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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-01-01 · Heft 1 (1.1.1885) · p. Seite 10

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 1 (1.1.1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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dienstes ist obligatorisch) wird nicht als solcher empfunden, sondern die Jugend geht mit Lust und Liebe in die Synagoge.! (Diese Einrichtung entspricht in etwas den Vorschlägen,' die wir für derartigen Gottesdienst gemacht. Doch wird, man hierbei nicht stehen bleiben können, ohne wieder in die j Schulbank zu gerathen. Redakt.)! Kaiserslautern, 18. Dezember. (Privatmitth.) Als, faktische Berichtigung des in der letzten Nummer Ihrer geschätzten Zeitung von hier Mitgetheilten erlaube ich mir hiermit zu bemerken, daß hier nicht eine „israelitische", sondern Königl. Protest. Lehrerbildungsanstalt existirt, an der alle israelitische Zöglinge der Pfalz ihre Ausbildung genießen müssen. Ich ertheile an dieser Anstalt den Religionsunterricht seit Oktober d. Jahres, ebenso auch am Gymnasium und der Realschule mit allen Pflichten und Rechten, die solche Anstalten den Lehrern einräumen, da auch in der Pfalz der israelitische Religionsunterricht obligatorisch ist. An der Realschule und an der Lehrerbildungsanstalt werden auch die israelitischen Abiturienten aus der Religionslehre geprüft — gleich den Schülern der anderen Confessionen — an letzterer Anstalt müffen dieselben vorher noch eine schriftliche Prüfung aus den Fächern der Religionslehre bestehen. Was also in Nr. 50 Ihrer geschätzten Zeitung „aus Süddeutschland" berichtet wurde, kann ich auch für die Pfalz bestätigen und muß ich nur noch rühmend hervorheben, daß die Rectoren der hiesigen höheren Anstalten auch den »Kirchenbesuch" der israelitischen Schüler genau controlliren und gleich bei den andersgläubigen Zöglingen jede Bersäumniß des Gottesdienstes — zumal am Freitag Abend — streng bestrafen, wenn sie nicht aus triftigen Gründen geschehen ist — eine Einrichtung, die sicherlich Hochachtung verdient. Endlich ist noch die Rücksichtnahme des Staates hervorzuheben, die er auf die, wenn auch nur wenigen, im hiesigen Zuchthause jüdischen Jnternirten nimmt. Durch Decret des Staatsministeriums der Justiz vom 8. October d. I. wurde mir das betreffende Seelsorgeramt mit bestimmt formulirten Pflichten und für eine bestimmte Remuneration übertragen. Auch an dieser Anstalt habe ich zu wiederholten Malen — auf mein Ersuchen sowohl, wie aus eigenem Antriebe — wahrgenommen, daß der Direktor die religiösen Bedürfniffe der israelitischen Gefangenen in größtmöglichster Weise respektirt. Am Sabbath find dieselben von jeder Arbeit befreit, ebenso wie an den Festtagen. Dr. Landsberg, Bez.-Rabbiner. Oesterreich-Ungarn. Pest, 14. Dez. (Privatmitth.) Bereits vor mehreren Jahren, als der Antisemitismus in Ungarn noch durch Herrn Jstoczy allein vertreten war, drückte ein hochgestellter Mann einer bei ihm erschienenen Deputation gegenübrr sein Bedauern darüber aus, daß der ungarische Grund und Boden immer mehr in den Besitz der Fremden, nämlich der Juden, gelange. Diese Behauptung, daß der jüdische Grundbesitz in Ungarn eine übermäßige Ausdehnung erlangt habe — sie wurde in den letzten Jahren von antisemitischen Abgeordneten und Scribenten oft genug wiederholt — wird nun in einer eben erschienenen Schrift »Gesellschaft und nationaler Beruf" gründlich widerlegt. Auf Grund amtlicher Daten weist der Berfaffer derselben — der Abgeordnete Beckfics, kein Jude — nach, daß von dem gesammten ungarischen Grundbesitz die Juden etwa 5 Pct. in Händen haben; die Zahl der Juden in Ungarn beträgt 4,55 Pct. der Gesammtbevölkerung: eS ist also das Berhältniß zwischen ihrer Zahl und ihrem Besitze bis auf einen geringen Bruchtheil ftappant genau eingehalten. In dem Latifundienbefitz find die Juden fast gar nicht anzutreffen, in dem ganz kleinen Besitz ebenfalls nicht. In einzelnen Komitaten erhebt sich die Zahl der jüdischen Grundbesitzer auf 20, sogar auf 30 Pct., in zahlreichen Komitaten hingegen, so insbesondere in Siebenbürgen giebt es deren entweder gar keine oder nur wenige. Daß die Juden Ungarns im Allgemeinen über das Mittelmaaß nicht hinauskommen, das beweist der Verfasser aus einer Tabelle, aus der ersichtlich ist, daß die gesammten jüdischen Birilisten in 41 Komitaten, Grundbesitzer, Industrielle, Kaufleute, Acrzte und Advokaten nicht mehr als 014,685 Gulden an Steuern zahlen. Der ungeheure Reichthum der Juden ist nichts als ein Phantom, dessen sich die Antisemiten bedienen, um das Volk gegen die Juden als vermeintlich besitzende Classe zu Hetzen. Pest, 15. Tecember. (Privatmitth.) Die Preßjury der ungarischen Hauptstadt hat vor einigen Tagen wieder einmal ein peinliches Aufsehen erregendes Verdikt gefällt. Wir sind weit davon entfernt, das Urtheil des Herrn Geschworenen, die ihren Eid auf Wahrheit und Unparteilichkeit geleistet haben, einer Kritik zu unterziehen; wir würden überhaupt die Affaire in diesen Blättern gar nicht erwähnen, wenn sie nicht ein trauriges Zeichen der Zeit wäre und wieder den Beweis lieferte, daß der antisemitsche Haß blind und taub ist. Gegen den Untersuchungsrichter Bajkor, einen ganz unwissenden, rohen Menschen, trat Geza Moskowitz, ein jüdischer Advokaturs-Candidat in Kaschau in mehreren Aritikeln auf. Trotz der niederschmetternden Depositionen einer ganzen Reihe unverfänglicher Zeugen, trotzdem dem Herrn Untersuchungsrichter in offener Sitzung unter Eid Amtshandlungen ins Gesicht gesagt wurden, Brutalitäten, ferner Versäumnisse, eine endlose Reihe schreiender Gesetzlosigkeiten nachgewiesen wurden, trotzdem wurde Herrn Bajkor nicht einmal eine Rüge ertheilt und der Jude Moskowitz zu 8 Monaten, 500 Gulden Geldstrafe und zum Ersätze der Kosten im Betrage von ca. 2500 Gulden verurtheilt. Der Herr Staatsanwalt

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