Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 3 (13.1.1885)
- Date
- 1885-01-13
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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S7 *9 % setzungen selbst im Laufe der Zeiten mancherlei Mißhandlungen erfuhren, daß Gloffen und Erklärungen, die von Abschreibern an den Rand geschrieben worden, von den späteren Copisten in den Text der Uebersetzung mit hineingenommen, und dann dem Originale aufs Conto gebracht wurden. Es war daher folgerichtig, daß man in der neuesten Zeit, wo Dichters und Denkers unverletzt, soweit cs die Beschaffenheit der Handschrift gestattet, versprochen, eine Gabe, die wir hochzuschätzen wiffen. Allerdings nöthigte dieser Zustand der Handschrift, die Jbn Tibonsche Uebersetzung als Hülfsmittel heranzuziehen und jene durch diese zu ergänzen. Vielleicht bringt uns die Zukunft noch die Entdeckung einer anderen die Sprache des Originals mehr studirt wurde, zu den! correcteren Handschrift, um den Originaltext vollständig wiewenigen Handschriften flüchtete, welche der Vernichtung entj derherzustelleu. Um nun das Buch Al - Chazari noch eingangen sind, sie mit den vielgedruckten hebräischen Uebersetzungen! mal in weitere Kreise zu bringen, hat sich der neue Uebersetzer verglich und sich gedrungen fühlte, das Original durch den > begnügt.nurdiedeutscheUebersetzung mit wenigen unentbehrlichen Druck allgemein zugänglich zu machen. Wir erinnern vor- Anmerkungen herauszugeben, sich vorbehaltend den arabischen zugsweise an den More Nebuchim von S. Munk (III | mit dem kritischen Apparat besonders zu ediren. In Bände, Paris, A. Franck, 1856—1866). So groß auch die! der That glauben mir, daß das Werk in dieser Gestalt ge- Anerkennung und Verbreitung des eben genannten Werkes j rade in unserer Zeit von besonderem Interesse ist und vielen war, so wurde es hierin doch von dem Buche Kusari von Juda Ha-Levi übertroffen. Theils weil dieses im Jahre 1140 j verfaßte Werk dem Geiste und den Tendenzen des Rabbinismus vielmehr entsprach, theils weil es populärer, weniger Lesern Theilnahme abgewinnen kann, die sich sonst wenig mit den Geisteserzeugniffen vergangener Zeiten, besonders des Mittelalters, zu beschäftigen lieben. Unser Werk ist. außer der Darstellung des Judenthums und seiner Lehren, polemimetaphysisch-philosophisch abgefaßt war, so daß es dem größe-! scher Natur. Es streitet aber nicht nur gegen das Christenthum ren Publikum faßlicher, geschah es, daß dieses, oft auch in und den Islam, was es in sehr gemeffener und gemäßigter dichterischer, immer aber in anziehender Sprache und als! Weise thut, sondern auch mit großer Heftigkeit gegen die Dialog mit einer gewissen dramatischen Kunst abgefaßtc : Karäer und die Philosophen. Es vertheidigt mit Eifer die Werk in viel weitere Kreise des jüdischen Publikums drang j jüdische Tradition und stellt sich überall aus den Boden der- und dem immer rege bleibenden Triebe, über die Religion zu 1 selben. Nun, man könnte gegenwärtig ausrusen, daß man philosophiren, genügte. Dies war aber nur dadurch möglich, j zu den Sadduzäern und Karäern zurückgekehrt sei, und allerdaß die Schrift Juda Ha-Levi's bereits 1167, also 27 Jahre! dings verleugnen die Extremen die ganze Tradition. Aber nach seiner Abfassung, von Juda Jbn Tibon ins Hebräische überzu diesen gehören doch nicht Viele. Die jüdischen Theologen setzt wurde und diese Uebersetzung 1506 in Fano im Druck; kennen jetzt nach fortgesetzter Forschung das Alter und die erschien, seitdem in vielen Ausgaben. Auch ein Juda den! Grundsätze, die charakteristische Tendenz der Tradition genauer Kardaniel übersetzte es, doch sind hiervon nur einige Stückej als ihre Vorgänger, und hiernach wissen sie auch deren Bebewahrt geblieben. Aus dieser hebräischen Uebertragung folgten! deutung richtiger aufzufassen. Sie erkennen die unbedingte nun Uebersetzungen ins Spanische, Lateinische und Deutsche. Verpflichtung auf die doch erst aus dem Talmud gezogenen In der letzteren Sprache besitzen wir eine vorzügliche Bear- Codificationen nicht an; sie räumen dem Gesetze der Entwickebeitung durch Dr. David Cassel. Ein möglichst correkter lung, welches doch vor. während und nach der Tradition auch ge- Text, eine fleißige und wortgetreue Uebersetzung und aus-! waltet und gestaltet hat, ihr volles Recht ein— aber sie werden führliche Erläuterung geben ihr besondere Vorzüge. Sie er-! nimmer eine Phase des Judenthums, welches diese eine so schien zuerst von H. Jolowicz und David Cassel, Leipzig 1841, jedoch nur in zwei Heften, die ersten zwei Abschnitte enthaltend. Erst 1853 wurde eine vollständige Ausgabe von Cassel allein veranstaltet und diese fand so vielen Anklang, daß schon 1869 eine zweite (verbesserte) Auflage (Leipzig, Voigt) nothwendig war. Von dem arabischen Original besteht nur eine einzige Handschrift (Oxford), die noch dazu nicht im besten Zustande sich befindet. Für Cassel war es nur möglich, einige besonders schwierige Stellen mit dem Original zu verlange Reihe von Jahrhunderten beherrschte und belebte, ausstreichen und ihr die Unentbehrlichkeit zur Fundamentirung des modernen Judenthums absprcchen wollen. Gerade deshalb wird es denjenigen, welche sich um diese Fragen kümmern, sehr willkommen sein, hier einen so hochbegabten Mann die Sache der Tradition mit ganzer Seele führen zu sehen und dessen Argumente prüfen zu können. Auch was er gegen die Philosophen zu Felde führt, ist der Beachtung nicht unwerth. Tenn wenn auch seitdem die Philosophie einen weiten Weg gleichen. Jüngst erfreute uns nun eine neue deutsche Ueberi zurückgelegt und namentlich in der Verbindung mit den Na tragung aus dem arabischen Originaltext: Das Buch Al- Chazari. Aus dem Arabischen des Abu-el-Hasan Jehuda Halewi. Uebersetzt von Dr. Hartwich Hirschseld. (Breslau, Köbner 1885.) Es wird uns also hier das Wort des großen turwissenschaften einen viel festeren Boden gewonnen hat: so giebt es doch Grundzüge, in welchen alte und neue Philosophie übereinstimmen und der Streitfrage unterliegen. — Ter Verfasser giebt in einer Einleitung zuerst eine Zusammen-