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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-02-17 · Heft 8 (17.2.1885) · p. Seite 122

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 8 (17.2.1885)
Date
1885-02-17
Page
Seite 122 (sequence 6)
Language
German
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122 zweifellos gegeben werde. Sehen wir hiervon vorläufig ab, so fragt es fich vor Allem, welches Material hat Herr Jkow zu benutzen Gelegenheit gehabt? Es war dies: die Messungen von 120 Juden Rußlands aus den westlichen und einigen südlichen Gouvernements und aus der Stadt Moskau, 17 Schädel von den Kirchhöfen zu Jamboli und Hiwno in der Türkei, 3 Schädel türkischer und 3 italienischer Juden; 30 Karäerschädel vom Kirchhofe Tschufut-Kall in der Krim und 20 Karäer aus der Krim, endlich der Schädel eines kaukasischen Juden, eines aus Aegypten. Aber auch hier müssen wir einbachtungen an, daß der Verfasser keine Vergleichungen mit der Schädelbildung der anderen russischen Bolksstämme hin« zugefügt hat, so daß daraus hervorgehen müßte, inwiefern die Schädelform der Juden fich von der anderer russischer Bolksstämme unterscheidet, namentlich derer, unter welchen die Juden leben. Erst hieraus könnte eine Schlußfolgerung gezogen werden. Nebenbei ist zu bemerken, daß die Betrach' tung der absoluten Größe der Schädellänge und Schädelbreite nach Jkow beweist, daß die untersuchten Schädel keineswegs kurz, sondern nur breit waren, also mittelgroße oder große wenden, daß die Zahl dieser Messungen zwar hinsichtlich der Schädel abgaben. Was die Gefichtsform betrifft, so fanden russischen Juden und der Karäer, etwa um Schlüsse daraus «sich 75°|0 breite Gesichter, 22°1<> mittlere und 3°j0 lange. Die zu ziehen, genügen könnte, jedoch bezüglich der übrigen Juden viel zu unbedeutend ist, um, wie der Verfasser im Verlaufe seiner Abhandlung thut. Regeln darauf zu bauen. Selbst die 20 Schädel türkischer Juden scheinen uns, da 17 aus nur zwei unbedeutenden Plätzen herrühren, während aus den Centren der türkischen Juden, wie Konstantinopel, Salonichi u. a. O-, jede Messung fehlt, durchaus ungenügend. Was können aber ein kaukasischer, ein ägyptischer und drei italienische Schädel für einen Müßstab abgeben, um Vergleichungen oder gar bestimmte Grundzüge daraus zu ziehen? — Geben wir nun kurz die Resultate seiner Messungen an. Bon den 120 russischen Juden gehörten 9% den Langschädeligen (Dolichocephalen, der Verfasser schreibt irrthümlich Dolychocephalen), 21°|o den Mittelschadeligen (Mesocephalen), und 70°J0 den Kurzschädeligen (Brachycephalen) an, jedoch ist zu bemerken, daß wahre Langschädelige nur l°!o vorhanden war. Hieraus ergiebt fich, daß die Juden Rußlands im Mittel als kurzruffischen Juden besitzen also ein kurzes und relativ breites Gesicht. Der Verfasser charakterifirt sie also: „Der Schädel ist groß, kurzschädelig, sehr breit in mittleren und bedeutend breit im vorderen Theile, ziemlich hoch. Eine breite Stirn geht in ein überall gleichförmig breites kurzes Gesicht über, mit einer breiten aber zugleich auch langen Rase." — Bon den 20 Schädeln türkischer Juden gehörten nur 14 Erwachsenen an, und von diesen waren 8 langschädelig. 5 annähernd langschädelig und 1 kurzschädelig; unter den Kindern waren nur l langschädelig, 3 mittelschädelig und 2 kurzschädelig. Wir müssen es dem Verfasser geradezu bestreiten, aus diesen geringzähligen Mess uw gen, die noch dazu Schädel aus nur zwei Fundorten betrafen, irgend welche allgemeine Schlüsse zu ziehen, und die türkischen Juden als von langschädeligem Typus zu erklären, und hierauf den völligen Unterschied der beiden Theile des jüdischen Stammes zu folgern. Um ein solches Resultat mit der Bestimmtheit des Herrn Jkow anzunehmen, müßten mindestens schädelig charakterifirt werden müssen, obwohl unter ihnen auch > gleiche Zahlen von Messungen türkischer Juden aus den verdie weniger kurzschädeligen Elemente vorhanden find. Hieraus > schiedenfien Theilen der Türkei und Vergleichungen mit den schließt Jkow, daß es unter deu russischen Juden ziemlich j anderen dortigen Volksstämmen angestellt werden. Bon den zahlreiche Mischformen (23Va°io) giebt und „daß deshalb j 24 erwachsenen Karäern hatten 6V2°!0 langschädeligen Typus, dem vorherrschenden Typus fremdes Blut, Elemente eines! anderen langschädeligen Stammes beigemischt find. Die letzteren find jedoch schon bedeutend assimilirt, da wahre lang- 61 j2°lo mittelschädeligen und 87°|0 kurzschädeligen. Bon 20 lebenden Männern war keiner langschädelig, 5°(o mittelschädelig und 95°jo kurzschädelig. Indessen zeigte fich, daß dieses schädelige fich nicht vorfinden. Letzterer Umstand scheint uns! hohe Vorherrschen der Kurzschädeligen ein Kunstprodukt sei, nun durchaus gegen die Annahme des Verfassers zu spre-j nämlich durch den Einfluß der von den Karäern benutzten chen. Wir sehen vielmehr in den Zahlen, die Jkow gefunden,! Wiege, welche so eingerichtet ist, daß der Hinterkopf abgeden Beweis, daß unter den russischen Juden die kurze Schädelj plattet werden muß. Es findet fich also ein wesentlicher form vorherrschend ist, einzelne Individuen sich einer etwas j Unterschied zwischen den Karäern und den russischen Juden längeren Form nähern, ohne den Gegensatz zu erreichen, was! nicht, und diese Beobachtung ist nicht ohne Wichtigkeit, wie gerade auf die Einheit der Abstammung hinweist, wenn überhaupt die Schädellänge für diese Frage entscheidend wäre. wir sehen werden. Der Verfasser geht noch ganz kurz auf die drei Schädel Daß sich solche, immerhin nicht bedeutende Varietäten unter italienischer Juden ein, die im Museum von Bologna beeiner größeren Zahl von Individuen in verschiedenen Fami-! wahrt werden und wahre Langschädelige sind und uur durch lie» vorfinden, ohne erst durch Beimischung fremden Blutes die allgemeine Größe von denen der türkischen Juden fich herbeigeführt zu sein, ist doch natürlich und findet sich in allen unterscheiden. Der Schädel des kaukasischen Juden ist im Bereichen der Natur wieder. Hierbei sehen wir es auch als Gegentheil kurzschädelig und dem der anderen Juden Rußeine wesentliche Mangelhaftigkeit an den mitgetheilten Beo- , lands ziemlich ähnlich.

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