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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-02-03 · Heft 6 (3.2.1885) · p. Seite 91

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 6 (3.2.1885)
Date
1885-02-03
Page
Seite 91 (sequence 11)
Language
German
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91 zu sprechen, i:nr& ovz 2~n nr6 — * ns nwcn, daß wir durch eine solche Aeußerung den Antisemiten in die Hände arbeiten, ist, auch nur mit einem Worte zu erwähnen, ganz überflüssig.') Wie ein einstimmiges Echo klingt es ja bei dem reichlichen Lobe, das sonst dem Verfasser ertheilt wird, durch die veröffentlichten Briefe hindurch, daß jene seine Ansicht eine irrige ist. Juden, wie Nichtjuden, Philo-, wie Antisemiten werden die Schrulle des Herrn Singer — eine euphemistischere Bezeichnung habe ich nicht dafür — für verderblich halten. Aber ein anderes großes Unheil stiftet Herr Singer dadurch, daß er in seiner Vorrede zu den Briefen gegen den Katholicismus und speciell UltramontanismuZ so heftig und brüske polemifirt. Es ist unbegreiflich, daß ihn die letzten Jahre nicht darüber belehrt haben, wie unklug, inopportun und ungerecht es ist, wenn wir Juden auf dem Gebiete der christlichen Religion nicht einen neutralen, unparteiischen Standpunkt manifestiren. Außer dem einen ungestümen Bachem ist kein Katholik oder sogenannter Ultramontaner in der Kammer aggressiv feindselig gegen uns aufgetreten, wohl aber die Nichtkatholiken, die Minnigervde, Hammerstein, Stroser „der zweite Luther". Der Katholik August j Reichensperger begann vor vier Jahren seine Rede in der! Kammer: „Ich kenne viele brave Juden und viele nichtsnutzige Christen." Als ich diesem Biedermann, mit dem ich seit jener Zeit mehrere Briefe wechselte, für seine friedlichen, besänftigenden Worte dankte und an das Verdienst seines Bruders Peter Reichensperger erinnerte, der 1856 durch seine ausschlaggebende Rede den Klee'schen Antrag auf Abrogation des § 12 der Verfassung?) zu Falle gebracht, erwiderte er mir, daß sein Bruder nichts besonderes Verdienstliches, sondern nur das gethan, was recht und billig ist. „Warum aber", so fragt mich der hochverehrte, charaktervolle Mann, „greifen die Juden unsere Confession an? Bereinigen Sie sich doch mit Ihren Collegen, den Rabbinern, und belehren Sie Ihre Glaubensgenoffen, namentlich die Herren von der Preffe, daß sie den Katholicismus unangefochten lassen." Ich habe dem verehrten Manne das Geeignete geantwortet. Was werden nun die gläubigen Katholiken sagen, wenn sie die Ausfälle des Herrn Singer lesen? Wird nicht auch wieder das alte biblische Wort 72 7p forr ~r» r'xn?jspn myn *) sich geltend machen? Darum ist meine Bitte, daß auch andere jüdische Blätter diesen meinen Zeilen Auf- 1) Daß sich Herr Singer auch an Herrn E. v. Hart mann gewendet hat, um sich eine so abfällige Beurtheilung zu holen, zrugt nicht von staalsmännischer Weisheit; es sollte ihm bekannt sein, daß der philosophische Freigeist auf politischem Gebiete engherziger Reactionär ist. 2) Ans Ihre Initiative, geehrter Herr Redacteur, hatten sich damals die Gemeinden Preußens gegen diesen Antrag — einen intendirten Berfosiungsbruch — erhoben. 3) 4 Mos. 16, 22. „Der eine Mann sündigt, und über me ganze Gemeinde zürnst Du?" Red. nähme gewähren und ihnen beipflichten mögen, damit man erkenne, wir perhorresciren jene Einmischung in den sogenannten Culturkampf von Seiten unserer Glaubensgenossen. Nun glaubt vielleicht manches jüdische Blatt (weil ich nicht auf seine Worte schwöre, sondern in tdeologieis meinen eigenen Weg gehe), was aus meiner Feder fließt, nicht ausnehmen zu dürfen. Mögen sie darum meinen Namen, aber nicht meine Expectorationen an und für sich todtschweigen. Dr. Wiener, Rabbiner. (Wir hatten die Absicht, über die von uns durchaus gemißbilligten Schriften und Schritte des Herrn I. Singer Stillschweigen zu beobachten: indeß können wir der warnenden Stimme des Herrn Rabb. vr. Wiener den Abdruck nicht versagen, und wünschen nur, daß sie allseitig und nachhaltig Beachtung finden. Redaktion.) Oesterreich-Ungarn. Pest, 20. Jan. (Privatmitth.) Wie aus Ilng.-Vilagos berichtet wird, hat die dortige, beinahe ausschließlich katholische Gemeinde, Herrn Joseph Deutsch, einen israelitischen Bürger, einstimmig zum Richter gewählt. — Die Duell-Affaire zwischen Wahrmann und Racz ist beigelegt. Frankreich. Paris, 23. Januar. In Lyon fand am 14. Januar im Consistorialtempel eine Trauung statt, die der Großrabbiner Alfred Lsvy vollzog und welche in ihrer Art wohl selten vorkommt. Ein Christ, Henry de Ricqles, und eine Christin, Mlle. Brisac, waren unter genauer Beobachtung der vorgeschriebenen Ceremonien zum Judenthum übergetreten und feierten jetzt ihre eheliche Verbindung. Ueber die näheren Motive hat man nichts erfahren; man erzählt sich, daß ihre Trauung bei der christlichen Geistlichkeit beanstandet worden. Der Bräutigam stammt aus einem in Frankreich sehr angesehenen Hause. — Das israelitische Consistorium ist angegangen worden, für die Verunglückten in Spanien zu einer Sammlung aufzufordern. Sie wird gewiß guten Erfolg haben, und das Judenthum auch diesmal beweisen, daß die Lehre von der allgemeinen Menschenliebe nicht allein von ihm ausgegangen, sondern auch zu aller Zeit bethätigt worden. — Der Sohn des sel. Leopold Javal, der lange Zeit der Deputirtenkammer angehörte und Mitglied des Centralconsistoriums der Israeliten Frankreichs gewesen, I)r. Javal, ist soeben zum Deputirten in Sens gewählt worden. Rumänien. Bukarest, 23. Januar. (Privatmitth.) Wir werden ersucht, folgendes Bulletin Nr. 3 zu veröffentlichen.

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