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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-02-10 · Heft 7 (10.2.1885) · p. Seite 107

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 7 (10.2.1885)
Date
1885-02-10
Page
Seite 107 (sequence 7)
Language
German
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l 107 baldige Heilung der Israeliten wurden „unsere Feinde belehrt, daß du allein der Erlöser von allem Uebel bist." „Dein Wort, o Herr, heilet Alles. Denn du hast Gewalt über Leben und Tod; du führest hinab zu den Pforten der Unterwelt und führest herauf, (biblisch.) Hat aber ein Mensch einen anderen aus Bosheit getödtet, so bringet er den ausgefahrenen Geist nicht wieder zurück, noch befreit er die in die Unterwelt gefahrene Seele." Die Anschauung des Verfaffers von der Unsterblichkeit ist also die, daß die Seele, nachdem sie in der „Unterwelt" ihre Verirrungen gesühnt hat, zur Seligkeit erhoben wird, während der durchaus Sündige in jener verbleibt. Kein Menschengeist ater hört auf zu existiren. Das letztere hatte er schon I, 14 ausgesprochen. Daß die Sünder schon durch die Unruhe ihres Gewissens bestrast werden und Furcht und Verzweiflung sich ihrer bemächtigen, spricht er 17, 10 ff. aus. So erkannten auch die Feinde, daß Israel „Gottes Sohn" sei (18, 13). Hervocheben wollen wir noch Vers 15. Zur Zeit jener Mitternacht, in welcher die Erstgeborenen der Aegypter sterben sollten: „da fuhr dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Throne, als ein heftiger Streiter herab in die Mitte des dem Verderben geweihten Landes, ein scharfes Schwert, dein ernstes Gebot tragend und trat hin und erfüllete Alles mit Tod; es berührte den Himmel und schritt aus der Erde." Wir bemerken hierbei, daß mit dem „Wort" Xoyog (ebenso wie 16, 12) durchaus kein mystischer Sinn verbunden ist. 2. Moses 12 wird bei der Tödtung der Erstgeborenen Gott selbst als thätig ausgesprochen und. in anthropomorphistischer Art „zieht Gott" durch Aegypten, „überschreitet" die Häuser der Israeliten. Unser Verfasser vermeidet überall die anthropomorphistische Redeweise von Gott und stellt deshalb das „Wort" Gottes dafür. Vergleicht er es nun poetisch mit „einem heftigen Streiter" und „einem scharfen Schwert", so fügt er sofort erklärend „dein ernstes Gebot" hinzu. So braucht er auch?.6yog, wenn er Aaron bei Gelegenheit der Pest die Israeliten an die Eide und Bündniffe der Väter erinnern läßt. — Eine besondere Hinweisung auf die Aegypter seiner Zeit finden wir noch 19, 16, wo er sagt, daß die Aegypter „diejenigen, welche sie mit Festlichkeiten als Theilnehmer an denselben Rechten ausgenommen hatten, plagten." Bekanntlich waren die Juden in Alexandrien „mit gleichen Rechten" mit Griechen und Aegyptern angesiedelt und dies ausdrücklich auf ehernen Tafeln eingegraben worden. — Und so schließt der Verfasser: „Ja, auf alle Weise, Herr, hast du dein Volk verherrlicht und geehrt, und es nicht vernachlässigt, sondern hast zu jeder Zeit und an jedem Orte ihm beigestanden." Hiermit haben wir dem Leser das Buch in seinem Inhalt und seiner Form nahe gebracht und werden nur noch einige Bemerkungen hinzufügen. (Schluß folgt.) li \ i i i Deutschland. Bon», 1. Februar. (Privatmitth.) Nachdem die harten Schläge, welche der Antisemitismus gegen Judenthum und Juden geführt, an der Widerstandskraft derselben abgeprallt sind, versucht man es auf andere Weise, die Bekenner des Judenthums ihrer väterlichen Religion abtrünnig zu machen. Dieser Versuch besteht darin, die, der jüdischen Ueberzeugung nun einmal durchaus widerspechenden christlichen Dogmen völlig bei Seite zu lassen und nur die Anerkennung und Verehrung der Person Jesu als Träger der höchsten sittlichen Vollkommenheit zu fordern und die Juden hiermit zu Christen zu machen. Jeder aufrichtige Christ wird dieses Verfahren verwerflich finden und keine christliche Kirche sich dazu hergeben, ein solches beschränktes Bekenntniß als hinreichend anzuerkennen, um in ihren Schooß ausgenommen zu werden. Jndeß weiß man ja, wie es genug Leute giebt, die da denken: Ist nur erst der Schritt geschehen, erkennen Juden Jesus als Messias an, so wird sich das Weitere schon ergeben, und die folgenden Geschlechter gehören uns. Dian plant deshalb, vorerst eine neue judenchristliche Sekte zu gründen, welche den Uebergang auf obige Weise vermittele und unterstützt dieselbe mit allen Kräften. Ein unbeschäftigter Advokat in Kischinew, Rabbinowitz, der sich bereits mit vielen Plänen erfolglos getragen, will eine solche Sekte unter dem Namen „Neuisrael" stiften. Alsbald bemächtigen sich die russischen und nach ihnen die deutschen Zeitungen der Sache, bauschen sie zu einem Ereigniß auf, geben die Zahl der Anhänger auf 200 Familien an, während Correspondenzen vom Orte selbst das Gegentheil versichern, und behaupten, daß die russische Regierung die neue Sekte sehr begünstige. Jndeß weiß man, daß ein lutherischer Prediger dabei im Spiele ist und daß die anglikanische Mission Unterstützung leistet. Man verbreitet aus Warschau, daß in der Gouvernementsstadt Kielce eine „Propaganda-Filiale der neuen Sekte" eingerichtet wurde. Nun, daß man verschiedene Versuchsstationen Herstellen will, ist glaubhaft, und man wird dann von der i einen Station berichten, wie großen Erfolg man auf einer anderen Station erzielt habe. Daß auf solchem Wege wirklich Bedeutendes erreicht werde, ist weniger glaubhaft. Um der ' Sache noch einen besonderen Relief zu geben, erfindet man j sogar die Nachricht, jener Rabbinowitz sei von fanatischen 4

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