Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 138 (17.11.1838)
- Date
- 1838-11-17
- Page
- Seite 556 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3224856-3224995--01422-3310955- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
556 reuete es nie, daß er den Weg des Herrn gewandelt war, statt die steile Bahn zum Throne hinanzuklimmen, und oben schuldbeladen, mühebeladen sich sestzusetzen. Dem unrechtmäßigen Herrscher wird das Scepter oft genug heiß in der Hand von brennenden Gewissensbissen, und er senkt es schwer auf die Unterthanen hinab, weil es ihm selbst schwer und drückend ist. Aber dem rechtmäßigen und gerechten Herrscher ist es ein Zauberstab, mit welchem er neue Welten — die Welten des Frohsinns und der Freude — in der Unterthanen Gemüth hervorzaubert und für sich Gold und perlen, nämlich der Beglückten Dankesthränen, und langes Leben, im Munde der Nachkommen. In diesem Sinne herrschte Antipater. Ueberall hielt er streng Gericht, hielt auf Ausübung der guten alten Sitten, und erwirkte vom Cäsar sogar die Erlaubnkß, die alte, heimische Verfassung nicht minder wieder aufzubauen, als die Mauern Jerusalems. Das Erstere hatte man von ibm, als einem halb Fremden am wenigsten erwartet, und das Zweite nie von dem Stolze und dem Argwohn der Römer. Allein seit jenem Traum in Alexandria hatte Antipater sich mit ganzer Seele dem Vaterlande geweiht, und wollte nur auf dem Glücke emporsteigen, welches er den Mitbürgern errichtete. Cäsar aber bauete viel zu sehr auf die redliche Gesinnung Antipaters und überhaupt auf die Unbedeutendheit des ganzen Volkes, um die Wiederbefestigung Jerusalems zu fürchten. Die Mauern der heiligen Stadt erhoben sich unter des Statthalters Anleitung bald wieder zu ihrer vorigen Höhe, und glänzten dem Wanderer so herrlich entgegen, wie einst ihm in dem Traum. Wohl oft kehrte die Erinnerung an den wunderbaren Traum in seinem Gedächtnisse wieder, wenn er von seinen Gerkchtsreisen durch die Provinzen heimwärts eilend in der blauen Ferne das hoch thronende Jerusalem erblickte. Aber jedes Mal trat ihn dann auch das Bild seines Sohnes vor die bewegte Seele und er sandte Gebete zu dem Allherrscher hinauf, seinen Sohn auf der Bahn des wahren Ruhmes vorwärts zu führen. Was an ihm lag zur Erfüllung dieses Wunsches, that er dabei mit dem regsten Eifer. Er hatte für eine gute Erziehung gesorgt, er war seinen Söhnen als Muster eines Kriegers und Staatsmannes vorangeschritten, und hatte bis jetzt auch noch nicht die geringste Befürchtung nöthig, daß seine Bemühungen fruchtlos blieben. Phasael sein ältester Sohn war sanft, besonnen, und wenn eS galt, auch nicht ohne kriegerischen Muth. Herodes dagegen, der Jüngere, hatte von der Natur einen schönen, kraftvollen Körper empfangen, einen hellen, durchdringenden Verstand, und ein heftiges aber feuriges, echt ritterliches Gemüth. Furcht hatte er nie gekannt, weit er von Jugend auf die Kraft in sich fühlte, allein dazustehen und in sich selbst Schutzmittel gegen jede Gefahr zu finden. Schon als Jüngling vollführte er die kühnsten Thaten, und war allgemein gefürchtet wegen seiner unglaublichen, bis an Rücksichtslosigkeit gränzenden Kühnheit, und seiner Körperstärke und Geschicklichkeit in der Handhabung der Waffen. Der Vater blickte mit Stolz und Freude auf ihn hin. Auch Großmuth und Schonung für die wehrlose Schwache wurde an ihm gerühmt. So hatte er kurz vor Antipaters Rückkehr aus Alexandria der Gemahlin und Tochter Alexanders einen Dienst erzeugt, der ihn in den Augen des Volkes zum Gegenstände der Bewunderung emporhob. Beide waren aus ihrem Sommeraufenthalte von syrischen Räubern entführt, und begegneten aus diesem gezwungenen Zuge durch die Walduugen dem jungen Herodes, welcher mit wenigen Gefährten zur Jagd ausgezogen war. Die Fürstin hatte Muth genug, laut seine Hilfe anzuflehen, und ihren Namen zu nennen, der ihr bereitwilligem Schutz herbeiziehen sollte. Hätte sie freilich gewußt, der Sohn' ihres Widersachers stehe vor ihr, so würde sie gern ihren Namen verschwiegen haben, aus Furcht nur einen neuen Gegner zu bekommen. Doch Herodes kannte eine solche kleinliche Gesinnung gar nicht; er hätte um keinen Preis der Männer Feindschaft auf das wehrlose Geschlecht der Frauen übertragen, vollends, wenn sie seinen Schutz anfleheten. Darum zauderte er keinen Augenblick ihnen Hilfe zu bringen, sondern warf sich den Räubern mit drohender Aufforderung sogleich in den Weg, und scheuere, leicht bewaffnet wie er war, selbst den Kampf mit der Uebermacht nicht. Durch seine Schnelligkeit und Stärke streckte er gleich beim ersten Angriff ein Paar von den Räubern zu Boden, und setzte dadurch die Uebrigen dergestalt in Schrecken, daß ihm das anfangs Unglaubliche gelang. Er entriß die Frauen den schmachvollen Banden, und brachte sie, ohne auch nur verfolgt zu werden, nach ihrem Wohnorte zurück. Auf diesem Wege hatte er Gelegenheit, den liebenswürdigen Eharak> ter der Fürstin und ihrer noch halb kindlichen Tochter, Mariamne, kennen zu lernen, und bedauerte, daß Ehrfurcht und Habgier diese herrliche Familie so feindselig schied. Kein Gedanke stieg damals lebhafter in ihm auf, als der, Alles zu thun, um solchen Krieg zu beenden. Auch schien ihm das nicht so gar schwer, nachdem er einige Male der Fürstin edle Züge gesehen, und in das liebevolle Auge Mariamnens geblickt hatte. Es fehlte nicht viel, so hatte er den beiden holden Wesen seine Gesinnungen auf der Stelle mitgetheilt, und um ihre Mitwirkung gebeten; allein er fürchtete, zu voreilig zu verfahren, und nannte darum seinen Namen