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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-01-13 · Heft 3 (13.1.1885) · p. Seite 44

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 3 (13.1.1885)
Date
1885-01-13
Page
Seite 44 (sequence 12)
Language
German
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44 war ihm geblieben bis zum letzten Augenblicke. An seiner Bahre standen tiefgebeugt seine beiden verwittweten Töchter, Frau Dr. Calm und Frau Löwen st ein mit ihren Kindern aus Leipzig, und der einzige Sohn, Herr Gott hold Herxheimer mit seiner Frau, wohnhaft zu London, von woher sie herbeigeeilt waren, um den letzten Segen des scheidenden geliebten Vaters zu empfangen. Gestatten sie mir nur einen schwachen Beitrag zu liefern zur Würdigung seiner Gemüthstiefe und der Herzlichkeit und Biederkeit seines Wesens. Ich habe l1/2 Jahr in Bernburg als Lehrer und Cantor amtirt und des Glückes genossen, mit dem Heimgegangenen tagtäglich, nicht bloß amtlich, sondern auch freundschaftlich zu ver- Bortrage des dix no 'n die Feier ein; Chor und Gemeinde wiederholten den Schlußvers. — Hierauf bestieg Herr Rabbiner Dr. Maybaum aus Berlin die Kanzel und entwarf in einer an Form und Inhalt gleich ausgezeichneten Rede ein Lebensbild des Verklärten. Er schilderte den Lebensgang desselben und legte dar, wie begeistert und begeisternd derselbe allezeit seines Amtes gewaltet; wie er alle Gemeindemitglieder seines Bezirkes gleichsam seine Kinder nennen dürfe, denn es sei wohl keines, dem er nicht als Seelsorger oder Berather helfend, segnend oder tröstend zur Seite gestanden habe. Er schilderte, wie die jetzige Generation des Rabbinerstandes gleichsam auf seinen Schultern stehe, wie er kehren. Seine Zutraulichkeit, seine rührende Bescheidenheit, > der geistige Vater aller Bestrebungen zur Hebung des Synadie fast kindliche Offenherzigkeit, die edle Hoheit seines ganzen Wesens, frei von jeder Spur hierarchischen Gebahrens, ohne jedoch seiner Würde etwas zu vergeben — alles das fesselte mit unwiderstehlicher Gewalt an seine edle Person. Sein unverwüstlicher Humor, seine geistvollen Apercus und witzigen Bemerkungen regten zum Denken an und halfen oft den zuweilen bitteren Ernst des Lebens vergessen. Seine Freundschaft und väterliche Zuneigung, sein erfahrener Rath sind mir geblieben bis an sein Ende; bis kurz vor seinem Tode hat er mich des Briefwechsels mit ihm gewürdigt, und unvergeßlich bleiben mir die Stunden, in denen ich seines bildenden Umgangs genoß. Er war ein Freund der Lehrer, zogen- und Schulwesens sei, wie er bis in sein höchstes Alter den regsten Antheil an allen Bestrebungen zur Förderung guter Zwecke genommen, wie ihn nur die Gebrechlichkeit des Alters zurückgehalten habe, an der Rabbinerversammlung zu Berlin im vergangenen Sommer theilzunehmen; er schilderte, wie der Verblichene einer der Glücklichen sei, der sich nicht überlebt habe, sondern mit vollem, klarem Sinne an allen Fragen sich betheiligt. Nicht er sei zu betrauern, sondern wir, die Ueberlebenden, daß uns ein solcher Mann mit seinem erfahrenen Rathe nicht mehr zur Seite stehe. Das Motto seines Buches Jesod6 hatorah xn habe sich erfüllt, der von ihm ausgestreute Same habe Wurzeln geschlagen er, der selbst gleichsam von der Pique auf gedient hatte und Früchte gezeitigt". . . . Unter dem Gesang des Men- und daher die vielen Schattenseiten des jüdischen Lehrerlebens! delsohn'schen: Es ist bestimmt in Gottes Rath wurde kannte, er hatte ein warmes Herz für den Lehrerstand. Sein! der Sarg aus der Synagoge getragen und ein großes Geunausgesetztes Streben war, diesen Stand zu heben und ihm! folge folgte dem Leichenwagen zum Friedhofe. Hier crdie ihm gebührende Achtung und Stellung erringen zu helfen, griff nach dem Z'.zn nsn Herr Dr. Maybaum abermals Da konnte es gar nicht anders sein, als daß alle Beamten, j das Wort. Hatte er in der Synagoge den Rabbiner und die unter seiner Leitung fungirten, mit wahrhaft kindlicher; Lehrer und Gelehrten gezeichnet, so gab er hier in nicht min- Berehrung an ihm hingen, und so wird er auch von ihnen der schöner Rede ein Bild des Verewigten als Gatte, Vater nicht vergessen werden. — Zu dem Begräbniß waren aus und Freund und schilderte sein Familienleben. Nach ihm Dessau, Coswig, Halle, Leipzig, Berlin, Magdeburg und Frankfurt a. M. Verwandte, Freunde und , Verehrer des Entschlafenen herbeigccitt, ihm das Ehren-! geleite zu geben. Bei der Trauerfeier in der Synagoge war diese in allen Räumen bis auf den letzten Platz gefüllt und fast alle verharrten in aufrechter Stellung während der ganzen sprach Herr Dr. Fröhlich aus Halle, anknüpfend an den Midrasch -ns by ~rn~ ms“ „Wer Thronen vergießt über einen frommen tugendhaften Mann, dessen Thronen finden bei Gott Beachtung." Zuletzt sprach Herr Dr. Weise aus Dessau über des Verstorbenen Pentateuch und „Jesodö hatorah." Trotz des ungünstigen Wetters hielten die Zu- Feier. Die Leiche war vor der Kanzel — die er so oft zur Hörer bis zum Schlüsse aus und gingen mit tiefbewegten Erbauung der Gemeinde bestiegen hatte — aufgebahrt, auf Herzen nach Hause, voll von dem Gedanken, einen Mann dem Sarge lag das Kissen mit dem Orden des Verblichenen, zu Grabe geleitet zu haben, dessen Heimgang wohl an vielen Kanzel und heilige ^adc waren schwarz drapirt, alle Lichter Stellen eine fühlbare Lücke zurücklassen wird, die sich nicht waren angezündet, und ein Wald von Blattpflanzen umgab sobald schließt, den Sarg. Bald nach 2 Uhr, nachdem die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden, die Herren Kreisdirektor Bunge und Oberbürgermeister Pietscher — die christliche Geistlichkeit glänzte durch ihre Abwesenheit — von dem Vorstande! empfangen worden, leitete Herr Cantor Böhm mit schönem

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