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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-02-03 · Heft 6 (3.2.1885) · p. Seite 83

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 6 (3.2.1885)
Date
1885-02-03
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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83 weil es ihr an tatsächlicher Begründung gebricht. Außerdem haben sich unterdeß so große gesellschaftliche und staatliche Fragen erhoben, Fragen, namentlich die sociale, welche die ganze Kraft der Gesellschaft in Anspruch nehmen, so daß auch aus diesem Grunde der Antisemitismus von der Tagesordnung immer mehr verschwindet. Die Weisheit Salomoms. 2<xpia ~ct?Muuiv. n. Der zweite Abschnitt befaßt die Kapitel 7—12 und bespricht zunächst das Wesen und die Wirkungen der Weisheit (Kap. 7—9), und sucht dann (Kap. 10—12) dies durch die Geschichte zu erhärten. Der Redner bezeichnet sich, ohne den Namen zu nennen, als den König Salomo, der „den Tempel auf dem heiligen Berge gebaut hat" (9,8). *) Er beginnt damit, ausführlich auseinander zu setzen, daß „ein König gleich allen anderen" sei, an Ursprung und Ende gleich jedem anderen Menschen. Hierauf schließt er sich an die Erzählung 1. Kön. 3,9 ff. wie Salomo die Weisheit gewählt hat und mit ihr und durch sie Reichthum, Ehre und langes Leben erhielt. Die Wirkung der Weisheit ist (ebenfalls nach 1. Kön. 4,33) zunächst eine genaue Kenntniß der Natur und aller Wesen in ihr.2) Inwieweit sie auf den Menschengeist selbst Einfluß übt und ihn gestaltet, spricht er in einem Satze aus, der so recht an den alexandrinischen Stylisten erinnert. Er sagt: „In der Weisheit ist ein verständiger, heiliger, einfacher, mannichfaltiger, feiner, beweglicher, durchsichtiger, unbefleckter, heller, unschädlicher, das Gute liebender, scharfer, ungehemmter, wohlthätiger, menschenfreundlicher, fester, gewiffer, sorgenfreier, allvermögender, allsehender und alle verständigen, reinen, feinen Geister durchdringender Geist." Dies sind nach unserem Verfaffer die Eigenschaften und Wirkungen der Weisheit, die ebenso die Erkenntniß 1) Bemerkenswerth ist, daß hier der Tempel „ein Nachbild des heil. Zeltes, welches Du (Gott) bereitet hast, von Anfang", genannt wird. So alt war schon die Meinung, daß der Tempel auf Morijah eine Nachahmung, ein Abbild des Himmelsbaues sei, t^-pc rbyu b'r. 2) Es ist interessant, hierbei zu beobachten, um wie viel sich bereits der Einblick des Menschen in die Natur in der Zeit zwischen dem Originale und der Copie erweitert hatte. Im Buche der Könige heißt es einfach: „Er (Salomo) redete über die Bäume von der Ceder auf Libanon bis zum Ifop, der an der Wand hervorkommt und redete über das Bieh und über die Bögel und über das Gewürm und über die Fische." Hier, im Buche der Weisheit (7.17) heißt es: „Denn er (Gott) gab mir untrügliche Erkenntniß der Dinge, zu verstehen ten Bau der Welt und die Kräfte der Elemente, Anfang, Ende und Mitte der Zeiten, des Sonnenlaufes Wechsel und die Abwechselungen der Jahreszeiten, der Jahre Kreislauf und der Gestirne Stellungen, die Natur der Thiere und die Gemüthsarten der wilden Thiere, der Geister Gewalt und die Gedanken der Menschen, die Verschiedenheiten der Pflanzen und die Kräfte der Wurzeln". und die Sittlichkeit, theoretisch wie praktisch, umfaßt, die Menschen befähigt, ihr Wollen und Thun zu beurtheilen und sie in wahrhaft sittlicher Weise zu behandeln. Denn, sagt er, die Weisheit „lehret Mäßigkeit und Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit, welche das Nützlichste sind im Menschenleben." Die vorzüglichste Wirksamkeit der Weisheit ist aber, daß sie zu Gott führet, mit ihm in steten Zusammenhang setzt, gewissermaßen den „Umgang mit Gott schafft und so die Seele vor jeder Befleckung schützt." Diese Weisheit ist eine „Gnadengabe Gottes, der der Führer der Weisheit und der Weifen ist", denn „in seiner Hand sind wir und unsere Reden und alle Klugheit und Kunde des Handelns". Gott ist es, der „die Weisheit giebt und den heiligen Geist sendet aus der Höhe." Dennoch muß die Weisheit vom Menschen gesucht, von Gott erbeten und dauernd erstrebt werden. Dies ist darum schwierig, weil „die Gedanken der Sterblichen schwach sind und unsicher unsere Anschläge, denn der sterbliche Körper beschwert die Seele und die irdische Hütte belastet den vieldenkenden Geist. Kaum errathen wir das, was auf Erden ist und was uns vor den Händen liegt, finden wir mit Mühe; wer aber hat erforschet, was im Himmel ist?" Doch befähigt uns die Weisheit, sowohl in die Zwecke, die Gott in seiner Schöpfung verwirklicht hat, als auch in die Rathschlüffe der Vorsehung und Vergeltung einen Einblick zu gewinnen und ein gewiffes Verständniß zu erwerben. — In allem diesem schließt sich der Verfasser oft wörtlich an das Bibelwort an, und personinzirt nach dem Vorbilde der Sprüche Salomonis und des Buches Hiob die Weisheit, ohne dies jedoch so konsequent durchzuführen, wie in den gedachten Büchern der h. Schrift. — Nunmehr geht der Verfaffer auf die Geschichte an der Hand der biblischen Erzählungen ein, indem er die Helden derselben ihre Thaten durch die Weisheit vollenden läßt, während die Bösen, die dort auftteten, von der Weisheit abgefallen sind. Er beginnt mit Adam und hier sind seine Worte bemerkenswerth. Er sagt: die Weisheit „war es, die den Erstgeschaffenen, den Vater der Welt, da er allein stand (f iovov -ATiciHvxci) bewachte und ihn herauszog aus seiner Uebertretung und ihm Kraft gab, über Alles zu herrschen." Der Verfasser unseres Buches steht hier im Gegensatz zu dem späteren christlichen Dogma zu der „Erbsünde",dem Grunddogma der christlichen Kirche. Adam war nach ihm zuerst im Zustande der Unschuld, beging die Sünde, die ihn aus dem Paradiese verbannte, überwand aber diese mit Weisheit, so daß er, „aus seiner Uebertretung herausgezogen, die Kraft hatte, über Alles zu herrschen." Daß schon aus diesem Gesichtspunkte unser Buch von Bedeutung ist, leuchtet ein. Es spricht hier klar die Ansicht aus. welche im Judenthume über diesen Gegenstand bleibend war. Kain's, Noah's, Abraham's, Laban's, Jacob's, Jvseph's, des Auszuges aus Egypten,

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