Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 3 (13.1.1885)
- Date
- 1885-01-13
- Page
- Seite 45 (sequence 13)
- Language
- German
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45 Keuillelon. Mann, sondern mit der Frau des Hauses, der Schunamith 1 besprach. Die Schunamith, die sich uns jetzt vorstellte, flößte! uns wenig Vertrauen zur Zufriedenheit mit der Wahl unseres Logis ein. Wir sahen ihr zu, wie sie waltete und ord- Aus der Provinz, im Januar. Zalueologische Briefe eines Rabbiners. 2. Wrrief. Lieber Freund! nete, voll Verwunderung über ihre musterhafte Ungeschicklich- Seit einigen Tagen bin ich im Besitze des Urlaubs, der keit in wirthschaftlichen Formen; am meisten darüber, daß mir unter den herzlichsten Wünschen seitens des Vorstandes wir. drei an der Zahl, zu einer elementaren Einheit verbunmeiner Gemeinde zum Besuche des mir ärztlich angeordden werden sollten, und das nicht jedem von uns das Zur neten Kurorts ertheilt wurde. Die Stunde der Abfahrt ist gekommen. Mit meiner Frau und unserem einzigen Kinde, die in treuer Fürsorge mich nicht verlosten, finde ich nach langem Absuchen ein paffendes Coupv und fort dampft das schnelle Gefährt mit wachsender Eile. Immer von Neuem wechselt draußen die Scene, immer von Neuem wechseln drinnen die Gestalten, bis wir am Abend selbst dem Wagen entsteigen. Wir sind am Ziel. Wir nehmen unsere Koffer in Empfang, rufen unsere Glieder und Nerven, denen wäh- Berfügung stehen sollte, worauf er als Individuum schlechterdings nicht verzichten konnte. Ungleich gewandter als in Sache der Hausordnung erwiesen sich unsere Wirthsleute hinsichtlich des Miethshonorars, das sehr correct nach drei Personen, und zwar hochwerthig geschätzt, bemessen wurde. Und doch war das nicht das Schlimmste. Mein Wirth war ein frommer Mann und trat deß zum Zeichen regelmäßig in später Abendstunde, wenn andere Curgäste bereits des Schlummers pflegten, mit einem großen Folianten bei mir ein, um rend einer langen Tagesfahrt alles Leben abhanden gekommen über schwierige Stellen, die er darin zu entdecken meinte, war, zu rühriger Thätigkeit auf, eilen mit munterem Ge-1 sich Raths zu erholen. Es war ein aus Urahnen Erbschaft spann vom Bahnhofe in den Ort, um jedem andern der mit auf ihn überkommenes Buch, in welchem er mit Mühe zu unserm Zuge angekommenen Kurgäste im Wettlauf nach einer lesen verstand. — Aber dennoch haften an dieser Wohnung Wohnung den Rang abzugewinnen, und halten schließlich vor trotz ihrer großen Mängel meine schönsten balneologischen einem nicht übel aussehenden Hause, deffen Bermiether, ein Erinnerungen. an welchen meine Wirthsleute freilich unschul- Glaubensgenoffe mit hochausgebildetem Instinkt, mir auf den dig sind. Da begrüßte ich den Sabbath, wenn er einzog in ersten Blick ansieht, daß ich ein Rabbiner bin. Ganz glückder Stille des Abends, so feierlich und weihevoll, wie kaum lich über die Fügung, einen Rabbiner ins Haus zu bekommen in der Heimath. Eine Anzahl Collegen, Rabbinen und hoch- — denn er ist sehr fromm, sein Sohn ist „jüdischer" Student angesehene Männer aus Deutschland, fanden sich bei mir ein und der Tempel ganz in der Nähe — macht er mich mit und sprachen mit mir in gehobener, andachtsvoller Stimmung: der „Heuer" unaussprechlich großen Wohnungsnoth im Orte; „Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn", und bekannt und mit der ganz unzweifelhaften Gewißheit, in nahmen Theil an dem Mahl, dessen Kosten aus gemeineinem Wagen, oder irgendwo im vierten Stock, oder im Keller; schaftlicher Lasse bestritten wurden. So wollte und ordnete für die ersten acht Tage Unterkommen suchen zu müssendes mit seelenvoller Liebe die treue Helferin, die in allen wenn er mir nicht sein augenblicklich leer gewordenes Zimmer! Wegen des Lebens mir verbundene Gefährtin.' Ueber den aus Seligkeit darüber, daß ich ein Rabbiner bin, überließe. > Einwie den Ausgang des Sabbaths breitete sie durch ihr Vom Miethpreis wolle er natürlich gar nicht sprechen; denn! sinniges Thun einen verklärenden Schleier, zugleich mit dem er wäre sehr fromm und ich ein Rabbiner. Da weder ich! jungen Sproß, der mit reiner Freude zur Mutter aufblickte, ein noch die Meinen jemals in einem Wagen oder im viertenJ Vorbild wahrer Frömmigkeit und Gottesfurcht. Seitdem Stock oder im Keller gewohnt hatten und wir davor zurück-! hatte ich an dem nämlichen Kurorte in den folgenden Jahren schraken, es gerade jetzt thun zu sollen, wo ich die Kur geandere Wohnungen inne, oder brauchte überhaupt die Kur brauchen wollte, dankte ich dem fremden Manne, hörte nicht an anderen Heilstätten, und immer ließ unsere Wohnung in auf die Zweifel und Abmahnungen meiner Frnu, die daheim Bezug auf Bequemlichkeit der Einrichtung und Schönheit der in allen häuslichen und wirthschaftlichen Dingen das unbe-:Lage nichts zu wünschen übrig. Allein niemals gelang strittene Scepter führt, und bezog das uns überwiesene gees uns, den Sabbathfrieden in gleicher Weise wieder in räumige, zu ebner Erde gelegene Zimmer. Zu meinem Leidunser Haus zu zaubern. Gewiß trug daran die anders wesen hatte ich bei dem ganzen Handel an Eins nicht gedacht: geartete Gesellschaft einen großen Theil der Schuld; aber daß nämlich schon vor mehr als dritthalbtausend Jahren derfahrende Elischa über Wohnungsverhältniffe sich nicht mit dem! i) Könige II. 4.