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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-01-13 · Heft 3 (13.1.1885) · p. Seite 35

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 3 (13.1.1885)
Date
1885-01-13
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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35 Erwerbszweigen nur geringer Spielraum gelaffen war, um wieder erneuern, Vorurtheil und Gehässigkeit, denen sich noch mehr zu erreichen, als was man war und was man hatte, andere niedere Leidenschaften anschließen, aber- und abermals in Kreisen, wo die Ränkesucht und die Lust an Streit und! ihre düsteren Schatten über uns ausbreiten zu sehen: so ist Hader nur geringen Stoff und wenig Ausbeute fand, in der doch um so erhebender, um so glänzender das Zeugniß, das Einfachheit der Sitte, in der Mäßigkeit der Genüsse, zu welj hier reichlich gegeben wird, von der nie erschlaffenden Widercher die Satzung sie erzog, in der Innigkeit des Familienstandskraft, die in uns lebt, von der unverwüstlichen Energie, lebens, bildete sich in zahllosen jüdischen Individuen eine! mit welcher wir tragen und abwehren, was einmal das Gewahrhafte Herzenseinfalt aus , welche in intellektueller Be- > schick uns auferlegt. Das Judentyum gleicht einer viel beziehung von der größten Naivetät war, in sittlicher Hinsicht lauter, streng, voller Gerechtigkeit und Liebe sie durch das Leben geleitet hat. Ja, ihr stehet vor mir, ihr viele ehrwürdige Gestalten, Männer und Frauen, in meiner Jugendzeit schon Greise, die ihre ganze Befriedigung in der gewiffenhaftesten Uebung der überkommenen Satzungen, im täglich zweimaligen stürmten Festung, um deren Wälle und Mauern sich die Gräber derer gehäuft haben, welche den Sturmlauf gegen sie gewagt, um sie zu erobern und zu zertrümmern. Gerade diese Gräber geben die beste Kunde von der Tapferkeit derer, die jene auch unter den bedrohlichsten Umständen siegreich vertheidigt haben. Aus solchen Erinnerungen schöpfen wir des- Besuche des Gottesdienstes, seitens der Frauen an Sabbathhalb am ehesten Vertrauen und Zuversicht auf die Zukunft und Festtagen, und in der Uebung wohlthätiger Werke fan- und lernen dabei am besten den Gang und Verlauf der den. Unter ihnen gab es wahrhafte Diener und Dienerinnen Dinge kennen. der Barmherzigkeit, die mit der selbstlosesten Hingebung in Das halbe Jahrhundert, das wir hier an der Hand der Pflege von Kranken, in der Fürsorge für Hülfsbedürftige,! dieser Zeitung überblicken wollen, zeigt auf unsrem Gebiete in der Thätigkeit für die Bestattung der Verstorbenen und , brei 3eiträunte: der erste, die Kämpfe um die Erlangung der die Tröstung der Leidtragenden, mit Hintansetzung ihrer! Gleichberechtigung; der zweite, die Kämpfe um die Erhaltung eigenen Jntereffen ihren ganzen Lebensberuf fanden. Wie! und Verwirklichung derselben; der dritte, die antisemitische sich dies Alles in der Gegenwart geändert hat, wie vollständig anders Gesinnung, Bestrebungen und Lebensweise geworden, das brauchen wir nicht erst auszuführen, das kann der Leser Bewegung. — Als die „ Allgemeine Zeitung des Judenthums" im Anfang des Jahres 1837 gegründet wurde, die erste regelmäßig erscheinende jüdische Zeitschrift, waren gewisse bei jedem Blicke um sich und, sagen wir es offen, auch in | positive Erfolge schon erreicht worden. Börne und Rieffer sich gewahren. Wir wissen sehr wohl, daß man deshalb hatten, der erste mit seiner unerbittlichen Logik und seinem nicht wird zurücktauschen wollen, daß man um der Vorzüge unserer Gegenwart willen den Verlust an sittlichen Momenten — wir haben hier die Masse im Auge — erträglich finden wird. Uns ist es darum zu thun, die Verschiedenheit des Ehemals und des Jetzt zu charakterisiren, sowie das Bewußtsein zu wecken, daß die Vergangenheit nicht minder ihren eigenthümlichen Werth besaß und aus sich selbst beurthcilt sein will, endlich, daß es auch Ziele giebt, die wir auch mitten in unserer Zeit festhaltcn sollten, gerade weil sie aus den früheren Zeiten als der Sittlichkeit und Humanität entsprechend herübergekommen sind. Rückblick auf die Kämpfe -es letzten halben Jahrhunderts. i. Wozu rufst du aus den Schatten der Vergangenheit Kämpfe, die abgethan sind, wieder zum Lichte des Tages heraus? Wozu den Staub der Vergessenheit von Gestalten abwischen, über welche der Fuß der Zeit längst hingeschritten scharfen Witz, der andere mit seinen klaren und vom edelsten Sinne getragenen Rechtsdeduktionen, einen tiefen Eindruck auf die öffentliche Meinung gemacht. In den meisten konstitutionellen deutschen Staaten war das Bedürsniß angeregt, die Lage der Juden zu diskutiren. Auf den Landtagen Badens, Hannovers, Kurheffens, Sachsens und der Provinzial-Landtage Schleswig-Holsteins hatten die Regierungen desfallsige Gesetzentwürfe eingebracht, die zu weitläufigen Verhandlungen Anlaß gaben. Alle diese Entwürfe waren weit davon entfernt, die Rechtsgleichheit der Juden zu Grunde zu legen, gingen vielmehr sämmtlich nur auf eine Verbesserung der bürgerlichen Verhältnisse der Juden hinaus. Der Staat wollte zu seinem Nutzen den Juden alle Pflichten des Staatsbürgers auferlegen und zugleich die Schäden beseitigen, die aus den ziemlich unerträglich gewordenen gewerblichen Beschränkungen der Juden aller Welt erwuchsen, ohne nach irgend einer Seite hin Nutzen zu schaffen. Auf diesen Landtagen waren es nur kleine Minoritäten, welche das große Prinzip der Rechtsgleichheit aller Staatsangehörigen anerkannten und verfochten; den Majoritäten galt es nur, zu mäkeln und zu schachern, wie viel des bürgerlichen Rechts den Juden gewährt, wie viel vorenthalten werden solle. Da erfolgten überall Gesetze, ist? . . . Doch nein! Wenn es von der einen Seite betrübend ist, dieselben Angriffe auf Judenthum und Juden sich immer. welche immerhin einen Fortschritt erwiesen, aber so langsam und 3

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