Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-02-10 · Heft 7 (10.2.1885) · p. Seite 111

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 7 (10.2.1885)
Date
1885-02-10
Page
Seite 111 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227555-3227563--42398-3310946
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

111 wendet man sich zunächst, weil diese von ihrem Vaterlande aus nicht geschützt werden.) — Wir haben wiederholt aus Correspondenzen bemerklich ' gemacht, daß die rusfischen und aus ihnen die deutschen Blätter die „neue Sekte" in Kischinew zu einem Ereigniß stempeln möchten, während es doch gar keine „Sekte", sondern nichts, als ein, etwas verkappter Versuch zur Bekehrung, eine protestantische Mission mit englischem Gelde ist. und gar wenig Anhänger findet. Eine Correspondenz der „Franks, i Ztg." vom 26. Januar bestätigt dies. Sie lautet: „Die neue Religionsgenoffenschaft, die sich unter dem Namen Neu- Jsrael gebildet, und, wie ich Ihnen bereits telegraphisch meldete, die Bestätigung des Ministers des Innern gefunden hat, wird, wie ich einem Privatbriefe aus Kischenew entnehme, wo zur Zeit ihr Hauptfitz ist, schwerlich eine weite Verbreitung finden. Die Grundidee des „Reformators" ist nichts Anderes, als eine Umwandlung des Judenthums ins Christenthum, der Reformator fordert die Anerkennung der gesammten heiligen Schrift und der Gottheit Christi, über unzählige andere Punkte. ist er sich aber vollkommen im Unklaren, doch scheint es, als neige die Sekte mehr zum Protestantismus als zum Katholicismus. Was aus russischen Blättern darüber in die Oeffentlichkeit dringt, muß mit Vorsicht ausgenommen werden, denn diese suchen die Bewegung sehr zu fördern und ihr eine größere Bedeutung zu geben, als sie hat." Turek, 29. Jan. (Privatmitth.) Der „Jwri", — ein recht gut redigirtes, in Brody erscheinendes hebräisches Wochenblatt — veröffentlicht mehrere Briese, welche das Schicksal der jüdischen Ansiedler in Palästina in den traurigsten Far- und holländischem Schutze stehen, nichts, weil sie als Europäer gelten. Die Last fällt nur auf die russischen und polnischen Juden, weil der russische Consul die in der Türkei Wohnenden nicht länger als 5 Jahre in seinem Schutze hält. — Endlich hat auch der „Hamelitz" Stellung zu der Warnung vor weiterer Einwanderung in Palästina genommen. Kleine wirkliche oder scheinbare Ungenauigkeiten werden über Gebühr bemängelt, dann aber ehrlich zugestanden, daß große Fehler gemacht worden sind, besonders in der Auswahl der Personen. Aber der Hinweis auf Amerika, wo mit unvergleichlich größeren Mitteln noch viel mehr Fehler gemacht und noch viel weniger geleistet worden ist, soll Alles erklären. Mehr als 1500 Personen sind in 2 Jahren nach Palästina ausgewandert, darunter viele, welche allen Abmahnungen nur einen bekannten Bibelvers in freier Ummodelung entgegen' setzten: „Bester ist es uns, im Lande der Väter in Gottes Hand zu fallen, als hier in die Hände unserer erbarmungslosen Hasser!" — Die vor Kurzem der A. Z. d. I. nützetheilte Maßnahme, daß die in Petersburg ansässigen jüdischen Profesfionisten unter Aufsicht gestellt werden sollen, ob die Juden, welche Profesfionszeugniffe besitzen, wirklich ihr Handwerk betreiben, daß aber solche, die sich nicht mit ihrem Gei werbe beschäftigten, ausgewiesen werden sollen, ist auf Grund eines Befehls des Finanzministeriums schon in Kraft getreten, j lieber diese Maßnahme liegen einige neue Daten der „Petersb. Ztg." vor: Dieser Tage haben die Beaufsichtiger der j jüdischen Handwerker in der Werkstatt eines Uhrmachers ein Protokoll ausgenommen und bestimmt, daß alle seine jüdi-! schen Gesellen aus der Stadt zu weisen seien, weil sie —; zum Mittagessen fortgegangen, also — nicht gearbeitet haben'. den malen. Rechnen wir auch etwas der lebhaften Phantasie zu, die sich im Aufträgen dunkler Farben gefiel, so stimmen doch die Berichte von Freund und Feind überein, daß alle Fehler, welche im Anfänge haben gemacht werden können, gemacht worden find. Ungenügende Kenntniß des Landes und seiner Weise, ungenügendes Berständniß der Arbeit, schlechte Auswahl der Einwanderer, zu geringes Capital — und doch zeigt sich hie und da besseres Gedeihen. Darin stimmen alle überein: Wer hingeht, ohne die Klärung der Verhältnisse abzuwarten, handelt leichtsinnig. Die Türkei beharrt darin, fremde Juden nicht zuzulassen und von den Eingeborenen zu verlangen, daß sie in die Bürgerverzeichnisse sich eintragen lassen und alljährlich l1, .» Medjidje (ca. 6 Mark) Kopfsteuer für jeden Mann zahlen. Ohne das Certificat über geleistete Steuer hat man kein Wohnrecht und nicht die Erlaubnis, das Land zu bereisen. Das Geld wird nicht von den Einzelnen, sondern von den Gemeindevorstehern eingefordert. In Jerusalem wird es von der Chaluka und zwar in diesem Jahre mit 3000 Medjidje (ca. 12000 Mark) bezahlt. Dabei zahlen die Kollelim, die unter österreichischem, deutschem l Solcher Unsinn kann zwar selbst hier nicht durchdringen, aber! er verursacht doch Aerger und Kummer und Kosten! — Die | von dem amerikanischen Gesandten befürwortete Bitte eines! amerikanischen Juden William Jameiker, in Odessa eine! Wachslichthandlung errichten zu dürfen, ist abschlägig beschieden und vom Ministerium des Innern eiugeschärft worden, daß ausländische Juden nur die Erlaubniß zum Export- und Jmporthandel zu betreiben erhalten dürfen, niemals 1 aber für Handel im Lande. Auch die gesetzlich gestattete Erlaubniß soll fortan nur von der Regierung selbst ertheilt werden. In Odessa bereiten mehrere Handelshäuser ihre Auflösung deshalb vor. — Dem österreichischen General-! consul in Odessa wurde mitgetheilt, daß der Minister des Innern nach Verständigung mit dem Minister des Aeußern es für möglich erkannt, den Aufenthaltstermin für die österreichischen Juden, welche sich in Odessa aufhalten und Handel treiben, noch auf eine gewisse Zeit zu verlängern. — Wie das Petersburger „Echo" gehört haben will, hat die unter dem Vorsitz des Grafen Kahlen eingesetzte „Judencommission" unter andern Fragen auch folgende angeregt: 7*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.