daß diese Juden aus zen Meeres und das Land der Chasaren die Hauptmarktgriechisch redenden Ländern gekommen waren, und solche sind! platze des alten Rußland waren und den Mittelpunkt in auf Ansiedler, die aus Palästina abstammten, zu deuten^ ihrem ausgedehnten Handel mit Byzanz und dem Osten bil- Was die Chazaren betrifft, so ist nur verbürgt, daß die l deten, so kann es nicht wunderbar erscheinen, daß die Hankönigliche Familie mit einem gewiffen Anhänge zum Judeuthume übergetreten waren, denn es wird betont, daß unter der Herrschaft dieser jüdischen Könige Christen, Mohammedaner und Juden sehr einträchtig und in vollster Duldung nebeneinander wohnten. An einen Uebertritt des ganzen Volkes ist daher gar nicht zu denken, sowenig wie früher in delsintereffcn der Juden, die Anfangs nur im Südosten Rußlands erschienen, dieselben immer mehr und mehr nach Südwesten, d. h. ins Innere Rußlands gezogen, so daß die Juden schon im 10. Jahrhundert im Haupthandelspunkte Kiew erschienen und bald nachher weiter nach Litthauen zogen, wo sie sich besonders im 13. Jahrhundert nach dem Adiabene, wo die Großen des Landes dem Könige deshalb > Einfall der Tataren in Rußland concentrirten, nachdem viele große Opposition machten. Wenn nun auch im Chazarenrussische Gebiete zu Litthauen übcrgcgangen." (S. unsere reiche die Juden zahlreich waren, so wurden sie doch, als die! Bemerkungen oben.) Ruffen diesen Staat zetrümmerten, aus den russischen Ge- > „Diese wenigen Faeta, die ich aus der Maffe von Facten bieten wieder zurückgedrängt, weshalb sie sich vorzugsweise! bei Herrn A. Harkawy entlehnt, haben denselben zu folgenin der Krim sammelten. Wenn im 12. und 13. Jahrhundert! dem Resultate geführt. Nach dem Jahre 70 nach Ch. Geb., die Juden in Litthauen zahlreich waren, so sind diese wohl!d. h. nack der Zerstörung des zweiten Tempels, wurden die aus Westen eiugewandert. Als der erste Kreuzzug, also schon Juden (die von den 40 000 abstammten, welche den zweiten 1096, die Judenverfolgungen in ganz Deutschland und Böh- Tempel bauten.", s. oben), von den Römern zerstreut und men in blutigster Weise hcraufbeschworen, da hatten selbst siedelten sich längs der ganzen Nord- und Südküste des Mit - die Juden Böhmens schon die Absicht, nach Polen auszu-! telländischen Meeres und besonders in Spanien an. (Und wandern, und gewiß hatten die jüdischen Einwanderungen in! warum sollten nicht auch viele nach Osten gegangen sein, wo _ | schon so zahlreiche Niederlaffungen der Juden vorhanden und Vgl. Fürst, Geschichte b.1 ^en °°rh-ch'°» Rbmer» fern waren?, .Obwohl -mz-ln- Karäerth. Bd. I. S. 182. Uebersiedelungen schon früher stattfanden," („wer die überaus

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