Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 3 (13.1.1885)
- Date
- 1885-01-13
- Page
- Seite 42 (sequence 10)
- Language
- German
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42 Helden. Ich werde daher kurz darüber referiren. Es ist charakteristisch für unsere „Reformatoren" in Rußland, daß sie alle, mit sehr geringer Ausnahme, in der jüdisch-theologischeu Literatur absolut unwiffend sind und den Talmud bloß vom Hörensagen oder aus den Pamphleten antisemitischer Skribler kennen. Das geht nicht bloß aus ihren Angriffen gegen den Talmud hervor, sondern wird auch von den Ehrlicheren aus ihrer Mitte, wie vr. Portugalew unbedingt einer ist, offen zugegeben. Letzterer erklärt ganz offen, daß der Talmud ihm absolut fremd ist, nichtsdestoweniger hält er sich für berechtigt, in der wüthend antisemitischen „Nedilja" (die Woche) die Tendenz des Talmuds als „veraltet" und nirt und daß Gordin eine Synagoge zum Predigen cingeräumt wurde. Allein vor einiger Zeit wurden vier Anhänger des Letzteren wegen politischer Umtriebe von der Polizei verhaftet, und da man bei ihnen die sogenannte „Brüderschaft" kompromittirende Documente gefunden haben will, ist der „biblischen Brüderschaft" bis auf Weiteres strengstens auf Befehl des General-Gouverneurs untersagt worden, sich zu versammeln und zu predigen. Dies veranlaßte Herrn Dr. Portugalew, in dem antisemitischen Organ „Nedilja" mit einer erbitterten Philippika gegen das talmudische Judenthum aufzutreten und demselben die niederträchtige Beschuldigung in's Gesichr zu schleudern, daß jenes polizeiliche Ver- „ verbrecherisch" zu brandmarken. Wie könnte ein Mensch, bot Folge einer Denunciation ist, ohne aber eine so schwere „dem der Talmud absolut fremd ist," zu einer solchen ver- Anklage durch irgend welche Argumente zu rechtfertigen. Mit brecherischen Berutheilung der talmudischen Tendenz kommen, I einer wahren teuflischen Schadenfreude griff nun die antisewenn er nicht antisemitischen Pamphleten kritiklos Glauben > mitische Preffe — die „Nowoje Wremja" an der Spitze — schenken würde? Dr. Portugalew aber ist noch nicht der diesen schändlichen Ausfall eines Juden gegen das Judenschlimmste unter unseren „Reformatoren". Wie schlecht ihm, thum aus, erhob Dr. Portugalew in alle Himmel, um desto der schon längst mit dem Judenthum faktisch gebrochen hat erfolgreicher das Judenthum in den Staub herabzuziehen, und von der Theologie keine blaffe Ahnung hat, auch die Allein dies Mal hatte das Treiben der antisemitischen Preffe Rolle eines „Reformators" steht, er findet sich in ihr doch den Bortheil, daß sie den wahren Charakter unserer „Reformweit beffer zurecht, als die eigentlichen sogenannten Begründer der „Reform" in Rußland, nämlich die Elementarlehrer Priluker in Odessa und Gordin in Jelisawethgrad, der Krämer Josef Rabinowitz in Kischinew, ein Skribler des „Woschod" Dubnow und ein Missionär Benzion, die einfach unwissende freche Charlatane sind. Man weiß wirklich jäger" in das rechte Licht stellte. Sie hat dadurch bewirkt, was sie wohl am wenigsten beabsichtigte: sie hat den „Woschod" bekehrt — sie hat das Organ, das ausschließlich auf jüdische Leser angewiesen ist (wenn es auch in seinem Verhalten in jüdischreligiösen, wie in jüdisch-wissenschaftlichen Fragen kaum als ein jüdisches Organ zu betrachten ist), genicht, worüber man mehr staunen soll, über ihre fabelhafte! zwungen, sich von der „Brüderschaft", deren Protektor und Unwissenheit (wie z. B. Dubnow versichert, daß die Speise-! Lobsinger es noch vor Kurzem war, mit allem Nachdruck Gesetze nicht biblischen, sondern bloß talmudischen Ursprungs■ loszusagen. Derselbe „Woschod", welcher noch neulich in sind) oder über die Frechheit, sich als maßgebende Autoritäten und Lehrer in „Israel" aufzuwerfen. Ihre Pamphlete und einer reklameartigen, ausführlichen Correspondenz Gordin's „Predigt" am mv, in welcher dieser neue Apostel mit em- Traktätchen, die sie in die Welt schicken, sind ebenso lächer-' pörendem Cynismus und frecher Frivolität über den Talmud lich wie empörend. Meine Feder sträubt sich, ihre Lehren herfiel, verherrlichte; derselbe „Woschod", welcher einen „N. N." hier zu reproduciren und verweise ich diejenigen, welche eine! in einer weitschweifigen Besprechung des elenden Machwerks Vorstellung von ihnen bekommen möchten, auf die vortreff-! eines der Apostel der „Brüderschaft", des getauften und lichen Artikel im „Hamelitz" in den ersten Nummern dieses; als Missionär funktionirenden Benzion's, zur Verherrlichung Jahrganges, in welchen Herr Zederbaum jene Lehren einer! und Propagandirung der Ideen der „biblischen Brüderschaft" ebenso strengen als gerechten Kritik unterzieht. — Jene Herren! und des „Neu Israel", sagen läßt, „daß er theoretisch in verstanden es (übrigens bloß die ersten beiden), kleine Kreise; allen Sätzen mit ihm, dem Missionär Benzion, übereinvon Anhängern um sich zu versammeln, die sie aber durch! stimme und bereit sei, sie alle zu unterschreiben; derselbe Zeituugsreklamen zu ganzen „Sekten" und Parteien aufzu-! „Woschod", welcher seinen „Specialisten" für jüdische Wissenbauschen wußten, worin sie von der antisemitischen Presse, 1 schaft, Dubnow, gestattete, von demselben elenden Machwerk leider aber auch von dem jüdischen „Woschod" unterstützt I Benzions zu behaupten: „es sei ein gewissenhaftes, aufrichwurden. Unsere Glaubensgenossen haben sich anfangs wohl!tiges und vernünftiges Werk", derselbe „Woschod" hat sich durch diese Charlatane und ihr Treiben beunruhigt gefühlt, > nun genöthigt gesehen, die Apostel der „Reform" als Leute bei näherer Bekanntschaft aber sich überzeugt, daß wir am! zu charakterisiren, „die in der Wissenschaft und in der Besten thun, wenn wir uns um dieselben gar nicht bekümmern.; Religion überhaupt fremd sind und sehr praktische Ziele ver- Das geschah auch. — Diese Jgnorirung ging so weit, daß : folgen, wie z. B. die Erlangung der Gleichberechtigung und Priluker noch heute an einer jüdischen Lehranstalt sunktiosogar die Gewährung von äußeren Auszeichnungen in der