Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 8 (17.2.1885)
- Date
- 1885-02-17
- Page
- Seite 119 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3227555-3227564--42407-3310962- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
119 bet großartig sich entwickelnden Bküthe der Stadt als eines! den; inneren Antriebe, ihre Ueberzrugungcn der übrigen der bedeutendsten Handelsemporien bei; ste erfüllten gern ihre! Menschheit mitzutheilen und dem in ihnen lebenden schöpfe- Pflichten gegen den Staat und die Commune, namentlich! rischen Genius zu genügen, als auch um den Borurtheilen entauch in militärischer Beziehung, so daß auch rühmlich bekannte I gegenzutreten die Bertheidigung ihrer Glaubensgenofsenschaft Feldherren, wie Onias, Chelkias und Ananias ägyptische! zu führen, und ihren Genossen selbst das Bewußtsein der Bor- Heere siegreich anführten; und endlich nahmen sie am wisseni züge ihrer Religion und ihres Stammes zu erhalten, ent» schastlichen und poetischen Leben Antheil. Dennoch konnte! wickelten jüdische Schriftsteller in Alexandrien einen regen eine innige Bereinigung und sreundlich-nachbarliche Gesinnung' Eifer und brachten so ein umfängliches jüdisch - griechisches mit den Gräco-Aegyptern nicht gewonnen werden. Die gegen-! Schriftthum hervor. Wie die moderne jüdische Literatur sich an die festlichen Momente waren zu stark und bleibend. Der strenge deutsche Pentateuchübersetzung Mendelssohn's anschloß, so ge- Monotheismus und der Abscheu vor Götzenthum und Götzen-| schah dies auch mit der griechisch-jüdischen Literatur aii die bildnerei, der mit dem jüdischen Geiste durchaus verwachsen griechische Uebersetzung der h. Schrift, die Septuaginta. Oder war, stand ebenso dem leichtfertigen griechischen wie dem vielmehr der in den Juden neuerwachte, an das allgemeine ernsten, ja trübsinnigen ägyptischen Cultus unversöhnlich Kulturleben sich anschließende Geist fand sein erstes Bedürfgegenüber; die Sittenstrenge, die den Juden seit alter Zeit niß und die erste Befriedigung feines Strebens in der Ueber- und nach dem väterlichen Gesetze einwohnte, ließ bei der in tragung der h. Schrift in die Landessprache, welche auch die Alexandrien herrschenden Sittenlofigkeit, Unzucht und Ueppig- Muttersprache der dort angefiedelten Juden geworden. Wähkeit keine nähere Verbindung zu. Hierzu kam, daß die Juden rend aber die Mendelssohn'sche Uebersetzung der Thora nur durch ihre Emsigkeit und Sparsamkeit sich bald Wohlhabenden einen Zweck haben konnte, den Juden das Schriftwort heit, ja Reichthümer erwarben, was natürlich in dem müßigin rein deutscher Sprache zum Berständniß zu bringen, hatte gängerischen und genußsüchtigen Pöbel aller Klaffen einen jene griechische Uebertragung das doppelte Motiv: der vorhochgradigen Neid erweckte. Selbst auf dem wiffenschaftlichen zugsweise literarisch gewordenen griechischen Kultur die Be- Gebiete konnte eine Amalgamirung nicht stattfindcn, weil die kanntschaft mit der Religionsurkunde des Judenthums zu Prämissen, von denen beide Parteien ausgingen, zu ververschaffen, und den Juden selbst, welche des Hebräischen schieden waren, so daß die Geister gegenseitig aufeinander ’ unkundig geworden, die Kenntniß der h. Schrift zu ermögstießen. So begreifen wir, daß bei den Gräco-Aegyptern lichen oder zu erleichtern. Bon hier aus nun entfaltete sich frühzeitig eine starke Mißstimmung gegen die Juden Platz bei den alexandrinischen Juden ein reges literarisches Leben, griff. Wurden diese, wie es bei mehreren Ptolomäern, na« dessen Inhalt, wenn auch in wannichfaltiger Gestalt, promenttich auch bei der Kleopatra der Fall war, vom Könige 1 fatsch und poetisch, das Religiöse und Religionsphilosophische und dem Hofe begünstigt, so wuchs jener Neid bis zur Feind-. war. Ungefähr die Mitte dieser literarischen Bahn nimmt seligkeit; wurden sie hingegen von den maßgebenden Kreisen! das Buch ein, welchem wir diese Artikel gewidmet haben, übel angesehen, wie z. B. vom Lathuros, so mußten die betitelt: „Weisheit Salomonis". Bon der negativen Seite Juden dies empfindlich verspüren, wurden vielfach gedrückt,! hat dieser ganze Literaturzweig das Eigenthümliche, daß er zurückgestoßen, mißhandelt. Lange deshalb, bevor zu Philo's das Gesetz an sich und die traditionelle Durcharbeitung, Zeit unter dem römischen Staatthalter Flaccus die blutigen! welche seit Esra die Hauptthätigkeit der jüdischen Geister in Verfolgungen ausbrachen, wurden in Alexandrien den Juden j Palästina in Anspruch nahm, daselbst eine Parieibildung und schwere Trübsale bereitet. Als ein hervortretendes Merkmal i die harten Kämpfe der Pharisäer und Sadduzäer hervorrief, deffen muß man die vielen giftigen Pamphlete gegen die Juden ansehen, welche von alexandrinischen Libellisten auf sie geschleudert wurden. Die Namen mehrerer derselben sind uns überliefert, so Apolonius Molo um 90 vor d. gew Zeitr., Pofidonius aus Apamea um 70 vor der gew. Ztr., Chäremon um 50 vor d. gew. Ztr., Lyfimachos 30 vor d. gew. Ztr., und endlich der berüchtigte feile Grammatiker Apion, gegen deffen hetzerische Schmähschriften Josephus sich veranlaßt sah, sein bekanntes Buch zu versoffen.') Sowohl nun aus I) Eine Uebersetzung dieses überaus wichtigen Buches ist der vom Institute zur Förderung der israelitischen Lüeratur heraus, gegebenen „Bibliothek der griechischen und römischen Lchrlftftcuer über Judenlhum und Juden" enthalten, Bd ll. S. 8s. * völlig ignorirte und ebenso wenig die midraschische Auslegungsweise anwandte. Dahingegen machte er positiv die höhere Religionslehre, den Gedankeninhalt des Judenthums zum Gegenstände seiner Anstrengungen. Hier kamen diese Autoren alsbald in eine besondere Lage, welche für die ganze Entwickelung entscheidend ward. Eine Würdigung des Judenthums und der h. Schrift konnte man nicht von den eingefleischten Heiden, sondern nur von den vernunftgemäßen Denkern und also Gebildeten erwarten. Diesen aber mußten wieder die vielen anthropomorphistischen und anthropopathischen Ausdrücke, die in der h. Schrift von Gott gebraucht werden, sehr auffällig sein, und deshalb bemühte sich schon Aristobul, als er dem Könige Philometor die Uebertragung des Penta 8*