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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-01-20 · Heft 4 (20.1.1885) · p. Seite 54

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 4 (20.1.1885)
Date
1885-01-20
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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54 Vorzug einräumen soll. Der Fluß der Melodie, der wirkungsvolle Satz — alles hochinteressant. — Nr. 57—59 bringen Tikanto schabboß und atto jozarto in altpolnischem Gewände, die auch in dem Herzen eines deutschen Juden ihre Wirkung nicht verfehlen werden. n. Der zweite Th eil — die Gesänge für Scholosch regolim führen sich mit einem stimmungsvollen Mah-tobu in Adur ein. — Vom Maariw bringt er leider nur sehr wenig; aber was er darreicht, ist vorzüglich, so die melodisch und harmonisch n eisterhast componirten Sätze Nr. 61—65. Die Fuge der letzten Pidce kann nur von im Tempo sattelfesten Sängern ausgeführt werden. Auf S. 79 schließt der Tenor aber nicht ab. Es ist wahrscheinlich auf S. 80 die erste Note des Tenors cis oder e als Terz oder Quinte des A-dur- Accordes als Druckfehler weggeblieben. — Der Morgengottesdienst beginnt mit zwei recht ansprechenden Theilstücken aus der K'duschoh, mit Mimkom'cho (Nr. 66 u. 67). — Ich komme jetzt zu dem bedeutendsten des ganzen Werkes, zum Halle! (Nr. 68—73) mit Orgelbegleitung. Ich kenne so ziemlich die so schönen Hallel-Compofitionen unserer großen Synagogencomponisten. Aber vor dieser großartigen Schöpfung müssen alle, heißen sie Sulzer, Lewandowski, Halevy (im Naumbourg) die Segel streichen. Diese Compofition verdiente, nicht des äußern Umfangs wegen — ohne den Mälzl bei der Hand, taxire ich die Aufführungszeit auf etwa 1 Stunde, — sondern wegen ihres musikalischen Gehaltes eine gesonderte Besprechung. Der Ps. 113 in Fs-dnr ist eine imponirende Piece. Wie majestätisch beginnt und schließt sie! Wie tonmalerisch „emporhebend" ist das „Mliaii meofor dol" im Choralsatz ausgedrückt! — Der Ps. 114 in D-dur ist zu Anfang etwas lebhaft colorirt. Vom poco meno mosso ab tritt uns ebenfalls eine schöne Tonmalerei entgegen. Man sieht förmlich „die Lämmer Hüpfen". Die Frage Mah-l'cho hajom rc. ist in gewissem Sinne dramatisch aufgefaßt und auf „hehorim" rc. ist ein Chor II erforderlich. Nach Schluß desselben beginnt ein kleiner G-moU-Satz, der sich wieder in einer hochinteressanten Fuge in v-änr wendet und abschließt. Ps. 116 in H-moll leitet ein Baßsolo ein. Diese Nummer zeugt von der contrapunktischen Beherrschung der Formen. Sie wird auch auf den Laien Eindruck machen. Nr. 71, Moh oschiw in Ges-dur, ist eine kostbare Perle, eine hochnoble Erfindung. — Zu Nr. 72, „Min hamezar", gehören bei dem öfter« Tempowechsel eine sichere Dirigentenhand und eine taktfeste Sängerschaar, namentlich vom Allegro oon faoco 2/2 ab. Diese ist die umfangreichste des ganzen Halle! und schließt effectvoll ab. — Mit Nr. 73, dem schönen Onno, endigt das ganze Halle!. — Nr. 74 bringt zum Ausheben der Thorah „Advnoj, El rachum" rc. in G-moll, das überraschende und manchmal hartklingende Modulationen aufweist. — Aus dem übrigen Theil des Muffaph greife ich nur noch die bei Nrn. 81 und 82, welche je eine K'duschoh enthalten, heraus. Beide find des Beifalls sicher. Die letztere wird von den Sängern lieber gesungen werden. Nach den melodiösen Pidcen Nr. 83—85 schließt das Werk seinen II. Theil mit dem Priestersegen ab. m. Im dritten Theil vermisse ich zum Bedauern das Maariw und Schachariß. Er beginnt gleich mit dem außerordentlich klangvoll für Cantor und Chor gesetzten Kaddisch (Nr. 87) und dem Anfang der Schmone eßre (Nr. 88) für Mussaph. Diese wie die Nr. 102—104, Unßanne tokef, find mit vielem Berständniß der Harmoniekunst in melodischem Flusse gearbeitet. Nr. 106, Olenu, giebt er uns nach alter Weise. Nr. 107—118 enthalten, kunstvoll ausgeführt, die übrigen Gesänge zu Mussaph. „Atto niglesso (Nr. 111), wie Hallelujah (Nr. 113) und Uwjom ßimchaßchem (in zwei Bearbeitungen) find melodiös und harmonisch wohlgelungen und werden ihren Eindruck nicht verfehlen. Mit „hajom haraß olom", das namentlich nach der zum 4-stimmigen Knabenchor überleitenden enharmonischen Verwechselung recht wirkungsvoll ist, schließt das Mussaph und es beginnen mit Nr. 119—142 die Gesänge zu Jom-Kippur. Die Gebete und namentlich Gesänge für den Kol nidre-Abend weichen in den beiden Riten, dem aschkenafischen und dem polnischen, bekanntlich von einander sehr ab, und da Bachmann regional dem letztern angehört, so wird dieser Theil seiner Compofitionen in den dem polnischen Ritus angehörigen Gemeinden auch eher Interesse erwecken, als in den aschkenafischen Gemeinden. — Mit Nr. 132 lernen wir die Abodah mit den sehr wirkungsvollen Piecen Amiz Koach und W'chach hojoh omer (Nr. 133) kennen. Das „W'hakohanim" wird vom rein musikalischen Standpunkte aus zu den am schönsten erfundenen und empfundenen Nummern gezählt werden können. Allein gerade zu diesem Text sind wir die uralte, in allen Synagogen übliche Melodie gewohnt, und daß wir diese festhalten, ist ein durchaus berechtigter Conservatismus. Ja, ganz konnte sich der Autor dessen auch nicht entschlagen, denn vom Tatt 3 ab find in den Männerstimmen Anklänge an die überlieferte Melodie vorhanden. Die recht ansprechende Nr. 135 „W'chach hojoh moneh" beendigt das Mussaph zu Jom-Kippur, und es erübrigt nur noch, der Nr. 136 und 137, N'iloh (Kaddisch und Schmone-eßre), nach alter Sangweise und einiger Pismonim, Nr. 138—142, nach polnischer Weise zu gedenken, um so zum Abschluß sämmtlicher Sabbath- und Festtagsgesänge zu kommen. Anhang. Dieser enthält zunächst (Nr. 144—147) Trauergesänge. Nr. 144 für Mannerchor in F-moll hat schwierige hartklingende Modulattonen und erfordert ttefflichere Stimmen.

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