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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-02-10 · Heft 7 (10.2.1885) · p. Seite 108

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 7 (10.2.1885)
Date
1885-02-10
Page
Seite 108 (sequence 8)
Language
German
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108 Juden ermordet worden; sie ist geradezu unwahr, aber man macht doch Effekt damit. Bemerkenswerth ist, daß viele deutsche Zeitungen, z. B. die „Neue Freie Presse", der „Pester Lloyd und einige Berliner Blätter eifrig bemüht find, ausführliche Mittheilungen über Phantastereien des Kischinewer Advokaten zu verbreiten. Aber in Deutschland selbst scheint man Aehnliches versuchen zu wollen. So erschien jüngst bei Jßleib in Berlin eine Brochüre: „Zur Lösung der Judenfrage durch die Juden von Moses ben Hezekia." Welcher Missionär sich unter diesem Namen versteckt, wissen wir nicht. Sie läuft aber dahin hinaus, die Ideen jener „neuen Sekte" den Juden plausibel zu machen. Es ist ja auch erklärlich, daß, da die bisherige Methode der Missionäre, den Juden durch Auslegungen von Stellen der h. Schrift das Christenthum zugänglich zu machen, sich als erfolglos erwiesen hat, man nun umgekehrt versuchen will, schöne Stellen aus den Evangelien als Reden Jesu zusammenzustellen und vorzutragen und die eigentlichen christlichen Dogmen ganz außer Frage zu lassen. — Wir haben nicht in Absicht, heute eine Kritik des Gegenstandes und der Mittel dieser Versuche zu geben Person Jesu heranszustreichen. Uebrigens guckt der Protestant überall heraus — ein Katholik kann seine Confession nicht so verleugnen, wie diese Art von Protestanten, denen ihr Protestantismus ein Stück Wachs ist, den man zu Allem und für Alle zurecht kneten kann, z.B. auch für den Buddhisten. Berlin, 28. Januar. (Privatmitth.) Sie werden um folgende Mittheilung ersucht. Der hebräische Literatur-Verein Mekize Nirdamim zählt bereits 200 Mitglieder, unter denen sich auch mehrere nichtjüdische Gelehrte und Staats-Bibliotheken befinden. Außer den bereits in der ersten Mittheilung erwähnten Spende von 400 M. haben als Jahresbeitrag gezeichnet: Baron Horace v. Günzburg 100 M. und Dr. David v. Günzburg 25 M.; ferner Herr A. Epstein in Wilna 25 Gulden (außer dem gewöhnlichen Abonnement mit 6 Gulden) und Herr Salomo Jaschunsky aus Warschau hat 5 Rubel zum Andenken seiner seligen Frau gespendet. Eine besondere Theilnahme giebt sich in den verschiedenen, an das Comitv gerichteten Wünschen kund, denen so weit als möglich Rechnung getragen werden soll. Mit den zuneh- Daß das Leben Jesu auch in ganz anderem Lichte angesehen, wenden Mitteln werden sich auch die Ziele des Vereins immer werden kann, hat erst vor Kurzem der christliche Gelehrte weitgehender gestalten. Dulk in seiner Schrift „Der Jrrgang des Lebens Jesu" (siehe vor. j Von den Schriften, welche im ersten Jahrgange erschei- Jahrg. S. 761) erwiesen, und über den objectiven Werth nen werden, wird im Februar d. I. mit dem Druck des fortder „Bergpredigt" vergleiche man unsere „Weltbewegende Fragen" B. II., S. 226, sowie die anderen daselbst befindlichen, diesen Gegenstand betreffenden Abhandlungen. Wir haben die 13 Thesen, welche der genannte Rabbinowitz aufgesetzten Pachad Jizchak, ferner der sehr lehrreichen Geonim- Bescheide nach einer Handschrift in der Kaiserlichen Bibliothek zu Petersburg und von vr. Harkavy geordnet, und eines Sammelbandes, der verschiedene, bisher unedirte Piecen enthalten gestellt hat, vor uns liegen; sie find jedoch nichts als leere wird, begonnen werden. Welche andere Schriften noch zur Phrasen, ohne irgend welche Begründung, es fehlt nicht an! Aufnahme gelangen, soll näher mitgetheilt werden, sobald die Beschimpfungen und Denunciationen der Juden sowie an j Schwierigkeiten, welche die Herbeischaffung von den diesverlockenden Versprechungen, wie sich den Juden, wenn sie! bezüglichen Abschriften noch bietet, beseitigt sind. Fernere sich zur Verehrung Jesu wenden, „das Herz der Völker und! Beitritts-Erklärungen nimmt entgegen vr. Berliner, Berlin, deren Regierungen zuwenden werde; sie werden uns Frieden i Jnvalidenstr. 151. und dauernde Existenz unter allen übrigen Völkern verschaffen,! Berlin, 29. Januar. Bon der Stöcker'schen Partei ist welche unter dem Schutze der im Geiste Jesu gegebenen und j bis jetzt geleugnet worden, daß in der conservativen eine ausgeschriebenen europäischen Gesetze leben." An dieser Phrase, > Spaltung eingetreten, indem diese die Antisemiten, namentdie den Advokaten genugsam bezeugt, haben wir vorläufig lich Stöcker und Genossen, von sich abschütteln will. Dieser wohl genug. Auch hier erkennen wir das mehr als ändert-! Reinigungsproceß ist indeß doch vor sich gegangen, und halb Jahrtausende alte Streben, das Judenthum zu unter- Stöcker selbst ist genöthigt, diese Thatsache zu bekunden, graben, wieder, und hierzu find auch die sich für „freisinnig" : Das „Christlich-sociale Correspondenzblatt" veröffentlicht ausgebenden Zeitungen stets geneigt.! in seiner neuesten Nummer folgende Bekanntmachung: „Par- Nachschrist. Daß die antisemitische Broschurenfluth! teibeschluß. Der Vorstand der christlich-socialen Partei hat sich allmählig in eine solche proselytenmacherischer juden-christ-; in seiner letzten Sitzung beschlossen, daß unsere Mitglieder licher Pamphlete umsetzt, erweist schon wieder ein uns soeben! zunächst dem neuen conservativen Central-Wahlverein nicht zugekommenes Schriftlein „Gedanken eines Juden" — Harm-! beitreten. Hofprediger Stöcker." Damit ist also die Spalloser Titel — das ebenfalls in Berlin das Licht erblickte. > tung im „conservativen" Lager besiegelt. Ebenso hat Prof. Die Absicht ist wiederum keine andere, als die Juden von Brecher als Vorsitzender des conservativen Vereins den Cre» Allem, was ihnen religiös heilig ist, abzuwenden, die christj mer und den Luckhardt in der Bereinsversammlung in die lichen Dogmen als gar nicht vorhanden hinzustellen und diej Acht erklärt.

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