Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 7 (10.2.1885)
- Date
- 1885-02-10
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
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104 18. Mai. Russischer Ukas zur Organifirung der Rabbinercommisfion. 24. Mai. Die Schweiz verwirft das freie Niederlaffungsrecht der schweizerischen Juden in der Schweiz. 2b. Mai. Das englische Oberhaus verwirft die Emancipationsbill. 27. Mai. Die hannover'fche zweite Kammer trägt auf Gleichstellung aller Glaubensbekenntnisse an. 1. Juni. Gesetz über Gleichstellung der Juden und Civilehe zwischen Juden und Christen in Braunschweig. 6. Juni. Die hannover'fche zweite Kammer nimmt das Gesetz über Gleichstellung aller Glaubensbekenntnisse einstimmig an. 8. Juni. Der Judeneid in Frankfurt a. M. aufgehoben. 24. Juni. Die Gleichstellung der Juden in den Donaufürstenthümern von den Fürsten angenommen. 10. November. Den Juden in Sachsen wird das Wahlrecht gesetzlich ertheilt. 1b. November. Das Wahlrecht wird in Sachsen- Weimar den Juden gesetzlich ertheilt. 5. December. Die octroyirte Verfassung Preußens erkennt die Gleichstellung aller Glaubensbekenntnisse an. 10. December. Zweite, also definitive Lesung der Grundrechte Deutschlands betreffs der Gleichstellung aller Glaubensbekenntnisse im deutschen Parlamente. Diese Ueberficht wird dem Leser die noch nie vorher dagewesene rasche Folge der Ereignisse klar gemacht haben, durch welche die Gleichberechtigung der Juden in so vielen Staaten verfassungsmäßig und gesetzlich wurde, wo fie noch vor Kurzem durch Ausnahmegesetze in mehr oder weniger drückender Beschränkung gehalten worden und die gesetzgeberischen Factoren sich nur schwer und allmälig zu einiger Besserung ihrer Lage entschlossen hatten. Hervorheben wollen 4. Juli. In den norwegischen Storthing wird der! wir nur die Verhandlungen des deutschen Parlaments zu Antrag vom Verfassungsausschuß eingebracht, die Verbannung der Juden aus dem Reiche aufzuheben. b. Juli. Die Stände von Tyrol sprechen allen akatholischeu Culten die freie Religionsübung ab. 11. Juli. Die Kammern von Hessen-Cassel nehmen die Gestattung der Ehe zwischen Juden und Christen an. 23. Juli. Dasselbe in Hessen-Homburg. 28. Juli. In Preußen dürfen getaufte Juden zum Judenthum zurücktreten. 5.August. Der ungarische Reichstag schiebt die Emancipation der Juden auf. 7. August. Gesetz über Gleichstellung aller Glaubensbekenntnisse in Hessen-Darmstadt. 1b. August. Der Senat von Frankfurt a. M. schließt die Juden von der Wahl in die Constituante aus. Der Frankfurt. Am 28. August fanden die Verhandlungen über § 13 der deutschen Grundrechte statt, in welchem die Unabhängigkeit der Rechte und Pflichten von jedem religiösen Bekenntniß ausgesprochen wurde. Nur ein einziges Mitglied der Versammlung, Moritz Mohl von Stuttgart, stellte ein Amendement, durch welches die Verhältnisse der Juden zum „Gegenstand besonderer Gesetzgebung" gemacht werden sollten. Nur das active und passive Wahlrecht sollte ihnen gewährleistet sein. In der Rede, mit welcher er sein Amendement begründete, führte er alle die Momente ins Feld, die früher und später und bis heute gegen die Gleichberechtigung aufgeführt wurden und werden, und merkwürdiger Weise bewies dieser Gelehrte, daß das blöde Borurtheil selbst das geschichtliche Wissen, welches doch in einem solchen Kopfe aufgehäuft ist, völlig verdunkelt. Ihm trat Riesser mit einer glänzenden norwegische Storthing votirt gegen die Zulassung der Ju Improvisation entgegen, in welcher er besonders die Widerden in's Reich.! spräche darlegte, in welche die Versammlung mit sich selbst 28. August. Erste Abstimmung des deutschen Parlagerathen würde, wenn sie Mohl's Amendement irgend einer ments über die Gleichstellung aller Culte.! Beachtung würdigte. Alle übrigen Redner sprachen sich in 14. September. Gesetz über Gleichstellung aller Glau-! gleichem Sinne aus. Als es zur Abstimmung kam und zubensbekenntnisse in Hannover.! erst für die eingebrachten Amendements die Unterstützungs- 18. September. Die Besoldung der jüdischen Geistlichen! frage gestellt wurde, erhob sich für den Antrag Mohl's außer in die neue Verfassung Frankreichs ausgenommen. diesem selbst — kein einziges Mitglied und gelangte er des- 2. October. Riesser wird zum Bicepräsidenten der dcuthalb gar nicht zur Abstimmung. schen Nationalversammlung gewählt.! Hiermit schließt die erste Periode: der Kampf um die 5. October. Die Judensteuer wird vom österreichischen? Erwerbung der Gleichberechtigung. Von da ab traten wir Reichstag aufgehoben.! in die zweite: der Kampf um die Erhaltung der Gleich- 3. October. In Krakau werden viele Juden in den! stellung, ein. (Fortsetzung folgt.) Municipalrath gewählt. 19. October. Die Bürgerschaft in Frankfurt a. M. ertheilt durch ihre Abstimmung den Juden das Wahlrecht in die Constituante.