Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1885)
- Date
- 1885-01-06
- Page
- Seite 26 (sequence 10)
- Language
- German
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die Mächte gezwungen werden, für das Recht ihrer Unterthanen einzutreten, so daß die Konflikte zwischen ihnen und Rumänien nicht ausbleiben können. Die Redaktion.) 26 _ auch fremde Christen geschädigt und um dieser willen > dem Cultusetat. Dies genügt aber nicht für die Bedürfnisse der Gemeinde, die deshalb durch freiwillige Beiträge der Mitglieder gedeckt werden. Bor einiger Zeit verordnete nun das damalige liberale Ministerium, um die Communen und Provinzen vor DeckungvonDeficits seitens der Kirchengemeinden zu bewahren, daß jede Kirchengemeinde einen Reservefond aus ihren Einnahmen zu bilden habe, und die Communalbehörde machte deshalb in dem Etat der jüdischen Gemeinde bedeutende Abstriche, damit aus deren Beträgen ein Reservefond gebildet werde. Hierdurch gerieth die Gemeinde in nicht geringe Verlegenheiten, noch dazu, da die freiwilligen Beiträge doch nicht zu solchem Zwecke geleistet werden. Sie half sich dadurch, daß sie die freiwilligen Beiträge gar nicht mehr in die Gemeindekafle, sondern in die Confistorialkasse zahlen läßt, aus welcher sie dann für die Bedürfnifle der Gemeinde verwendet werden. Jndeß, so gerechtfertigt diese Operation an ich ist, können doch daraus noch Conflikte mit der Commune entstehen. Die Gemeinde ist jedoch entschlosien, nicht nachzugeben und allenfalls den Rechtsweg zu beschreiten oder von der Commune beschreiten zu laßen. — In den nächsten Tagen wird der Gemeindevorstand einen warmen Aufruf an sämmtliche Mitglieder richten, um sie anzufeuern, ihre Kinder an dem reorganifirten Religionsunterrichte Theil nehmen zu laßen. Palästina. Belgien. Brüßel, 26. Dezember. (Privatmitth.) Der Beschluß des hiesigen Magistrats, die Abhaltung des Religionsunterrichtes aus den städtischen Schulräumen zu verbannen, dieser abermalige Beweis der Intoleranz der hiesigen „Liberalen", brachte natürlich auch für die jüdische Gemeinde Verlegenheiten mit sich. Dieselbe hatte früher mit Unterstützung aus der Stadtkaße eine confessionelle Volksschule, mußte diese aus Verlangen der Stadt aufgeben, und wurde der jüdische Religionsunterricht, wie der der anderen Confessionen, in den Schulräumen regelrecht abgehalten. Jetzt nun wird auch dieses verweigert. Hierdurch jedoch wird die Beeiferung für den Religionsunterricht in der Gemeinde erst recht wieder geweckt. Es wird deshalb die jüdische Religionsschule reorganisirt, und in zwei Cursen zu je drei Claßen in den hierzu genügenden Räumlichkeiten im Synagogengebaude benutzt. Außer dem Rabbiner, der den höhern Unterricht übernimmt, werden 3 Lehrer und 2 Lehrerinnen thätig sein, von denen einige sich durch ihre Leistungen, namentlich im hebräischen Unterrichte, bereits recht bewährt haben. Der Unterricht findet Donnerstag Nachmittag, der hier schulfrei ist, Sonntag Vormittag und resp. Montag oder Dienstag in den späteren NachmittagsstuN' den statt. Zu gleicher Zeit hat sich der Verein, welcher sich die Heranbildung von Knaben zu Handwerkern und Künsten zur Ausgabe gemacht, neu constituirt, und wird seinen Zöglingen wöchentlich an zwei Abenden, an dem einen im profanen Wissen, an dem anderen im religiösen. Unterricht ertheilen lassen. Zn gleichem Zwecke für Mädchen hat sich ein Damenverein constituirt. Diese Vereine sind um so nothwendiger, als sich seit Jahren eine bedeutende Zahl armer jüdi scher Familien aus dem benachbarten Holland hier angesiedelt hat, deren Kinder dem leidigen Hausirgewerbe entzogen werden müssen. — Ueberhaupt leiden hier zu Lande durch den Kampf und die Schroffheit der politischen Parteien die Verhältnisse an großer Verwirrung, und die feindlichen Schritte, welche gegen die römische Kirche gerichtet wurden, wirkten auch nachtheilig aus die Lage der jüdischen Gemeinde ein. Nach dem Gesetze haben die Communen und die Provinzen die Verpflichtung, die Deficits der Kirchengemeinden der drei anerkannten Culte zu tragen und leiteten jene hieraus das Recht her, die Etats der Kirchengemeinden zu controliren und zu bestätigen. Dies hatte nun früher niemals für die jüdische Gemeinde irgend eine Beschwerlichkeit mit sich geführt. Be kanntlich erhält dieselbe eine beträchtliche Summe jährlich aus Bonn, 24. Dez. (Privatmitth.) Unsere Leser wissen, welches Interesse die von der Alliance in Jerusalem gegründete , mit dem Unterricht in Handwerken verbundene Schule weckt, da diese Keime zu einer besseren Zukunft für die dortige jüdische Bevölkerung in den bis jetzt so unfruchtbaren Boden pflanzt. Das letzte Monatsbulletin berichtet Folgendes: Man weiß, daß die Allsgaben der Schule von Jerusalem zum größten Theil von einem Comite gedeckt werden, das sich in London unter der Präsidentschaft des Herrn Samuel Montag» gebildet hat. Die Subvention dieses Comites, vermehrt durch diejenigen, welche die Alliance, die Anglo-Jewish-Affociation, die Herren N. Rothschild in Paris und der Baron Hirsch dieser Institution gleichfalls zuwenden, war hinreichend für die laufenden Ausgaben; aber die Zunahme der Schüler, die bedeutende Entwicklung des Lehrlingswerkes, welches der Schule beigegeben worden, die Notwendigkeit das Lokal zum Theil zu vergrößern und zu verbessern, Cisternen zu graben, die Werkstätten mit Handwerkzeug zu versehen, ließen diese Mittel ungenügend erscheinen. Herr Nisfim Behor, Director der Schule, nach Paris berufen, um hierüber mit dem Central-Comits zu berathen, hat sich dann nach London begeben, wo ihm von Seiten des Comitö-Montagu, der Anglo-Jewish- Affociation, der israelitischen Presse und allen wohlthätizen