Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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12 Czaren ein diesbezügliches Immediatgesuch eingereicht und dasselbe ist genehmigt worden. Es wollen nunmehr andere dieses Beispiel nachahmen. Turek, 13. Dez. (Privatmitth.) Die Austreibungen von Juden aus Orten, wo sie sich niedergelassen, sind noch immer an der Tagesordnung. Aus Batum wird berichtet, daß die dort befindlichen Juden unterschreiben mußten, binnen 14 Tagen Batum zu verlassen, ausgenommen wurden nur die Handwerker, die man dort nicht entbehren kann. Die „Kijcwlannin" schildert mit fichtbarem Vergnügen, wie die Polizei in Kijew Razzias gegen die ohne Berechtigung fich dort aufhaltenden Juden macht und wie in einer Nacht acht Herbergen, in welchen Kranke sich befanden, die in Kijew ärztliche Hülfe suchten, ausgeraumt und die kranken Juden vertrieben hätte. Ter Generalgouverneur von Sibirien erließ einen Befehl, rabbiner einen Gegenbesuch machte. In der Kirche und den Schulen ermahnte er zu einträchtigem und friedlichem Zusammenleben aller Nationalitäten und Schüler.-In Dorpat haben jüdische Studenten der Universität Anfangs dieses Jahres einen „Wissenschaftlichen Verein für jüdische Geschichte" gegründet, der schon nach einem halben Jahre einen Bericht über seine Thätigkeit veröffentlicht. Nicht uninteressant sind die Themata der 10 Vorträge: „Der Talmud und sein Einwirken", „Die Juden unter römischer Herrschaft", „Die Juden Englands bis zum 17. Jahrhundert", „Stellung der Juden in Spanien, zumal in der Zeit der Inquisition", „Der Prophet Jesaias", „Die Juden und die Reformation", „DieHerrscher aus demGeschlechte derHasmonäer", „Stellung der Juden bei den Römern von 70—140", „Die Juden in Polen bis zum 17. Jahrhundert", „Sabbatai Zewi".- daß die Juden, die fich dort angesiedelt und selbst die das, Dem „Hamelitz" wird Folgendes mitgetheilt: Der Sitzung Recht, im Innern Rußlands zu wohnen, besitzen, auszutreiben, nur daß die, welche unbewegliches Eigenthum besäßen, noch ein Jahr geduldet werden sollten. Jndeß hat der Senat des „Vereins zur Verbreitung von Bildung unter den russischen Juden zu Petersburg" am 4. d. Mts. hat Herr Leon ' Rosenthal den Antrag vorgelegt, eine besondere Abtheilung am 6. d. diesen Befehl annullirt, und zwar auf Grund des1 zur Verbreitung der heiligen Sprache und ihrer Litteratur kaiserlichen Ukas, welcher auch auf Sibirien dieselben Gesetze wie in Rußland ausdehnte, sodaß die Juden, welche im Jnzu bilden und eine Commission zu erwählen, welche die Werke bestimmen soll, welche edirt werden sollen. Die Kosten nern Rußlands zu wohnen das Recht haben, fich auch in ' will er selbst bestreiten und zwar mit 500 Rubel, um die Sibirien niederlassen können. — In der Umgegend von! Abtheilung ins Leben zu rufen. Der Antrag ist angenommen Balta haben Juden Land gepachtet und den Tabakbau ver-! worden. Es sollen kleine billige Bücher gedruckt werden, die sucht. Ueber 300 jüdische Tagelöhner mit einem Tagelohn! nicht mehr verschenkt, aber auch nicht durch Buchhändler vervon 60 Kopeken sind dabei beschäftigt. Hierüber ist die christliche Bevölkerung unzufrieden! — Die Gesellschaft zur Verbreitung des Ackerbaues unter den Juden hat dem Ministerium einen Entwurf unterbreitet, um die Erlaubniß und die nöthigen Anordnungen zu erlangen, daß jüdische Ackerbau- Colonien im ganzen Reiche angelegt würden. — In der Militär-Medizinischen Akademie zu Petersburg befinden fich gegenwärtig unter 803 Studenten 47 Juden. — In vielen Gemeinden besteht das Streben, Mittel für Colonisationszwecke zu beschaffen. Die jüdische Gemeinde in Horadno breitet sollen. werden, sondern von Mitgliedern bezogen werden Moses Feinkind. Belgien. Brüssel, 17. Dez. (Privatmitth.) Der belgische Liberalismus thut trotz der Belehrung, die er durch seine jüngste Niederlage erfahren hat, immer mehr, um sich zu diskreditiren und für die nächste Zukunft unmöglich zu machen. So hat in diesen Tagen der Gemeinderrath von Brüssel einstimmig beschlossen, den Religionsunterricht nicht bloß aus hat — nach dem „Petersb. List." — eine Bittschrift eingeidem Lehrplan der Gemeindeschulen auszuschließen, sondern reicht, es möchte ihr gestattet werden, mit dem Ueberschusse der Gemeindekasse eine Ackerbaukolonie in der Gegend von Wilna für verwahrloste Kinder ohne Unterschied der Confession für anfänglich 150 männliche und weibliche Inquilinen zu begründen. Da ausreichende Mittel vorhanden find, hat Fürst Kochanow die Bitte beim Minister befürwortet. -Die jüdische Gemeinde Jelisawethgrad hat dem Erzbischöfe von Odessa, der dorthin amtlich gekommen war, eine viele hundert Rubel geschätzte Bibel als Ehrengabe durch eine Deputation überreichen lassen, welcher der Kronrabbiner Herr Schapira Vorstand. Ehrenvolle Aufnahme und eine fast eine Stunde dauernde Unterhaltung krönte der Kirchenfürst dadurch, daß er noch am selben Tage dem Krönauch keinem Geistlichen irgend eines Kultus die Ertheilung des Religionsunterrichtes in den Schulgebäuden zu gestatten. Dies war bis jetzt zugestanden, und auch ein großer Theil der hiesigen jüdischen Kinder erhielt den Religionsunterricht regelmäßig in Schulräumen. Hierdurch wird der Religionsunterricht in die allerdings bestehende jüdische Religionsschule concentrirt. Aber da dieselbe bis jetzt nur wenig besucht worden, so ist es fraglich, ob die an den Unterricht in den Räumen der Schulgebäude gewöhnten Kinder, die außerhalb des allgemeinen Schulwesens stehende Religionsschule genügend besuchen werde. Jedenfalls muß sich die jüdische | Gemeinde entschließen, diese Religionsschule zu reorganisiren, ^um den neuen Verhältnissen zu genügen.