Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 4 (20.1.1885)
- Date
- 1885-01-20
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
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55 Dem Text — schade, daß der Dichter nicht genannt ist —| kann man Clasficität gerade nicht zum Vorwurf machen. Er beginnt im Klapphorn-Genre: O Mensch, bedenk, du bist aus Staub, Dein Leib wird einst der Würmer Raub, Das Kind, der Jüngling und der Greis Muß ohne Rücksicht auf die Reis'. Aus Nr. 145 in A-moll hebe ich die schöne Wendung nach dem „erlösenden" Podeh Adonoj nach A-änr hervor. Die folgenden Nrn. 148—150 enthalten die recht stimmungsvollen Psalmen 130, 137 und 21. Der letztere namentlich ist eine sehr beachtenswerthe Composition. Der Schlußsatz Allegro maestoso nämlich ist von einem.Doppelchor zu executiren, von dem der Chor II. die russische Nationalhymne mit russischem Text — so vermuthe ich aus der mir bekannten Melodie, weil ich die russische Sprache nicht kenne — fingt, während der Chor I. im hebräischen Text zu gleicher Zeit fortfährt. Mit Nr. 154 schließt das ganze Werk ab. Aus dem Gesagten geht hervor, daß wir es mit einer hochbedeutsamen Erscheinung auf dem Gebiete der Synagogenmufik zu thun haben. Aber wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Und dieser besteht darin, daß der Componist sein Werk nur für große Chöre berechnet hat, deren Sänger einen ungewöhnlichen Stimmenumfang besitzen. Die Höhe des a, d und h für Sopran, resp. Tenor (S. 6, 13, 23, 94, 193 u. a.) — S. 13 gar das hohe o für Tenor — ist nichts Seltenes. Ebenso hat der Cantor (S. 14, 17, 34 u. a.) das a (S. 50) ais und h, (S. 109, 113, 114) die Höhe des b zu greifen. Hingegen hat der Baß in die Tiefe des e, es (S. 25, 26, 27, 61 u. a.) und sogar des ä (S. 18) hinunterzusteigen. Menschliche Stimmen sind keine Instrumente, und daran hätte; der Componist denken müssen. Auch ist das Wort in grammatischer und ästhetischer Accentuirung zu dem Tone manchmal incorrect. — Die äußere Ausstattung ist sehr schön. Mancherlei Druckfehler sind dem Setzer in die Schuhe zu j schieben. Diese kleinen Ausstellungen sollen jedoch dem Werke; keinen Eintrag thun. Es bleibt ein monumentales Werk, ' das in der Geschichte der Syuagogenmusik einen der ehrenj vollsten Plätze behaupten wird. Die fehlenden Piecen wird j der Componist hoffentlich bald in einem 2. Bande erscheinen! lassen. Siegfried Graf. (^yviac Deutschland. Berlin, 5. Januar. Eine kleine Gemeinde von persönlichen und politischen Freunden Eduard Lasker's versammelte sich heute Mittag aus Anlaß der Wiederkehr des Todestages an seinem Grabe auf dem jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee. Der Hügel war mit dem bereits enthüllten Denkstein bedeckt, einem auf Granit ruhenden Sarkophag aus Syenit, der nur den Namen „Eduard Lasker" und Geburts¬ und Todestag trägt. Hohe Palmen und Lorbeeren umgaben rings die Grabstätte. Zu Füßen des Grabes lag ein Kranz mit der Widmung „Dem Träger der Idealität", während ein Kranz von blühenden Rosen das obere Ende schmückte. Zahlreiche Abgeordnete wohnten der ernsten Erinnerungsfeier bei. Man bemerkte den Oberbürgermeister von Forckenbeck, die Abgeordneten Rickert, Bamberger, Baumbach, Ludwig Löwe, Munkel, Langerhans, Möller, beide Hermes, Horwitz, Alexander Meyer, vr. Max Hirsch, Kochhann, Zelle, Goldschmidt, Eberty, Schröder, vr. Barth u. A.; auch Professor Mommsen war erschienen. Der Gemeindevorstand und die Repräsentanten-Versammlung der jüdischen Gemeinde waren durch ihre Vorsitzenden, Justizräthe Meyer, Makower und viele andere Mitglieder vertreten. Nachdem der Synagogen- Chor ein Lied vorgetragen, sprach Rabbiner vr. Frankl einen Nachruf, den er mit einem Gebet schloß. Nach abermaligem Gesang legte Abg. Rickert einen Kranz mit der Inschrift: „Ihrem unvergeßlichen Freunde Eduard Lasker seine politischen Gesinnungsgenossen" auf das Grab. Abg. Baumbach widmete einen Kranz im Namen und Aufträge der Freunde aus dem 2. Meininger Wahlkreise, Direktor Goldschmidt einen solchen im Namen des Berliner Handwerker-; Vereins. Ein Schlußgesang beendete die kurze Feier.! — Das konservative Central-Comite, abgekürzt 660, : das durch die Aufstellung von Stöcker, Wagner, Cremer,! Brecher und Jrmer als Candidaten zum Reichstage mit den Antisemiten sich völlig identifizirt hatte, wird nach seinen; Niederlagen völlig in die Brüche gehen. Wie die „Elberf.! Ztg." schreibt, ist man allgemein unzufrieden mit ihm, und i in einer Versammlung, wo der Verein sich rekonstruiren und > ein neues Statut berathen werden sollte, machte sich die Oppo-! sition so fühlbar, daß der Vorsitzende, Prof. Brecher, die Klingel niederlegte und davonging, worauf die Versammlung ' auseinanderlief. — Am 7. d. hat die Afrikanische Conferenz den Beschluß über das gänzliche Verbot des Sklavenhandels im Congogebiete gefaßt. Hoffentlich wird dieser Beschluß ernst-