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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-02-17 · Heft 8 (17.2.1885) · p. Seite 123

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 8 (17.2.1885)
Date
1885-02-17
Page
Seite 123 (sequence 7)
Language
German
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123 Wir fragen nun vor Allem, welcbe wissenschaftliche Fol gerungen können aus diesen Messungen des Herrn Jkow, abgesehen von den russischen Juden, gezogen werden? Bietet schon die geringe Anzahl der aus zwei kleinen, weltentlegenen Orten entnommenen Schädel') türkischer Juden durchaus noch kein sicheres Material, was wollen die drei italienischen sagen, die vielleicht gerade als Ausnahmen in das Bologner Museum ausgenommen und daselbst deshalb aufbewahrt wurden? Was der eine Schädel aus Tiflis, der ja sehr leicht der eines russischen Juden sein kann! Wir glauben nicht, daß ein wirklich wissenschaftliches Gewissen auf solches Material hin selbst nur eine Hypothese auszubauen sich für berechtigt halten wird. Wir glauben nicht, und dennoch thut es Herr Jkow. Er fragt: „Haben wir nun irgend ein Recht, die Juden Rußlands und die Karäer als Verwandte der türkischen Juden und der anderen Semiten im Allgemeinen zu betrachten? Die Antwort, scheint mir, muß eine durchaus verneinende sein". So gern wir stets begründete wiffenschaftliche Resultate anerkennen, so müffen wir doch hier das 1) Jawboli und Hiwno sind zwei unbedeutende Städtchen in der Provinz Ostrumelien am Südfnß des östlichen Balkan. Sie find selbst in ton besten geographischen Lehrbüchern nicht genannt. Gegentheil aussprechen, und die „verneinende" Antwort zurückweisen, da dieselbe aus von der einen Seite noch nicht erwiesene Thatsacben sich stützt. Gerade auf dem naturwissenschaftlichen Gebiete will man ja Nichts anerkennen, als was durch sichere Beobachtungen zweifellos festgestellt ist. Wie sollen wir nun hier einer so unbedeutenden Zahl Beobachtungen, deren Objekte völlig zufällig sein können, ein solches Gewicht beilegen? Herr Jkow wird es uns daher nicht verdenken können, wenn wir bis auf weitere Beweisführung seine Hypothese verwerfen, die er in folgenden Worten ausspricht: „Wie groß auch die ethnographische, linguistische und sociale Aehnlichkeit aller Juden der ganzen Welt ist, so müffen wir doch unter ihnen anthropologisch zwei Gruppen unterscheiden, welche dabei durchaus nicht nur zwei Typen darstellen — was ein zu unklarer Ausdruck wäre —, sondern zwei Grundstämme, sogar zwei Raffen bilden, von denen wir die eine die Raffe der russischen Juden, die andere die Raffe des Mittelmeeres nennen werden." Unser Autor will nun für seine Ansicht auch historische Belege heranbringen, und auch hierin wollen wir ihm folgen. (Schluß folgt.) Deutschland. Bo««, 4. Februar. (Privatmitth.) Was toir in vor. Nr. bemerkten, daß es die radikalen Blätter sind, die sich eifrig des Gedankens bemächtigen, die Juden dem Judenthume 1 abtrünnig zu machen und dem Christenthume nicht zuzuführen, sondern sie nur den Menschen Jesus als sittlich vollkommen verehren zu lassen, bestätigt sich uns immer mehr, wie wir z. B. in der Boss. Ztg. vom 3. d. einer dringenden Empfehlung der barocken Broschüre von „Moses ben Hezekia", deren wir schon erwähnten, begegnen. Aus welcher Feder diese Empfehlung gefloffen, läßt sich leicht erkennen. Das find immer dieselben Personen, und es kommt nur auf die Tendenz einer Zeitung an, um ein Plätzchen in derselben zu erlangen. Der Artikelschreiber findet es „merkwürdig", daß „in Deuschland eine solche Schrift erscheint", während „im entlegenen Rußland" eine Sekte austritt, welche „Jesus als 1 Messias verehrt." Es ist dies durchaus nicht merkwürdig, da die Quelle doch nur eine und dieselbe ist. Es heißt da ferner, „christliche wie israelitische Theologen werden an dieser Schrift argen Anstoß nehmen." Dieser Wunsch des Berf. wird schwerlich in Erfüllung gehen; man wird sein Produkt der Beachtung wenig werth schätzen und es sich selbst überlaffen. Sobald man die Person Jesu aus dem Rahmen des christlichen Glaubens herauslösen will, ist sie geschichtlich unzuverlässig bezeugt, und in den Reden, die von ihm überliefert werden, schwankend und vieldeutig, wie denn auch die Berichte über dieselben in den Evangelien vielfach auseinandergehen Man vergleiche z B. die Bergpredigt bei Matthäus und die Feldpredigt bei Lukas. Hieraus nun das Fundament und den Inhalt einer neuen Sekte machen zu wollen, ist ein irrelevanter Gedanke, der keinen Boden finden kann. Man würde, wenn er irgend Platz griffe, doch nur die Masse der Religionslosen vermehren und dies ist freilich der Zweck der Radikalen. Frankfurt a. M., 5. Februar. Die Judengaffe wird nun auch ihren Namen verlieren. Der Magistrat hat beschlossen, ihr den Namen „Börnestraße" und dem Judenmarkt die Bezeichnung „Börneplatz" beizulegen. Die an die Judengaffe anschließende kurze „Bornheimer Straße", welche erst nach dem Brande im Jahre 1796 diese Bezeichnung erhielt und an der Fahrgaffe mit dem Rothschild'schen Geschäftshaus endigt, soll nicht mehr einen besondern Nomen führen, vielmehr in die Börnestraße einbezogen werden. : Wiesbaden, im Februar. (Privatmitth.) Am 1. d. M. feierte der hiesige isr. Männer-Kranken-Berein, der s. Z. von | Dr. Abraham Geiger begründet ward, sein 50 jähriges Stiftungsfest in solenner Weise. In der beim Festgottesdienste

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