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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-01-01 · Heft 1 (1.1.1885) · p. Seite 11

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 1 (1.1.1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 reichte in seinem Plaidoyer dem Publikum antisemitisch gedas unter den Auspicien bedeutender Männer steht, scheint würzte Leckerbisten. Er erwähnte u. A: Bajkor sei ein die Rolle derselben übernehmen zu wollen. Am 27. August guter Patriot, er habe an dem Freiheitskampfe als gemeiner j hatte dieses Blatt eine Correspondenz aus Rumänien gebracht, Soldat theilgenommen, um dem Baterlande seine Dienste! welche auf die unglückliche jüdische Bevölkerung dieses Landes zu weihen. „Wird dereinst das Vaterland der Dienste seiner1 die heftigsten und unbegründetsten Anklagen und Schmähungen Söhne bedürfen", sprach der edle Staatsanwalt, „so werden! die Bajkor sicherlich in erster Reihe zu finden sein, während j die Moskovitze nur dort zu suchen sein werden, wo sich Aus-: sicht auf Gewinn bietet." I Die angefochtene Wahl des Abgeordneten Meyer-Krautz! wird nicht verifizirt werden. Aus Oedenburg wird gemeldet: Der hiesige Großgrundbesitzer Graf L. Szechenyi hat dem Präses der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde zu Gunsten des neuerbauten | Schulhauses eine Spende von 400 Gulden übergeben. Frankreich. Paris, 21. Dezember. (Privatmitth.) Dem schon von uns berichteten Abstrich von 32 000 Frcs. für das Pariser Rabbinerseminar seitens der Budget-Commission gegenüber, hat das Ministerium, um Etwas zu retten, dem Radicalismus einen Biffen hingeworfen. Es stimmte damit überein, 10000 Frcs. zu streichen, ioelche zu Stipendien für die Seminaristen bestimmt waren, weil auch für die katholischen und protestantischen Seminare die Stipendien gestrichen worden; dagegen verlangte es die 22 0j0 Frcs. für die Verwaltung und die Profesiorengchälter des Seminars, und! zwar weil dieses nichts anderes als eine jüdisch-theologische; Fakultät sei, und auch die protestantischen theologischen Fakul-! täten aus Staatsmitteln erhalten werden. Die Mehrheit der Kammern votüte in diesem Sinne. Es wird nun darauf ankommen, ob das Consistorium die Mittel findet, den ge dachten Abstrich zu ersetzen, weil sonst die Erhaltung von Seminaristen als Interna aufhören müßte, und bekanntlich gehören diejenigen, welche sich der jüdischen Theologie widmen, in der Regel nicht den bemittelten Ständen au. Das anderweitige Budget für den israelitischen Cultus betrug im Vorjahre 170 900 Frcs., und für dieses Jahr 180 900 Frcs., dahingegen wurde das für die protestantischen und israelitischen Cultusgebäude bestimmte Capital von 100 000 Frcs auf 40 000 Frcs. herabgesetzt. Man muß nun abwarten, wie der Wind im nächsten Jahre weht. — Der bewährte und allseits geachtete Levy-Biug (der Uebersetzer der Philippson'schen Vorlesungen in's Französische), der. wo das Juden- < thum angegriffen wird, stets rüstig und nachdrücklich zur Abwehr auftritt, hat soeben in einer Zirculärschrift den Streit dargestellt, den er jüngst mit einem hiesigen angesehenenWochenblatte geführt hat. Zwei antisemitische Wochenschriften, die in Frankreich erschienen, sind aus Mangel an Theilnahme wieder eingegangen. Aber ein anderes Wochenblatt, I/Ltenckurä, häufte. Levy-Bing vertheidigte sie hiergegen in einem, die Geschichte dcrJuden aus höherem Gesichtspunkte erörternden Schreiben. Aber der Ltenäurä zögerte bis zum 11. Oktober, diesen Protest zu veröffentlichen und begleitete denselben mit sehr schmeichelhaften Ausdrücken für die Person des Herrn Levy- Bing, aber mit echt antisemitischen Auslastungen. Für ihn,- den Redacteur des Ltenäarä, ist die Pariser Börse die Quelle aller Uebelstände, und da an derselben auch Juden thätig sind, so sind die Juden diese Quelle — als ob die Mehrzahl der Pariser Börsianer nicht Christen wären, und die große Mehrzahl der Juden, welche mit der Börse gar nichts zu schaffen haben, nicht existirten, noch dazu in Frankreich, wo es keine Carrwre giebt, keinen Lebensberuf, an welchen! nicht auch die Juden ihren Antheil hätten. Die wahre „jü- >dische 'Jdee" läge, meint der Ltenäarä, in der Geschichte des goldenen Kalbes und in den Händlern im Tempel, welche! die Gold- und Handelssucht der Juden in den ältesten Zeiten j bewiesen. Es war für Herrn Levy-Bing nicht schwer, diese,! wir meinen, kindischen Ansichten in seiner beredten Antwort j zu wiederlegen. „Händler im Tempel" giebt es noch heute natürlich mit Gegenständen des Cultus wie im Tempel zu Jerusalem — in vielen katholischen Kirchen und Kapellen, ohne daß es Jemandem einfiele, daraus die Handelssucht des Volkes zu demonstriren. Was das goldene Kalb anbetrifft, so fand gerade das Gegentheil statt. Nicht die Sucht nach Gold, nicht die Werthschätzung des Goldes bewies sich in diesem Vorgang, sondern nur die Neigung der Maste zum Götzendienst. Ahron verlangte vom Volke „die goldenen l Ringe, die in den Ohren eurer Weiber, eurer Söhne und Töchter". „Da nahm sich das ganze Volk die goldenen Ringe ab, die in ihren Ohren und brachten sie zu Ahron." (2. Mos. 32, 2. 3) Aus ihnen formte er das goldene Kalb, welches Moses zerschlug und vernichtete. Das Volk bewies also hier, daß es das Gold um des Cultus willen gern hingab, wie es dies auch bei der Errichtung des Stiftszeltes bethätigte, da es für dasselbe mehr brachte, als die Werkmeister bedurften. Hieran knüpft Levy-Bing eine klare Darstellung der Mission Israels für sich und die Völker des Menschengeschlechtes, welche ihre Wirkung ans jeden vorurtheilslosen Leser nicht verfehlen wird. Rußland. Petersburg, 15. Dec. Bisher war es ausländischen Israeliten nicht gestattet, russische Unterthanen zu werden. Ein österreichischer Israelit in Odeffa hat nun dem

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