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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-02-03 · Heft 6 (3.2.1885) · p. Seite 94

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 6 (3.2.1885)
Date
1885-02-03
Page
Seite 94 (sequence 14)
Language
German
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94 ist ziemlich irrelevant und meist aus kleinen Neuigkeiten aus I der allgemeinen und der jüdischen Welt, besonders ausführ-! lich aus Rußland, zusammengesetzt. Es liegt also hier eine doppelte Absonderung vor! die eine, daß das Blatt nicht in englischer, sondern in deutscher Sprache erscheint, die andere, daß sie sich nicht der deutschen, sondern der hebräischen Lettern bedient. Aber gerade hierin liegt der Beweis, daß es sich nur um die Bedürfniffe des in den letzten Jahren stärker gewordenen Contingents russisch-jüdischer Ankömmlinge älteren Geschlechts handelt, welche weder des Hebräischen noch des Englischen mächtig und dabei der deutschen Schrift unkundig find. Es versteht sich, daß das aufwachsende Geschlecht auch dieser Einwanderer diese Hemmniffe verliert und die amerikanische Cultur sich aneignet. Das angeführte Blatt wiegt denn auch den vielen in englischer Sprache erscheinenden jüdischen Zeitschriften gegenüber nur gering. Marokko. Tanger, im Januar. Die hiesige Gemeinde befindet sich in großer Verlegenheit wegen eines Deficits von ca. 3000 Frcs. Verursacht ist dieses durch einen eigenen Umstand. Die Haupteinnahme der Gemeinde besteht in der Steuer auf Koschersteisch. Das Schlachten des Rindvieh's unterliegt — zu Gunsten der Gemeinde — einer Steuer von 3,50 Frcs. pro koscheren Ochsen, und da seit lange die israelitischen Schlächter von Tanger Gibraltar versorgten, so pflegte man wöchentlich mehr als 100 Stück zu schlachten; heute, wo der Sultan die Ausfuhr von Rindvieh gestattet hat, werden die lebenden Ochsen nach Gibralter gebracht, zum großen Schaden der Gemeinde. Bemerkenswerth ist, daß die meisten Ausgaben der Gemeinde für die Armen geschehen, deren eine Menge nach Tanger kommen. Bon den 30410 Frcs. jährlich wird die Ghesia, d. i. der Tribut an den Sultan und Gouverneur mit 1750 Frcs., das Gehalt der Angestellten mit 276t> Frcs. und die Subvention für die beiden Schulen mit 2500 Frcs. bestritten; der ganze Rest von 23400 Frcs. geht für die Armen und das Hospital drauf! — Bei den groben Mißhandlungen, welche die Juden gegenwärtig in Marokko seitens der Kaids (Gouverneure) ausgesetzt find, wollen sie eine Deputation nach Paris und London entsenden, um die Theilnahme für ihr trauriges Loos zu erwecken. Bonn, 25. Januar. (Notizen.) — Man schreibt aus Posen vom 16. d.: Der verstorbene Commerzienrath Samuel Jaffa wurde heute Mittags unter außerordentlich starker Betheiligung aus allen Klassen der Bevölkerung auf dem israelitischen Friedhofe an der Breslauer Chaussee beerdigt. Nachdem Rabbiner vr. Bloch von der Brüdergemeinde, welcher der Verstorbene angehört hatte, in dem Sterbehause am Sarge eine Rede gehalten, setzte sich ll1/^ Uhr Vormittags der imposante Begräbnißzug in Bewegung. Voran ging das Trommlercorps, das Musikcorps und mit der verhüllten Fahne die uniformitte Compagnie des Landwehrvereins, dessen Ehrenmitglied der Verstorbene gewesen war; doch wurde von dem Mufikcorps nicht geblasen, dabei israelittschen Beerdigungszügen Trauermufik nicht üblich ist; den Mitgliedern des Landwehrvereins folgte die zahlreich verttetene städttsche Feuerwehr, welche dem Verstorbenen als Magistratsmitglied die letzte Ehre erwies; etwa 8 derselben trugen Palmenzweige mit Sttäußen. Bor dem Sarge ging ein Mitglied der uniformirten Compagnie des Landwehrvereins mit einem Kissen, auf welchem die Orden des Verstorbenen lagen; dann folgten die Kinder des israelitischen Waisenhauses. Der geschlossene Leichenwagen, welcher den Sarg enthielt, war nach israelittschem Brauche durchaus schlicht und einfach, ohne jeden Schmuck von Guirlanden oder Kränzen und wurde auch nur von zwei Pferden gezogen. Hinter dem Sarge gingen der Rabbiner vr. Bloch und der Cantor der Brüdergemeinde, sowie die männlichen Hinterbliebenen und nächsten Anverwandten des Verstorbenen; dann kam ein überaus zahlreiches Gefolge: die Mitglieder der Brüdergemeinde und des Vereins junger Kaufleute, dessen Curator der Verstorbene gewesen war, dann die Mitglieder des Magistrats und der Stadwerordnetenversammlung, ferner Bertteter des vaterländischen Frauenvereins, dessen Schatzmeister seit Gründung des Vereins der Verstorbene gewesen war, viele Lehrer des städtischen Realgymnasiums, sowie der übrigen städtischen Schulen, zahlreiche Mitglieder der Kaufmannschaft rc., sodann die Magistratsbüreau- und Kassenbeamten, sowie die uniformitten Unterbeamten des Magistrats. Den Schluß des imposanten Zuges machte eine Reihe von 48 Equipagen, in deren vordersten die weiblichen Hinterbliebenen und Anverwandten des Verstorbenen saßen; auch befand sich in einer der Equipagen ein von Magistrat und Stadwerordnetenversammlung gewidmeter sehr großer prachtvoller Kranz, welcher im Trauerhause auf den Sarg niedergelegt worden war, und welcher nebst dem Stadtwappen auf den seidenen Schleifen in den Stadtfarben (Roth und Weiß) folgende Inschrift ttug :„Dem Andenken des königl. Commerzienraths und Stadttaths Herrn Samuel Jaffa, gewidmet von Magistrat und Stadverordnelenversammlung". Auf dem Friedhofe wurde am Grabe von dem Rabbiner vr. Bloch ein kurzes Gebet gesprochen. — Der dritte Sohn der Barons Horace v. Günzburg in Petersburg,, der in die militärische Carriere eingetteten, ist vom Zaren in einem Dragoner-Regiment zum Offizier ernannt worden. Hamburg, 22. Januar. (Literarische Notizen.)

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