Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1885)
- Date
- 1885-01-06
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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21 verehrter Freund, daß ich in den folgenden Briefen meine eigenen balneologischen Erlebnisse und Gedanken mittheile. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 22. Dezember. Es gereicht stets dem Freunde der Literatur und Wissenschaft zu wahrhafter Befriedigung, ein großes umfangreiches Unternehmen zum Abschluß gediehen zu sehen, noch dazu, wenn die Ausführung mit bedeutenden Opfern seitens des Autors und des Verlegers verbunden war. Mit einem solchen Gefühle aufrichtiger Anerkennung und Dankbarkeit nahmen wir in diesen Tagen die Lieferungen 30—34 der Bibllotheca Rabbinica von Dr. A. Wünsche entgegen. Das Werk, welches eine Sammlung alter Mt draschim zum ersten Male ins Deutsche übertragen (Leipzig, Otto Schulze, 1885) enthält, hat mit den gedachten Liefe rungen feinen Schluß erreicht. Allerdings könnte diese Bibliotheca Rabbinica noch weiter ausgedehnt und durch die Uebersetzung noch bedeutsamer Theile der Midraschliteratur erweitert werden; aber wir müssen für die vollständige Uebertragung des Midrasch Rabba, zu welcher noch die des M. Mischle und der Pefikta des Rab Kahana hinzugefügt ist, wohl dankbar sein. Als Herr Wünsche sein Werk begonnen hatte, glaubten wir, daß es sich bald einer genügenden Vcr breitung erfreuen werde, um seitens des Verlegers mit Leichtigkeit fortgeführt werden zu können. Es wird jetzt so viel von Talmud und Talmudischer Literatur gesprochen, noch mehr gefabelt, und nachdrücklich auf deren Erschließung durch Uebersetzungen gedrungen, als ob die Juden jemals daraus ein Geheimniß gemacht — daß man erwarten sollte, die Uebersetzung eines so bedeutsamen Theiles der talmudischrabbinifchen Literatur, in welchem der innere Geist dieser sich fast noch mehr als im Talmud selbst offenbarte, würde eine große Anziehungskraft üben. Von der anderen Seite konnte man voraussetzen, daß die zahlreichen jüdischen Prediger und Lehrer freudig nack einem Werke greifen würden, das ihnen für ihre Borträge so reichen Stoff, so viele Handhabe für anziehende Gestaltung und Inhalt derselben bietet, und dessen Original nicht viele besitzen. Aber diese Erwartungen gingen nur so mäßig in Erfüllung, daß das Unternehmen in Gefahr gerieth, nicht zu seinem Ende zu gelangen. Um so freudiger begrüßen wir den Abschluß und erkennen insbesondere die Hingebung an, mit welcher Herr Dr. Wünsche diesem Werke seine Kraft und Zeit gewidmet hat. — Die 30. Lieferung beginn die Pestkta des Rab Kahana und die 31. und 32. Lieferung bringen den Schluß des Buches mit einer Einleitung. Bekanntlich ist diese Pestkta erst 1868 aus einer in Zefath entdeckten Handschrift, zu welcher sich noch drei andere in Oxford, Parma und Fez fanden, durch Salomon Buber in Lyk herausgegeben worden, und zwar mit einer solchen Correctheit des Textes, daß sie nur wenig zu wünschen übrig läßt. Dieser Midrasch hat stets ein großes Ansehen genossen, und wird dem Rab Kahana zugeschrieben, wodurch die Abfassung ins 4. Jahrhundert, noch vor der Redaction des Babylonischen Talmuds gerückt wird; und wirklich besteht sie ganz und gar aus Jerusalemischen Hagada's, und findet sich in ihr nicht eine Auslegung von den Weisen Babels. Demungeachtet zweifeln Andere, daß der Verfasser Rab Kahana gewesen und nehmen mit Zunz die Abfassung erst um 700 der gew. Zeitr. an. Die 33. und 34. Lieferung endlich bringen außer Noten und Nachträgen zu Midrasch Bemidbar rabba, Wajikra rabba, Midrasch Echa, Esther und Schire — den Midrasch Mischle oder die allegorische Auslegung der Sprüche Salomonis nebst Einleitung. Dieser Midrasch stammt aus dem 11. Jahrhundert, so wir der Midrasch Bemidbar aus dem 12. Zu letzterem ist noch eine kurze Einleitung hinzugefügt, sowie ein Verzcichniß der wichtigsten Stellen der h. Schrift, welche im Midrasch rabba erklärt, gedeutet oder angewendet sind. Möge es dem Uebersetzer vergönnt sein, noch recht Vieles auf diesem Gebiete zu leisten, und gewiß wird ihm die Anerkennung der wissenschaftlichen Welt nicht fehlen. Pest, 22. Dezember. Das „Schaare Zion" oder die Einleitung zu dem noch ungedruckten Werke Toldoth Jizchak des Proven^alen Isaak de Lates (Lattes), aus dem Jachia, der Verfasser des „ Schalschelet", Asulai und später Zunz in seinem „Zur Geschichte und Literatur" literarische Nachweise geschöpft haben und das vor einigen Jahren von Berliner in der von ihm redigirten Zeitschrift „ Ozar tob" zum ersten Male veröffentlicht wurde, hat der gelehrte Salomon Buber in Lemberg unter dem Titel: „Schaare-Zion. Beitrag zur Geschichte des Judenthums bis zum Jahre 1372 von R. Jsaac de Lattes, mit Anmerkungen und Einleitung versehen" (Jaroslau, Gräber, 1885) neu herausgegeben. Ter Wiederabdruck dieses Schriftchens, bis auf einige Zusätze und einzelne Mittheilungen über provenyalische Gelehrte, ein zumeist wörtlicher Auszug aus Menachem Meiri's Einleitung zu seinem Aboth-Commentar, wird durch die von Belesenheit und sorgfältiger Benutzung der Quellen zeugenden Anmerkungen des geschätzten Herausgebers und durch den Umstand gerechtfertigt, daß es ein Gelegenheitsschriftchen ist: es wurde Herrn Rabbiner B. Löwenstein zu dessen vierzigjährigem Amtsjubiläum gewidmet. Die Grabreden, welche der greise Oberrabbiner Prof. Dr. A. A. Wolff in Kopenhagen an der Bahre des Staatsraths Jsaac Wolf Heymann und an der des Staatsraths Moritz G. Melchior am 22. Juni und am 23. September d. I. gehalten hat, liegen uns gedruckt vor. Der Redner besitzt einen so begründeten Ruf als einer unserer tüchtigsten Prediger, daß wir nur auf das Erscheinen dieser Reden aufmerksam zu machen brauchen. Dr. Kayserling.