Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 7 (10.2.1885)
- Date
- 1885-02-10
- Page
- Seite 110 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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110 „ Bremischen Bürgerschaft Hansestadt Bremen) bei zwei Mitglieder unserer Gemeinde gewählt worden sind: die Herren Alex. Abraham und August Cohen. In beiden Fällen war der Wahlkampf ein heißer und Stichwahlen erforderlich; namentlich ist in dem Bezirk, in welchem Herr Cohen als Candidat aufgestellt war, gegen den „Juden" heftig agitirt worden, da die Wähler dieses Bezirkes zum großen Theile zu den „Frommen" gehören. Daß Herr Cohen dennoch gewählt wurde, beweist, daß in unserer Einwohnerschaft ein freier und gesunder Sinn vorwiegend ist. Herr Alex. Abraham war schon Mitglied der Bürgerschaft und ist nun für fernere sechs Jahre wiedergewählt worden. M. Lewinger. O esterreich-Ungarn. Wie«, 30. Januar. (Privatmitth.) Es gereicht stets zu großer Befriedigung, wenn man sieht, wie gemeinnützige (gesetzgebender Körper für die freie die Talmudjuden und die jüdische Presse machen nicht einder diesjährigen Ergänzungswahl mal mehr den früheren Eindruck der Heiterkeit. Der zweite Antisemit des Tages, Namens Komlosiy, kam wieder auf das längst abgedroschene Thema, daß nur die Juden für die Ausbildung ihrer Kinder alle möglichen Opfer bringen. Und wenn die Judenknaben groß werden, besuchen sie die von unseren Geistlichen geleiteten Schulen, um dieselben Geistlichen dann in der Zudenpresie zu verunglimpfen. Ueberhaupt überschwemmen die Juden unsere Schulen, die meisten be« suchen jedoch die medicinische Facultät, weil man als Arzt das meiste Geld verdienen kann." Als ein erfreuliches Zeichen der Befferung ist es zu begrüßen, daß es auch Männer im ungarischen Abgeordneten- Hause giebt, welche diesen Antisemiten frei und offen entgegentreten. Karl Neißidler, ein gebildeter Kaufmann, erklärte, er könne durchaus die Strömung nicht billigen — und trete sie unter welchem Borwande immer auf — welche sich unter Anstalten, die schon eine lange Wirksamkeit hinter sich haben, dem Schutze der Religion bildet, aber in letzter Analyse die brüderlichen Bande der Völker zerreißen will, die Moral, das Recht erschüttert, welche die Stütze, der Grundstein jedes das sich eines so wohlverdienten! Landes. Traurig sei es, daß man die Störung der guten das 40. Jahr seines Bestandes Eintracht zwischen den Confessionen beabsichtige. Diese Bestrebungen können niemals gebilligt werden, besonders dann nicht, wenn sie von den Dienern der Religion gepflegt werden, die den Oelzweig des Friedens in Händen halten müssen. Er dauernd in bester Blüthe stehen. Das vom kaiserl. Rath Joel Deutsch gegründete „Allgemeine österreichisch-israelitische Taubstummen-Jnfiitut", Rufes erfreut, hat bereits erreicht. Nach dem uns vorliegenden Jahresbericht für 1884 befanden sich 01 Zöglinge und zwar 56 Knaben und 35 Mädchen gegenwärtig in der Anstalt, von welchen 16 aus Wien. 28 aus Galizien und 19 aus Ungarn, die übrigenj fühle sich dabei wie jene, die mit Samson zusammen waren. in kleinen Zahlen aus den anderen Theilen Oesterreichs, 4! aus Rußland, 3 aus der Türkei, je 1 aus Rumänien und! Preußen waren. Bemerkenswerth ist noch, daß von diesen j 91 Zöglingen 42 taubstumm geboren und 49 durch Krankj heiten, darunter 8 durch Sturz, taubstumm geworden sind. Die Anerkennung, welche sich die Anstalt durch ihre Leistungen! erworben, erwies sich auch dadurch, daß der Gemeinderath der Stadt Wien 5 Zöglingsfreiplätze für nach Wien zustän- > dige taubstumme Kinder armer Eltern an der Anstalt creirt hat und dem Direktor Deutsch aus Anlaß der Vollendung seines 40 jährigen Wirkens an derselben das Bürgerrecht der Stadt Wien taxfrei verliehen hat. Die Einnahmen betrugen im verflossenen Jahre fl. 35,584, von denen fl. 3352 in Cassa blieben, so daß sich die Bilanz um ca. 1100 fl. zu Gunsten der Anstalt stellte. Pest, 25. Januar. (Privatmitth.) Die Debatte über das Cultus- und Unterrichts-Budget wurde den 22. d. M. von einem antisemitischen katholischen Priester eingeleitet und von einem solchen auch beschlossen. Der Pater Zimandy, der als j verändert! Früher beeiferte man sich, Ausländer ins Land als dieser die Säulen des Tempels zerbrach und sich selbst unter ihren Trümmern begrub. Auch der Neusatzer Abt Bende verurtheilte in rückhaltsloser Weise das Borgehen der Zimandy's und Consorten und erntete dafür den Beifall aller Bessergefinnten. Rußland. Petersburg, 22. Januar. Wie aus dem westlichen Gebiet gemeldet wird, trat dort vom NeujahrStage ab die Verfügung des Finanzministers in Kraft, welche ausländischen llnterthanen mosaischer Confesfion die Handelsthätigkeit nur unter der Bedingung gestattet, daß sie sich mit dem Export russischer Erzeugnisse befassen. Die „Nowoje Wremja" uenut diese Maßnahme einseitig, weil sie nur gegen ausländische Juden und nicht gegen Ausländer überhaupt sich richtet, deren ökonomischer Einfluß in den westlichen Gebieten mit jedem Fahr zunimmt. (So sehr haben sich die nationalökonomischen Ansichten der erste Redner auftrat, hat dadurch Effect erzielt, daß er sich als Trefort's, des Cultusministers, treuesten Schüler im zu ziehen, um die Industrie und den Handel zu beleben, wovon doch das heimische Volk den größten Nutzen zog — Antisemitismus ausgab. Um dies zu beweisen, citirte ersetzt verbannt man sie, als ob man schon Ueberfluß an in- Stellen aus einem im Jahre a864 geschriebenen Briefe Tre-1 sort's. Seine dann folgenden gemeinen Schimpfereien auf ländischen Kräften besäße und die Berbindung mit der übrigen Welt abschneiden müsse! Gegen die ausländischen Juden