Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 4 (20.1.1885)
- Date
- 1885-01-20
- Page
- Seite 58 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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58 barkeit ihrer Frauen nicht künstlich hemmen, während berj Rumäne zu allen möglichen Mitteln greife, um den Kindersegen hintanzuhalten. Statistisches. Als schlagender Beweis für die Thatsache, wie sehr biß! jüdische Bevölkerung Rumäniens den Werth des Unterrichtes zu schätzen versteht, mögen folgende, der ofsiciellen Statistik entnommene Daten dienen: Schon in den Jahren 1878—79 begegnen wir in den städtischen Schulen 1432 jüdischen Schülern gegenüber 18165 christlichen und 1793 israelitischen gegenüber 7421 christlichen Mädchen verschiedener Riten. Im Schuljahre 1881—82, also nur 2 Jahre später, stellt sich das Berhältniß folgendermaßen: 2331 jüdische zu 21501 christlichen Knaben und 2754 jüdische zu 10 000 christlichen Mädchen. Im Schuljahre 1882—83 ergiebt sich schließlich das Berhältniß von 2350:21 710 Knaben und 2741:10723 Mädchen. In den Gymnasien hatten wir 1878—79 313 jüdische und 1540 christliche, 1881—82 383 jüdische und 1694 christliche, 18s2—83 endlich 401 jüdische und 16ö7 christliche Eleven. Die Lyceen wiesen 1878—79 151 Juden und 1631 Christen, 1o8l—82 191 Juden und 1917 Christen, 1882—83 180 Juden und 2164 Christen auf. In den Secundar- und Prosessionsschulen für Mädchen waren inscribirt 187a—79 34 jüdische 7ol christliche, 1881—82 63 jüdische 1233 christliche und 1882—83 75 jüdische und 1407 christliche Mädchen. Die Handelsschulen besuchten - 1878—79 77 Juden, 204 Christen, 1881—82 239 Juden > 533 Christen und 1882—83 222 Juden und 495 Christen, i Zur Vertreibung der Zuden. Seitdem die Tobrudja aus Grund des Berliner Vertrages eine rumänyche Provinz geworden ist, sind die Behörden unausgesetzt bestrebt, den dort bereits feit einer langen Reihe von Jahren ansässigen Juden den Aufenthalt durch Chicanen und Gesetzwidrigkeiten aller Art zu verleiden. So wurden im vorigen Jahre 35 jüdische Familien, welche noch unter dem mohamedanischen Regime in Küstendje domicilirten, kurzweg verjagt. Ein gleiches Schicksal traf im Monate März d. I. weitere 135 Personen mosaischen Glaubens in Küstendje, welche, trotzdem sie über ihre Erwerbsfähigkeit und regelmäßige Steuerzahlung hinreichende Beweise beibrachten, dennoch als Vagabunden erklärt und ausgewiesen wurden. Unter den Bewohnern Küstendje's die nur zum geringen Theil aus Rumänen und meist aus Türken, Griechen, Bulgaren, Armeniern und Zigeunern bestehen, waren seltsamer Weise nur die Juden allein Vagabunden, alle Anderen hingegen durchwegs nützliche Staatsbürger. Bulletin Nr. 2. Bukarest, 21. December. 1884. Die Schandthaten im Distrikte Dorohoi. Das hier erscheinende israelitische Blatt „Fraternitäten" bringt die nachstehenden, vom 27. November d. I. datirten Mittheilungen aus Darabuni im Distrikt Dorohoi, welche an die schlimmsten Zeiten der Judenverfolgungen erinnern. In der genannten Ortschaft waren einige Fälle von Rinderpest vorgekommen und entsendete in Folge dessen der Präfec Moruzi — einer der angesehensten Familien des Landes angehörig — den Polizei - Commiffär Filipescu an Ort und Stelle, um die gesetzlich vorgeschriebenen Maßregeln gegen das Umsichgreifen der Seuche auszuführen. Derselbe fand es jedoch für gut, sich seiner Aufgabe in folgender Weise zu entledigen: Er ließ zuerst zehn Juden, die ihm just in den Weg kamen, und ohne auf deren sociale Stellung oder physische Körperbeschafsenheit Rücksicht zu nehmen, aufgreifen und zwang dieselben, während der Dauer von 10 Tagen fast ununterbrochen und unter den grausamsten Schlägen einen Wall rund um die Stadt aufzuführen. Dies war jedoch nur das Vorspiel, denn kurz daraus wurden weitere 30 Juden, ebenfalls solche, die nie in ihrem Leben schwere Arbeit verrichtet hatten, ergriffen und trotz ihrer Bitte, man möge ihnen gestatten, auf eigene Kosten Arbeiter zu engagiren, gezwungen, Tagelöhnerdienste zu verrichten, wobei sie außerdem die Nächte bei strömendem Regen und eisiger Kälte im Freien zubringen mußten. Der Präsekt, welchem von diesen Borgängen im telegraphischen Wege Kenntniß gegeben wurde, beobachtete vollkommenes Stillschweigen. Am Tage vor Jom Kippur ließ der genannte Filippescu des Schächters Meffer wegnehmen, damit die üblichen Kappores nicht geschlachtet werden kannten und wurde dieses Instrument dem Eigenthümer erst am Nachmittag nach dem Festtage wieder zurückgestellt; als aber eine Anzahl von Geflügel — denn der Consum von Hornvieh war nicht gestattet — geschlachtet war, wurde das Fleisch derart mit Schwefel und Carbol präparirt, daß es vollständig ungenießbar war und aus diesem Grunde den Kranken und Wöchnerinnen nicht einmal eine Suppe bereitet werden konnte. Am Jom Kippur selbst mußten die Juden nach wie vor ihre Erdarbeiten sortsetzen, während die in der Ortschaft Zurückgebliebenen sich zur Andacht in der Synagoge eingesunden hatten. Allein kaum hatte sich das Gebethaus gefüllt, so erschien Filippescu mit seinen Schergen, ließ alle Ausgänge besetzen und im Innern des Saales Schwefel anzünden, um angeblich das Local zu desinfiziren. Da Niemand dasselbe verlaßen durfte, so kann man sich die Situation der armen Juden leicht vorstellen. Sie wurden von Erstickungsanfällen ergriffen, wälzten sich in ihrer Athemnoth wie rasend auf dem Fußboden umher, die Frauen wurden ohnmächtig, kurz es war ein herzzereißendes Schauspiel, während dessen sich aber Filippescu mit den r