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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-02-17 · Heft 8 (17.2.1885) · p. Seite 118

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 8 (17.2.1885)
Date
1885-02-17
Page
Seite 118 (sequence 2)
Language
German
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118 des Haffes bemächtigt. Hier wird die Feindschaft gegen die Hebel der Religion einzusetzen haben. Man hebt ffe von Religion, gegen jede religiöse lleberzeugung, gegen jedes fittdem Boden hinweg, aus welchem fie in den Jahrtausenden liche Gefühl und Bewußtsein offen gepredigt, und durch erwachsen und erstarkt sind und verflüchtigt fie zu einigen Schlagwörter den schwachen und ungebildeten Geistern in- Allgemeinsätzen, welche kein tieferes Bewußtsein und noch sinuirt und durch glänzende Verheißungen zugänglich gemacht. , weniger ein tieferes Gefühl zu erwirken vermögen; Allgemein- Fürwahr cs hieße denn doch die Augen mit Gewalt versätze, welche vor den Thatsachen des Lebens, vor tiefergreischließen, wenn man die wesentliche Ursache und Förderung senden Erschütterungen, vor den zersetzenden Einflüffen der dieser Seuchen nicht in der Untergrabung aller Religion, aller Wissenschaft oder doch der wiffenschastlichen Hypothesen und religiösen Gefühle und Anschauungen finden wollte. ,i>er radikalen Systeme nicht Stich halten. Alles dies weil Wir wiffen sehr wohl, was man uns einwenden wird. j man der wahren Glaubensfreiheit ermangelt, der Achtung Sind nicht, wird man sagen, unter der Fahne der Religion vor jeder ehrlichen Ueberzeugung, weil man es nicht begreifen in vergangenen Zeiten die schwersten Verbrechen und genügt will, daß die verschiedenen Confesfionen trotz ihrer Eigenart Maffenmorde verübt worden? Ja, in vergangenen Zeiten/ friedlich nebeneinander bestehen und ihre Bekenner zu gemeinin den Zeiten des Fanatismus und der Barbarei, und als ( sanier treuer Pflichterfüllung gegen Vaterland, Staat und diese aus der Völkerwanderung und dem Mittelalter heraus. Gesellschaft vereinigen können. Dies ist es, was man von noch Herrscher und Beherrschte beseelten. Aber wir leben in, allen Seiten gegen das Judenthum versucht, und um Juden der Zeit der Humanität, der höheren Gesittung und vor und Christen auf ein Niveau zu stellen, sucht man ihm so- Allem des Rechtsstaates, in welchem Allen gleiches Recht zu- ' wohl als dem Christenthum die Lebenselemente zu rauben steht. Allen soviel wie möglich Recht geschieht. Die Gesellschaft und ihnen ihre Selbstständigkeit zu entziehen. Aber bei solist unaufhörlich bestrebt, alle bestehenden Unebenheiten auschem Versuche, wenn er gelänge, würde man beide entzugleichen, immer mehr den Unfällen und den drückenden wurzeln, und so nur die Religionslosigkeit mehren und damit Nöthen des Lebens abzuhelfen; die öffentliche und Privatdie sittliche Verwahrlosung ausbreiten, wohlthatigkeit ist unermüdlich beschäftigt, durch Anstalten und j Nein! nicht die Religion an sich ist in Gefahr, sondern Vereine jedwedem Elend entgegenzuarbeiten. Alle diese Wege, die Menschen! Zu tief liegt sie in der Natur der Menscheufind beschritten und führen zu immer ansehnlicher« Zielen, seele, als daß fie aus ihr herausgeriffen werden könnte — und vor Allem ist es eben der Geist, der hierzu anregt, der zu fest ist fie durch die Jahrtausende dem menschlichen Deues fordert und die allseitigen Anstrengungen Hervorrust, welken und Fühlen an- und einerzogen, als daß sie aus diesem cher die schönsten Aussichten eröffnet — wenn nur aus der , durch das stumpfe Messer des Unglaubens und des rohen Masse selbst ein sittlicher Odem, ein religiöser Hauch ent- ’ Materialismus heraussezirt werden könnte — immer wird zezeuweht. Aber gerade hieran ermangelt es und dies hinfie in unzähligen Geistern leben und wirken, zahlloseu Seelen dett die Fortschritte, ja bedroht sie und ihre Ergebnisse. geheiligt und ihre Zuflucht und ihre Leuchte sein — ihre Wir wollen hier nicht die Ursachen untersuchen, aus Urkunden liegen stets bereit und werden immer wieder zu welchen diese Religionslosigkeit und Religionsfeindschaft ent- Quellen der Erkenntniß und der sittlichen Reinigung, und sprungen ist und immer mehr anwächft. Wenn die Religionen trotz allem Ankämpfen und Widerstreben wird die Ueberselbst auf dem Wege sind, die ihnen aus roheren Zeiten anlieferung von Geschlecht zu Geschlecht nicht abgebrochen! haftenden Mißbräuche abzustellen und sich zu läutern; wenn j erner die mehr oder weniger stattfindende Trennung von! Kirche und Staat die erstere vor Fehlgriffen schützt, weil ihr Die Vnstznt SaloMVMS. der weltliche Arm nicht mehr zu Gebote steht: so fallen die! , v Gründe weg, aus welchen der Radikalismus die Religion! —cxpia Mfuuv. bekämpft. Doch Eines wollen wir hervorheben: das ist die! IV. (Schluß.) Religionsmengerei, welche in der jüngsten Zeit mit rechts Die nach Alexandrien in großer Anzahl verpflanzten tendenziöser Absicht ans Licht getreten (vgl. den Art. Bonn Juden, denen die gleichen Rechte mit den Aegyptera und in vor. Nummer). Man bemüht sich, alle die eigenthümlichen Griechen verliehen worden, näherten sich willig der in der und charakteristischen Merkmale, alle die historischen Momente, rasch aufblühenden Stadt herrschenden griechisch-ägyptsschen welche den überlieferten Religionen innewohnen, hinwegzu- Kultur. Sie nahmen die griechische Sprache cm, natürlich räumen, zu verdecken und die entstandenen Lücken zu überin dem dort üblichen hellenistischen, später eigenthümlich tünchen; aber gerade diese sind es, welche der Religion eine alexandrinischeu Dialekt, so daß fie fast ganz die hebräische nachhaltige Einwirkung auf die Gemüther sichern, welche die Sprache vergaßen; sie trugen durch ihren Fleiß und ihre Stellen finden lassen, wo in den Seelen der Menschen die Befähigung im Handwerk und im Handel nicht wenig zu

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