Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 4 (20.1.1885)
- Date
- 1885-01-20
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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59 Seinen vor Lachen schüttelten. Erst als die Noth aufs j Bei einer kürzlich im Senate stattgehabten Debatte über Höchste gestiegen, ließ fich der Henker herbei, die Unglück- , das neue Hausreglement, wurde folgender Antrag zum Belichen Opfer aus ihrer entsetzlichen Lage zu befreien.' schluß erhoben: Während sich dies in der Synagoge zutrug, durchzogen; „Der Antrag auf Verleihung des Staatsbürgerrechtes Banden die Stadt, brachen gewaltsam in die Häuser der! mit Dispens der vorgeschriebenen 10 jährigen Stage kann Juden ein, zerstörten und plünderten was sie vorfanden und! nur mit 2/3 Majorität erfolgen, während zur Naturalisirung mißhandelten schonungslos die anwesenden Insassen. Dieser eines in was immer für einem Lande geborenen Rumänen die Zustand dauerte auch während des folgenden Tages einfache Majorität genügt." (Siehe den offiziellen „Moniteur an, obschon ein Theil der Juden unter dem schützenden Schleier der Nacht entflohen war. Die Consequenzen dieser Greuelthaten lassen sich leicht ermessen. Zahlreiche Frauen liegen in Folge der ausgestandenen Angst am Typhus darnieder, andere starben vor Schreck. So geschah es unter Anderem, daß eine Frau, die auf dem Dachboden des Hauses ihre Kinder versteckt hatte, bei dem Herannahen einiger Polizeisoldaten, von denen sie vermuthen mochte, daß sie ihr Parlamentsdebatten Nr. 18. vom 5. Dezember 1884.) Dieser, dem Wortlaute der Constitution zuwiderlaufende Beschluß, verfolgt lediglich den Zweck, den Israeliten die Erlangung des rumänischen Staatsbürgerrechtes noch mehr zu erschweren, als es ohnedies der Fall ist. — (Was soll man zu diesen Vorgängen sagen, bei deren Kenntnißnahme das Herz erstarrt! Wie weit ist Europa zurückgegangen! Bor einem Jahrzehnt noch wäre ein Schrei die Kinder rauben wollen, plötzlich leblos zusammenbrach, des Entsetzens durch ganz Europa gegangen — heute schweigt Daß einige der auf dem Felde arbeitenden Juden, unter Alles! Wenn Solches in sogenannten civilisirten Staaten denen sich Greise bis zu 70 Jahren befanden, ebenfalls den geschieht, könnte man glauben: die Zeiten der Barbarei kehren Anstrengungen und der unmenschlichen Behandlung erlagen, wieder! Und — was das Traurigste ist — es giebt kein braucht wohl kaum erwähnt zu werden. Diese unfreiwilligen Mittel, um diesen Grausamkeiten ein Halt zu gebieten! Daß Arbeiter wurden aus ihrer ttostlosen Lage erst durch die Andie Rumänen sich und ihren Staat an den Schandpsahl der kunft eines Veterinärarztes befreit, welcher auf vieles Bitten Geschichte schlagen — was fragen diese Barbaren danach? und Drängen fich entschloß, die Erklärung abzugeben, daß Redaction.) die Durchführung der begonnenen Arbeiten zur Hintanhaltung; der Rinderpest nicht unbedingt nothwendig seien. Aber noch' Rußland eine letzte grauenhafte Scene spielte sich auf dem Werkplatze ab. Als nämlich die Juden denselben .verlassen wollten, Odessa, 3. Januar. Unsere Leser werden sich erinnern, wurden sie von den Amtspersonen mit concentritrter Carbol-! daß die mit Ostentation verbreiteten Nachrichten von neuen, säure begossen und trugen in Folge dessen entsetzliche Brand-j in Rußland sich bildenden Sekten, einer jüdisch -christlichen wunden davon.! eines gewissen Rabbinowitz und einer antitraditionellen eines So geschehen im Jahre 1884. gewissen Gordon, durch unsere russischen Correspondenten nachdrücklich dementirt worden sind, indem nach ihren zuver- Nachtrag zu Bulletin Nr. 2. lässigen Informationen beiden genannten Männern die An- ' Hänger fehlen. Demungeachtet fahren die russischen Das Journal „Fraternitatea", welches sich stets durch wahrheitsgetteue Berichte auszeichnet und dem die geschilderten Vorgänge in Dorohoi ebenfalls von durchaus vertrauenswürdiger Seite zukamen, erhielt soeben eine von 12 in dem genannten Districte ansässigen Juden Unterzeichnete Zuschrift, in welcher der moralische Urheber der an denselben verübten und deutschen Blätter fort, von diesen Sekten zu berichten. Und wir geben diese Mitlheilungen wieder, um unseren Correspondenten Gelegenheit zu bieten, sich darüber zu äußern. Ter in Odessa erscheinende „Noworossijskij Telegraf" berichtet: Die vor Kurzem in Kischinew, der Hauptstadt des Gouverne¬ Scbandthaten als ein Ehrenmann geschildert und die Redacments Bessarabien, ausgetauchte neue religiöse jüdische Sekte „Nowyj Jsrail" („Neuer Israel") hat dieser Tage beschlossen. tion gleichzeitig ersucht wird, im Interesse der Juden diese dne Synagoge Namens des h. Messias Jesus Zuschrift zu verössentlichen. Da ftdoch dre gelederten ^hat-; („Sinagoga wo Jmir Messii Jssnssa Christa") zu sachen keineswegs in Abrede gestellt werden, ft rst dreer» erbauen, und der russische Minister des Innern Graf T.Tolstoj, Beweis mehr für die Richtigkeit derselben und laßt sich an'\an welchen sich die Vertreter der Sekte „Neuer Israel" um derseits auch mit Bestimmtheit annehmen, daß dre betreffen-! Bewilligung dieses Baues gewendet, bat nicht nur die Crden Unterzeichner gezwungen wurden, an dre Redaktion der : bezeichneten Synagoge in Kischinew gestattet, „Fraternitatea" ein derartiges Schriftstück abzusenden.! fonbcrn Sekte als besondere Rcligionsgenossenschast _ : anerkannt. Eine ähnliche religiöse Sekte hat sich vor Kurzem $