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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-02-03 · Heft 6 (3.2.1885) · p. Seite 93

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 6 (3.2.1885)
Date
1885-02-03
Page
Seite 93 (sequence 13)
Language
German
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AZ Befehl, die Thüren ihrer Geschäftlslokale roth anzustreichen um darzuthun, daß die Ortsbewohner der rothen oder liberalen Partei angehören. Die Juden beeilten sich alsbald, diesem Befehle nachzukommen, allein es war im Orte weder die nöthige Anzahl von Anstreichern, noch auch das erforderliche Quantum rother Farbe aufzutreiben. Diesem Umstande wollte jedoch die Polizei keine Rechnung tragen, und sie nahm deshalb wieder ihre Zuflucht zur Knute, welche sie die Juden so lange fühlen ließ, bis selbst Weiber und Kinder sich herbeiließen, Anstreicherarbeiten zu verrichten, wobei schließlich in Ermangelung von Farbe die Thüren solange mit Ziegelmehl > Fonseca in gerieben wurden, bis sie roth waren. —! M. 70,347 Jüngst fand iu London eine Geldsammlung für sie statt, und da haben wir folgende Spenden zu verzeichnen: Nathaniel von Rothschild 500 L- St., Frau Nathaniel Montefiore 500 L. St., der Mansion-House-Fond 500 L. St., S. Montagu 100 L. St., das Comits Montagu 250 L. St., Julian Goldsmid 50 L. St., Baron von Steen 500 L. St., H. Bischoffsheim 100 L. St. Aus den Legaten von I. A. Franklin 250 L. St. Hierzu kommt eine Sammlung von Adolph B. H. Goldschmidt in Frankfurt a. M. von Frcs. 6184, und von David M. Piza zum Andenken seiner Tante Esther Lochny New-Iork 500 Frcs. Dies macht zusammen Diese Summe wird der Schule eine beträcht- Die Austreibung der Juden.! Der Schochet F. Haim aus Derska (Distr. Dorohoi). welcher von seinen Religionsgenossen in eine Commune berufen wurde, um daselbst eine religiöse Ceremonie zu vollziehen, erhielt von der Ortsbehörde den gemessenen Befehl, innerhalb! 24 Stunden abzureisen, widrigenfalls dessen gewaltsame Aus-! Weisung erfolgen werde. Allein, bevor noch diese Frist abgelaufen war, wurde er mitten in der Nacht von bewaffneten Männern überfallen und in brutalster Weise zum Verlassen des Ortes gezwungen. — Aus Derska wurden ferner vier Israeliten, welche daselbst seit vielen Jahren domilizirt und als redliche Handwerker bekannt sind, verjagt und deren gesammte Habe zerstört. — Bon dem gleichen Schicksale wurde in Zovristea ein seit 30 Jahren dort ansässiger Schneider, Namens Jdel Klein, betroffen, der aller Hilfsmittel entblößt, mit seiner zahlreichen Familie den Ort plötzlich verlassen mußte, um einer ungewissen Zukunft entgegenzugehen. Zahlreiche ähnliche Fälle werden aus verschiedenen Gegenden, namentlich der oberen Moldau gemeldet und überall gehen die Behörden mit geradezu unmenschlicher Grausamkeit zu Werke, indem sie den ohne allen Grund von der Ausweisung betroffenen Familien nicht einmal genügende Zeit lassen, ihre! Habseligkeiten in Sicherheit zu bringen, in manchen Fällen aber nicht einmal auf den Zustand der Kranken Rücksicht nehmen und dieselben, gleichviel ob dabei ein Menschenleben auf dem Spiele steht oder nicht, zwingen, den Wanderstab zu ergreifen. Bukarest, im Januar. Am 14. Dez. wurde hier das neue israelitische Hospital eingeweiht, welches Personen aller Kulte aufnimmt. Die Einweihung geschah mit großer eindrucksvoller Feierlichkeit. Palästina. Jerusalem, im Januar. Wir haben bereits berichtet, wie schön die früher so lang geplante, jetzt von der Alliance begründete Schule, mit welcher Werkstellen verbunden sind, wo die Zöglinge Handwerke erlernen, im Aufblühen begriffen ist. Es wird dies auch als ein Zeichen, daß endlich auch in Jerusalem das Licht angebrochen, allseitig gewürdigt. liche Fundirung erscheint. verschaffen, so daß ihre Zukunft gesichert Amerika. New-Hörk, 2. Januar. (Privatmitth.) In keinem Lande haben die Juden, wenn sie eben in den Stand vollständig freier Bewegung gesetzt sind, mehr bewiesen, wie sie sich in verhältnißmäßig kurzer Zeit dem Geiste, den Sitten und den Interessen des Volkes, dessen Glieder sie geworden, anschließen und sich mit ihm identisiziren, ohne damit ihr religiöses Bekenntniß aufzugeben oder zu vernachlässigen, als in den Bereinigten Staaten Amerikas. Gerade hier zu Lande, wo das Individuum einer völligen Freiheit in seiner Entfaltung und Bethäthigung genießt, sind die Juden schnell zu Amerikanern geworden und werden es immerfort. Dieser Strömung können sich auch diejenigen, welche neu einwandern, auf die Länge nicht entziehen und wollen es auch nicht, während die zahlreichen Synagogen und Wohlthätigkeitsanstalten, sowie auch die im Wachsen begriffene Pflege des religiösen Unterrichts beweisen, daß hiermit die Erhaltung der jüdischen Religionsgenossenschaft durchaus nicht im Widerspruch steht, wie es die europäischen Antisemiten so gerne behaupten. Hiermit ist allerdings nicht gesagt, daß nicht auch Elemente hierher gcrathen, welche gewisse Eigenthümlichkeiten mit sich bringen und konserviren. Aber es liegt hierin nur in geringem Maße ein absichtliches und bewußtes Widerstreben gegen die Bereinigung mit Volk und Land, als vielmehr daß dem aus dem östlichen Europa kommenden älteren Geschlecht noch die Fähigkeit abgeht, sich in Wort und Schrift und äußerer Haltung die Sprache und Sitte des Landes anzueignen. So erscheint hier bereits seit mehreren Jahren eine Wochenschrift „the Je wist Gazetteu, an welcher jedoch nur diese Ueberschrift englisch ist. Sie ist vielmehr in deutscher Sprache abgefaßt, aber mit hebräischer Quadratschrift. Das Deutsch ist zwar nicht sehr korrekt, aber doch auch nicht im Jargon geschrieben. Mit ihr verbunden ist eine „Jüdische Bolkszeitung", welche ebenfalls deutsch, in hebräischer Quadratschrift, jedoch schon mehr dem Jargon zugeneigt, verfaßt ist. Ter Inhalt beider

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