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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-01-20 · Heft 4 (20.1.1885) · p. Seite 61

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 4 (20.1.1885)
Date
1885-01-20
Page
Seite 61 (sequence 13)
Language
German
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61 Frauen, während derselbe bereits unter dem Zelte einer armen Hirtin in seinem Blute liegt, ist in seiner tiefen Ironie höchst ergreifend. Am öftesten ergießt sich die Lauge des Spottes über die Götzenbilder und Götzendiener. In jener großartigen Scene, wo der Prophet Elijah allein gegen die von Ahab und Jsebel begünstigten zahlreichen Baalspriester kämpft und dabei ein Volk vor sich hat, das „nach zweien Seiten hinket", riefen die Baalspriester „den Namen Baals an vom Morgen bis zum Mittag, sprechend: o Baal, erhöre uns! aber da war keine Stimme und keine Antwort." (1. Kön. 18, 27). Und es geschah am Mittag, da spottete ihrer Elijah und sprach: „Rufet mit lauter Stimme, denn er ist ja Gott, denn er könnte in Nachdenken sein, er könnte bei Seite gegangen, er könnte auf der Reise sein, vielleicht schläft er, so wird er auswachen." Man braucht auf die ausdrucksvolle Ironie nicht erst aufmerksam zu machen, die hier über den Aber auch der Mensch selbst in seinem Wissen und Können wird ironisirt. Seine Beschränktheit in Erkenntniß und Ausführung wird hervorgehoben, indem er vor die Werke Gottes, vor die unendliche Schöpfung gestellt wird. Hervorzuheben sind hier besonders Kap. 38 u. folg, des Buches Hiob. Da heißt es: „Wo warst Du, als ich die Erde gründete? bericht' es, wenn Du Einsicht kennst! Wer setzte ihre Maße fest, so Du es weißt, oder wer zog die Meßschnur über sie?" Und weiterhin: „Entbotest du dein Lebelang den Morgen, bestelletest dem Frühroth seine Stätte, zu umfassen die Säume der Erde, daß die Frevler aus ihr verscheucht werden?" „Kamst du bis zu des Mannes Quellen? Durchwandeltest den Abgrund der Fluth?" Und in dieser Weise wird an den großen Erscheinungen der Natur die mangelhafte Einsicht, der geringe Umfang des Wissens des Menschen ironisirt. Aber mit ebensolcher Schärfe seine Ohnmacht den Naturkräften gegenüber selbst da, wo er Hand anlegen könnte. Begriff der Gottheit, wie ihn die heidnische Priesterherrschaft i So heißt es 40,9: „Hast einen Arm wie Gott du und donnerst haben mochte, ausgegossen ist. — So verspottet der Prophet I laut wie er? Thu' doch Hoheit, Höhe an, lege Pracht und (Jesaj. 44, 9 ff.) die Verfertiger von Götzenbildern. Er! Glanz dir an! streu' deines Zornes Fluthen aus, zertritt die spricht von diesen Künstlern: „Der Eine behaut Eisen mit Frevler an ihrer Slätte, birg' in den Staub sie allesammt, dem Schlägel, arbeitet mit der Kohlengluth, bildet es mit! verhüll'ihr Antlitz ins Verborgene!" Dann heißt es: „Fängst Hämmern, mit seinem starken Arm bearbeitet er es, auch hungert j du das Nilpferd? Durchbohrst mit Fangseil ihm die Nase? er, daß kraftlos, trinkt kein Wasser, daß matt er wird. Der j Ziehst du das Crocodil am Hamen? Schließt's einen Bund Andere behaut Holz, spannt die Schnur, zeichnet es mit dem! mit dir, daß du zum ewigen Knecht es nehmest?" und so Stifte, fertigt es mit den Hobeln, zeichnet es mit dem Zirkel fort. Nicht einmal den Büffel vermag der Mensch zu zäh- und fertigt es nach Mannesgestalt, nach Menschenschöuheit, men und vor den Pflug zu binden.— Ueber die menschliche ein Haus zu bewohnen. Er fällte sich Cedern, nahm Stein- Weisheit ironisirt wiederholt Kohelet. So sagt er (1. 16): eiche und Eiche, traf die Wahl unter den Bäumen des Waldes, Esche hatte er gepflanzt und der Regen großgezogen. Es dient dem Menschen zum Brennen, er nimmt „Ich habe größere und mehr Erkenntniß erlangt als jeder der vor mir über Jerusalem war und mein Herz hat viel Erkenntniß und Wissen geschaut und ich hatte mein Herz davon und wärmt sich, auch heizt er und bäckt Brod, auch j darauf gerichtet, Weisheit zu wissen und Wahn und Thorheit macht er einen Gott und bückt sich, bereitet ein Götzenbild, zu wissen: doch jetzt weiß ich, daß auch dies ein Haschen daraus und wirft sich davor nieder. Des Hälfte verbrannte > nach Wind; denn durch viel Weisheit wird viel Kummer er im Feuer, brät Braten und sättigt sich, wärmt sich auch und wer Wissen mehrt, mehrt Schmerz!" So heißt es wei- und spricht: Ach, ich werde warm und spüre Feuer. Aber ter (2, 12): „Da wandte ich mich zu schauen Weisheit und den Ueberrest macht er zum Gotte, zu seinem Götzenbilde,! Wahn und Narrheit. Wohl sah ich, daß ein Vorzug der wirst sich nreder davor und beugt sich, betet zu ihm und! Weisheit ist vor der Narrheit, wie -er Vorzug des Lichts spricht: Rette mich, denn Du bist mein Gott!" Der Blödvor der Finsterniß; der Weise hat seine Augen in seinem sinn der Menschen, sich aus demselben Material und mit Kopfe, während der Thor in der Finstcrniß wandelt. Aber vieler Arbeit einen Gott zu bilden, aus welchem zugleich die ich erkannte dennoch, daß Allen einerlei Begegniß begegnet, Bedürfnisse des Hauses besorgt werden, Menschengestalten, und ich sprach in meinem Herzen: Was dem Thoren begegdie in einem Hause ausgestellt werden, wird hier und an j net, wird auch mir begegnen und wozu bin ich dann weiser anderen Stellen mit schlagender Ironie verspottet. So thut gewesen? Da sagte ich in meinem Herzen, daß auch dies auch der Psalmist (115): „Unser Gott ist im Himmel, Alles nichtig ist." was er will, das thut er: ihre Götzen find von Silber und Noch reichlicher ergießt sich die Ironie über die Fürsten- Gold, Werk von Menschenhänden; einen Mund haben sie gemalt unter den Menschen. An vielen Stellen wird die und reden nicht, Augen und sehen nicht, Ohren und hören Nichtigkeit, die Vergänglichkeit und Unzuträglichkeit der Herrnicht, Nase und riechen nicht, ihre Hände greifen nicht ihre schermacht besprochen und bespöttelt. Am nachdrücklichsten Füße schreiten nicht, sie reden nicht durch ihre Kehle." — geschieht dies an der Person des Königs Nebuchadnezzar.

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