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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-01-20 · Heft 4 (20.1.1885) · p. Seite 60

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 4 (20.1.1885)
Date
1885-01-20
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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60 in der südrussischen Stadt Jelisawetgrad (Gouvernement Cherson) unter dem Namen „Duchownobiblejskoje Braftwo" („Geistlich-biblische Brüderschaft") gebildet und wird ebenfalls von den russischen Behörden protegirt. Diese beiden neuen religiösen jüdischen Selten in Rußland anerkennen die biblischen Dogmen des Judaismus, den einzigen Gott, verwerfen aber die Tradition. Einer der Lehrsätze der „neuen Israeliten" lautet: „Ich anerkenne die Deutung der h. Schrift durch die gewesenen Babylonischen und Jerusalemer Rabbiner- Gesetzgeber und die von denselben aufgestellten Dogmen und Bräuche für mich nicht als bindend. Ebenso anerkenne ich keine geistliche Autorität über mir und keine Macht der zeitgenössischen Rabbiner." Ein weiterer Lehrsatz lautet dahin, daß die „neuen Israeliten" alle anderen bestehenden Religioanzugeben, weil sie sonst der Unwahrheit sofort überführt würden, davon hat jüngst ein englischer Autor über die „Politisch historischen Begebenheiten aus den letzten zehn Jahren" ein besonderes Beispiel gegeben. Der Mann heißt Sir John Redclif. Er erzählt unter Anderem von einer „geheimen Gesellschaft", in deren Versammlung ein „Oberrabbiner" eine Rede gehalten, in welcher folgende Stellen vorkamen: „Der Ackerbau wird immer der große Reichthum eines Landes bleiben. Der Besitz großer Grundstücke wird dem Eigenthümer immer Ehren und großen Einfluß bringen; es folgt daraus, daß alle unsere Anstrengungen auch dahin zielen müssen, daß unsere Brüder in Israel bedeutende Landerwerbungen machen. Wir müssen daher so viel wie möglich die Zerstückelung dieser großen nen gleich wie den Judaismus achten und daß sie Jesum Besitzthümer befördern, um uns dadurch die Erwerbung Christum als den Verbreiter der Wahrheit und den Stifter! schneller und leichter zu machen. Unter dem Borwande, den arbeitenden Classen zu Hülfe zu kommen, müssen wir den großen Grundbesitzern die ganze Steuerlast auferlegen, und wenn der Besitz in unsere Hände übergegangen sein wird, wird die ganze Arbeit der christlichen Tagelöhner und Proletarier für uns die Quelle unendlicher Vortheile werden...." Auf diese Weise lassen sich fteilich jeder beliebigen Genossenschaft die abenteuerlichsten und sogar verbrecherischsten Pläne unterschieben. Aber die Gewissenlosigkeit, mit der es geschieht, und die Unverfrorenheit, mit welcher man damit vor das Publikum tritt, ist doch außergewöhnlich, und wirft auf des Guten verehren und daher als den wahren Messias anerkennen. Großbritannien. London, im Januar. Mit welcher Frechheit antisemitische Schriftsteller und Publicisten lügenhafte Berichte zusammenschweißen, um die Juden antisocialer Pläne zu verdächtigen, und wie sie, wenn sie nichts Anderes wissen, geheime Versammlungen und irgend welche Rabbiner in's Feld führen, ohne Ort und Zeit jener und die Namen dieser | unsere Zeit dunkle Schatten. Keuilleton Arber die Ironie in -er Zibel. In diesem Wettbuche, in welchem alle Höhen und Tiefen des Lebens und des Menschenherzens in großen Zügen und Umrissen gezeichnet werden, hatte auch hier und da die Ironie ihren Ausdruck gefunden und in feiner, oft schneidender Weise die Gegensätze hervortreten lassen. Wir wollen hier einige Stellen sammeln, in welchen dies auf charakteristische Art geschieht. — Die bitterste Ironie, hervorgegangen aus dem Siegesgefühl über einen hartnäckigen Feind und Unterdrücker, spiegelt sich in dem Siegesliede Deborah's (Richter 5). Die Sängerin, welche zum Kampfe gegen die kananitischen Fürsten, die lange Zeit den schwersten Druck auf Israel geübt und ihren Feldherrn Sisra aufgefordert und das mühsam zusammengebrachte israelitische Heer gegen sie geführt hat, schildert nachdrücklich den Tod Sisra's durch die Hand Jael's, und wendet sich dann zur Mutter des gefallenen Feldherrn, zur Mutter, die nach orientalischer Sitte an der Spitze seines Harems stand und die noch keine Nachricht über dessen Niederlage und Tod haben soll (V. 28): „Durch's Fenster schaut sie und klaget, Die Mutter Sisra's durch's Gitter: Warum säumet sein Wagen zu kommen. Warum zögern die Schritte seiner Wagen? Die Klugen ihrer Frauen antworten ihr. Auch sie erwiedert sich deren Worte. Werden sie nicht finden, nicht theilen die Beute, Eine, zwei Dirnen für jeglichen Mann, Beute bunter Kleider für Sisra, Beute bunter Kleider! Gewirktes, Buntes! Doppelt Gewirktes auf den Hals des Beuteviehs . . . So mögen, o Ewiger, Deine Feinde vergehen. Und die Ihn lieben, seien wie Aufgang der Sonne in ihrer Kraft!" Dieses Bild der aus die Rückkehr des siegreichen Feldherrn! und auf die mannichfache Beute, die er mitbringt, harrenden

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