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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-02-10 · Heft 7 (10.2.1885) · p. Seite 114

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 7 (10.2.1885)
Date
1885-02-10
Page
Seite 114 (sequence 14)
Language
German
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114 israelitischer Eltern 1806 zu Bremerlohe im Hannoverischen geboren. Als sie sechs Jahre alt war, siedelte sie mit ihren Eltern nach Hamburg über, welches bis zum Ende ihre Heimath geblieben ist. Nach frohverlebter Jugendzeit im Elternhause trat sie in das ihres erwählten Gatten im Jahre 1827, des Kaufmanns Moritz D. Goldschmidt.*) Ihre glückliche Ehe war mit acht Kindern gesegnet. Erst als die Pflege und Erziehung derselben die zärtliche und denkende Mutter nicht mehr ausschließlich in Anspruch nahm, begann Johanna, in den vierziger Jahren, als Schriftstellerin an die Oeffentlichkeit zu treten. Ihr erstes Buch war eine Tendenzschrist: „Amelia und Rebekka", Briefwechsel einer christlichen Adeligen und einer Jsraelittn über Zeit» und Lebensfragen (Leipzig, 1847). Das Buch erschien anonym und enthält Schilderungen von Zuständen und Conflicten zwischen Christen und Juden, wie sie schon damals bestanden und heute in noch schärferem Grade hervortteten. In einem Briefe dieses Buches ent« wickelte die Berfafferin den Plan zu einem Verein, der auf die sittliche Hebung des weiblichen Geschlechts wirken und die begüterten gebildeten Frauen bestimmen sollte, für die minder bemittelten, die arbeitenden Schwestern einzutreten, besonders aber auch danach zu streben, den Frauen über die bisherige Beschränkung hinaus eine allgemeine Bildung zu verschaffen. Aus dieser Anregung entstand 1848 der Frauenverein zur Bekämpfung und Ausgleichung religiöser Voruriheile, aus dem sich der erste Frauenbildungsverein in Deutschland entwickelte. *) Wir schalten hier einige Worte aus der Schrift des Dr. Kayserling: „Die jüdischen Frauen in der Geschichte. Literatur und Kunst (Leipzig, Brockhaus. 1873)" über Frau Goldschmidt ein (S. 256): „Mit inniger Liebe hängt sie an dem väterlichen Glauben. Aus Treue gegen ihre Religion schlägt sie den von einem christlichen Staatsanwalt ihr gemachten Heirathsantrag aus. und als nach sechszehn Jahren der unverheirathet gebliebene bewährte Jugendfreund ihrem hoffnungsvollen Sohne eine sorgenfreie Zukunft sichern und ihn unter der Bedingung zu seinem Universalerben cinsetzen will, daß er das Judenthum verlaffe, weist sie auch dieses Anerbieten entschieden ab. „Die reinen Lehren unser» Glaubens", sagt sie ihm, „entfernt von veralteten Gebräuchen, rüsten das Herz mit Kraft und Begeisterung zum Kampfe aus; und ist es uns gelungen, trotz Kälte und Zurückhaltung der Menschen, uns dennoch so manches edle Herz gewonnen zu haben, so lohnt uns das erhöhte Bewußtsein den mühsam errungenen Preis zehnfach." Im Jahre 1848 lernte Frau Goldschmidt Friedrich Fröbel kennen, hätte mit Begeisterung seine Botträge und begann seine Ideen prakttsch einzuführen. Damals hatte sie ein Buch geschtteben: „Mutterfreuden und Muttersorgen". Sie schickte das Manuskript dem berühmten Adolf Diesterweg nach Berlin mit der Bitte, einige einleitende Wotte dazu zu schreiben. Diesterweg that es gern und blieb in fottgesetztem Briefwechsel mit der Berfafferin, deren geistiger Richtung er leb« Haftes Jntereffe scheuste. Johanna Goldschmidt begründete nun neben den entstehenden Bürgerstndergätten in Hamburg den Fröbel-Berein mit dem besonderen Zwecke, Kindergättnerinnen für die Familie zu bilden. Diese Schöpfung, der sie bis zum Tode als Präsidentin angehött hat, ist die fruchtreichste That ihres Lebens, das von ihr begründete Fröbel-Haus das schönste Denkmal. In demselben ist ein Heim für junge Mädchen, die sich der Ausbildungsanstalt daselbst anvettrauen. Ein Kindergarten giebt im Hause Gelegenheit zu praktischen Uebungen, auch werden die Schülerinnen zur prastischen Lehrzeit in ein Kinderhospital und in Familien von Schutzdamen gegeben. Zur Säcularfeier Fröbel's gründete Johanna Goldschmidt im Verein mit dem Vorstand ihres Vereins einen Stipendienfonds für hülfsbedürftige Kindergättnerinnen. Unausgesetzte Theilnahme widmete Frau Goldschmidt der Frauenbewegung auf dem Gebiete der Erziehung. Auf den von ihr besuchten Frauentagen vertrat sie mit Begeisterung und großer Wärme Fttedttch Fröbel's Kindergartensyftem und seine Mutterschule; allein wohlwollend war ihr Blick auch allen anderen gemeinnützigen Bestrebungen zugewendet. Sie bekundete noch im Jahre vor ihrem Tode diese Theilnahme durch Erttchtung von Küchen und Speisevertheilung an arme Schulstnder. All' dieses öffentliche Witten wuchs aus dem Boden : eines glücklichen Familienlebens hervor. Im Jahre 1877 j war es Frau Goldschmidt vergönnt, die goldene Hochzeit mit ihrem Gatten zu feiern, umgeben von Kindern, Enkeln 1 und Urenkeln. Wenige Jahre vor ihr schied ihr Lebens-! gefähtte, ein hoher Achtziger, aus dem Leben. r I Anzeigen. Ty* Qpvin werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet and müssen für die nächstllidd €\» IC folgende Wochennnmmer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Ein jung. geb. Mädchen (Israel.), w. seit, 5 Jahren e. Haush. vorsteht, in d. Küche, j Haushalt, jed. Handarbeit, auch im Maschinen-' nähen bewandert, wünscht sich gegen Mai zu verändern. Familiäre Stellung m e. seinen; Haushalt oder als Erziehettn bei Kindern erwünscht. Näheres durch Frau I. Hauswitz.' Hamburg, Laufgraben 27. [H. 30 li | Pensionat und Höhere Töchterschule von |L. 859 Frau Dr. Lederst« in Hannover. Thiergarteustraße 3 und 4. Aufnahme von Zöglingen zu jeder Zeit. — Das neue Semester beginnt am 15. Januar.

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