Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 4 (20.1.1885)
- Date
- 1885-01-20
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
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56 Hafter zur Ausführung kommen, als der Beschluß des Berliner Congresses, daß in allen Donauftaaten alle Nationalitäten und alle Religionen die bürgerliche Gleichstellung genießen sollen! Nachträglich hat noch keine der Congreßmächte sich darum gekümmert, daß in Rumänien gerade das Gegentheil geschieht! Berlin, 11. Januar. (Privatmitth.) Das Duell, welches jüngst zwischen zwei Studenten, Oehlke und Holzapfel, stattfand, und dem letzteren den Tod brachte, hatte einen antisemitischen Hintergrund, der jetzt viel besprochen wird. Betheiligt ist dabei der bekannte Dichter Julius Wolff. Der antisemitische Verein „deutscher Studenten" feierte am 18. Jan. v. I. einen Cammers, zu welchem er Herrn I. W. einlud. Der letztere erschien bei dem Feste und widmete ihm auch ein Gedicht. Dieser Vorgang machte viel Aufsehen, und man schloß daraus auf die antisemitische Gesinnung Wolffs. Dies veranlaßte den Oehlke, Vorsitzenden der „Freien wissenschaftlichen Vereinigung", Wolff einen Besuch zu machen. Dieser erklärte dem Oehlke, er habe von den Tendenzen des Vereins, dessen Fest er besucht und durch ein Festgedicht verherrlicht hatte, nichts gewußt. Sollte aus seiner Anwesenheit die Meinung hervorgehen, er huldige antisemitischen Tendenzen, so könne Oehlke dagegen protestiren. In der Studentenverentfalten, manche Existenzen verkümmern, scheitern oder gerathen in unrichtige Bahnen. Da Herr Simon dies als erstes Motiv voranstellt, so sind wir berechtigt, es auch bei ihm als Amtsrichter als erstes Motiv vorauszusetzen. Wir können ihm nun seine Sätze durchaus nicht zugestehen, denn die vielen jüdischen Männer, welche durch ihre Kraft und ihre Verdienste auf den verschiedensten Gebieten des Lebens eine Stellung sich erworben, wenn auch nicht gerade auf dem Wege des Nepotismus oder der Anciennität, strafen seine Sätze Lügen. Auch viele Christen verkümmern, scheitern und gelangen in unrichtge Bahnen. Merkwürdig ist endlich, daß viele Christen behaupten, z. B. erst jüngst v. Hartmann, daß die Juden durch ihr Judenthum begünstigt werden. Nun, alle die Juden, die um Carritzre zu machen, ihre väterliche Religion verlassen, bedauern wir, jedoch nicht vom Standpunkte des Judenthums. Im weiteren Verlaufe versucht 1)r. Simon sich dadurch zu rechtfertigen, daß sich im Innern des Judenthums eine Scheidung zwischen Alt- und Neugläubigen vollziehe, also das Judenthum nicht mehr geschlossen dem Christenthume gegenübersiehe. Nun, wenn ihn dies aus dem Judenthume getrieben, so fragen wir ihn, was er in dieser Hinsicht im Christenthume gefunden? Ob er in der von ihm gewählten protestantischen Kirche nicht eine ganze Reihe gesammlung vom 10. Juni v. I , als der Gegenstand zur Sprache! schiedener und sogar völlig entgegengesetzter Parteien antraf? gekommen, gab Oehlke diese Erklärung Wolss's ab und bekräf-1 Er beweist dies auch alsbald, indem er verlangt, daß die tigte die Richtigkeit mit seinem Ehrenwort. Hierauf wandten | Christen Jesus nur als vorzüglich moralischen Menschen, sich Mitglieder des Vereins deutscher Studenten an I. W., j nicht aber seine Göttlichkeit anerkennen müßten. Er thut dies und dieser bemerkte brieflich, er habe eine solche Erklärung! freilich in etwas umkleideter Weise; aber deutlich wird es nicht gegeben. Darauf schloß der Ausschuß der Studenten-! doch. Da wären wir denn neugierig, welch' eine Bekenntschüft den Oehlke aus, und dieser, um sein Ehrenwort zu! nißformel der Neophyt bei seinem Uebertritt auszusprechen und rechtfertigen, forderte die übrigen Mitglieder des Ausschusses,! feierlich zn bekennen gehabt und ob er bereits so weit gefünf an der Zahl. Zwei dieser Duelle liefen in günstiger1 langt ist, mit dieser Bekenntnißformel umzuspringen nach sei- Weise ab, das dritte hatte den tödtlichen Ausgang. Dasj nein Belieben. Er geht auch so weit, zu behaupten, daß die Weitere wird die gerichtliche Verhandlung bekunden, nament- > übergetretenen Juden für die Kirche sehr nützlich wären, indem lich auch über das Verhalten des Herrn Julius Wolff.! sie zur Aufklärung derselben viel beitrügen. Bekanntlich giebt Hannover, 8. Januar. (Privatmitth.) Ein Amtsrichter es auch getaufte Juden, die behaupten, sie wären die eigentlichen vr. Simon von hier ist zur protestantischen Kirche übergetteten. Das ist schon öfter vorgekommen. Derselbe hat aber Christen. Für diese Ansicht wird vr. Simon bei seinen neuen Glaubensgenossen keinen Anklang finden; vielmehr wereine Rechtfertigungsschrift an den Vorstand der jüdischen; den sie hierin nichts weiter als einen abermaligen Beweis Gemeinde gerichtet, dem er eine Zeitlang angehörte und zwar! für die den Juden zugeschriebene Zudringlichkeit und Anmanoch als er bereits seinen Uebertritt vorbereitet, vielleicht auch vollzogen hatte. Jetzt hat er auch ein Broschürchen im Druck erscheinen lassen. Da geziemt cs sich wohl, es auch an die ser Stelle zu charakterisiren. Simon verfährt in seiner Schrift wie ein echter Proselyt: indem er einerseits sofort Proselyten zu machen sich bemüht und andererseits die Kirche meistern ßung erblicken. So glauben wir nicht, daß vr. Simon hüben und drüben mit seiner Schrift Glück machen wird und daß man darin eine Rechtfertigung erkennt, wie sie eines festen Charakters und geraden Verstandes würdig wäre. Bielefeld, 6. Januar. (Privatmitth.) Am 4. d. M. hielt der Vorstand der „Unterstützungscasse des Berwill, zu welcher er sich eben feierlichst bekannt hat. Im'eins israelitischer Elementarlehrer für Westfalen ersten Abschnitt sucht er nachzuweisen, daß es trotz der staat- und die Rheinprovinz" wie alljährlich seine Sitzung ab, lichen Gleichstellung den Juden nicht gestattet wird, ihre! um den Stand der Casse und die Höhe der pr. 1885 zu er- Kräfte frei zu bethatigen; viele Kräfte können sich nicht frei) theilenden Beträge zu ermitteln. Es waren im Jahre 1884