Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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9 auch im Gottesbegriffe >), wird und kann ja nicht geleugnet werden. Hinsichtlich der biblischen Schriften kam unsere Untersuchung (S. 247) zu dem Resultate: 1) „Der ganzen biblischen Anschauung liegt der Unsterblichkeitsglaube zu Grunde» ohne doch dogmatkch formulirt zu werden, sondern indem er nur in einzelnen Andeutungen und in den Hagiographen, in immer deulicheren Aussprüchen zu erkennen giebt; 2) es bestanden in der älteren Zeit neben einander zwei verschiedene Vorstellungen, die eine, den Denkenden und Höherfühlenden zu eigen, daß die Seele nach dem Tode ein ewiges Leben im Anschauen Gottes, fortschreitend „im Lichte des Lebens" (Hiob) führe, und die andere, „die Bolksanschauung, daß die Abgeschiedenen noch eine Art Wesenhaftigkeit iu der Unterwelt (Scheol) besäßen, aber unthätig und ohne Zusammenhang 1) S. unsere Abhandlung aus dem Jahre 1835: „Die Entwickelung des Gottesbegripes in der h. Schrift,, in unserem israelitischen Predigt- und Schulmagazin, Bd. II. und III. erste Auflage. mit dem wirklichen Leben, welche Bolksanschauung zu dichterischen Bildern benutzt ward, aber später sich gänzlich verlor." — Wir scheiden daher von dem Verf. mit dem Ausdruck aufrichtiger Achtung vor seinem Streben, sich in die tieferen Schachte des Denkens zu versenken und vor seiner Ueberzeugungstreue für das, was er einmal erfaßt hat, wenn wir ihm auch in den wesentlichsten Theilen seiner Schrist entschieden entgegentreten mußten. 1) Wir mögen hierzu noch die schönen Worte Ewald's anführen (zu Pf. 16): „Wo solche Ahnung und Vorstellung vom wahren Leben emporkeimt, da wird in der That schon der Schleier aller Zulunft des Einzelnen soweit gelüftet, die echte Hoffnung so klar gespendet, als es ohne neue Bilder zu gebrauchen möglich ist; Dogma ifts hier bei Weitem noch nicht, und von der Unsterblichkeit des Geistes tritt hier zwar die erste Ahnung und Nothwendigkeit, aber noch nicht ein so fertiger, fester Begriff und so schwelgerische, schwärmerische Bilder hervor wie später. Aber das ist gerade das Herrliche, daß wir so in einigen Liedern die höhere Ahnung in ihrer durch sich selbst nothwendigen Bildung und Entstehung zum ersten Male her- 1 vorkeimen sehen." — %e ilVi/vuj m <xc ß Deutschland. Berlin, 19. Dez. (Privatmitth.) Am 39. und 30. d.! findet hier die Versammlung von Schulmännern statt, welche der Deutsch-israelitische-Gemeindebund berufen hat, um den> Normalplan insbesondere für die Volksschule mit einer Lehr-! kraft, den Lehrstoff des jüdischen Religionsunterrichts enthaltend zu berathen. Es sind hierfür verschiedene Pläne vorgelegt. Während der Versammlung wird eine Ausstellung von Lehrmitteln für den jüdischen Religionsunterricht hergerichtet sein. Für die Reisekosten wird eine Entschädigung sowie auch eine Diätenzahlung stattfinden. Möge der Erfolg den oufgewendeten Anstrengungen entsprechen. Stuttgart, 18. Dezember. (Privatmitth.) Der Unterstützungsverein für israel. Lehrer Württembergs (Vorstand Oberlehrer a. D. Liebenau v. hier) veröffentlicht in dieser Woche seinen Rechenschaftsbericht pro Nov. 1883—84. Auch | in diesem Verwaltungsjahr haben die Gönner des Vereins J demselben ihre Sympathien erhalten und ihn in den Stand j gesetzt, 780 M. Unterstützungen zu gewähren und das Berj mögen noch um 1600 M. zu vermehren, so daß dasselbe! jetzt 26154 M. beträgt. Unser gnädigstes Königspaar hat! den Verein wieder mit huldvollen Gaben bedacht. Die Zahl i der Mitglieder beträgt 50. Die Ausgaben betrugen 1010 M., die Einnahmen 2239 M., darunter 1021 Beiträge und 1002 M. Zinsen. Esse«, 15. Dez. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde hat sich längst durch ihre rege Theilnahme für alle gemeinnützige Werke ausgezeichnet. Sie hat dies in diesen Tagen wieder bewährt. Auf Anregung des Lehrers Kaufmann wurde eine musikalisch-theatralische Abendunterhaltung veranstaltet, deren Reinertrag sür den Neubau des jüdischen Lehrerseminars zu Münster bestimmt war. Die Theilnahme war so groß, daß die Einnahme 400 M. betrug, wovon nach Abzug der Kosten 330 M. an die Baukaffe abgesührt werden konnten. Die Aufführungen selbst fanden vielen Beifall. Möge diests Beispiel auch andere Gemeinden zur Nachahmung aneifern. Zweibrucken, 17. Dezember. (Privatmitth.) Am ersten Sabbath Chanukkah Nachmittag wurde in hiesiger Synagoge durch Bezirksrabbiner vr. Mayer zum ersten Male Schüler-! gottesdienst abgehalten. Wir theilen die Art der Einrichtung mit, weil wir glauben, daß dieselbe in ihrer Eigenart wohl weiterer Berücksichtigung empfohlen werden kann. Bon der Erwägung ausgehend, daß ein derartiger Gottesdienst nur durch die lebendige Theilnahme der Schüler selbst lebensfähig wird, wurde angeordnet, daß nach > und ein Schüler den Inhalt des Wochenabschnittes in gedrängter Kürze erzählt, worauf der Rabbiner einige belehrende und ermahnende Worte an die Schüler richtet. Ein anderer Schüler übersetzt dann die erste Paraschah des folgenden Wochenabschnits, worauf „ausgehoben" und in weiterem Fortgange Minchah gebetet wird. Außerdem soll in Bälde jauch das „Leinen" durch Schüler erfolgen und beim „Aus- und Einheben" yc22 \*ri und idx*' nn:2i durch die Schüler gesungen werden. Auf diese Weise wird der Schülergottesdienst durch die Schüler selbst versehen, es wird ein erlaubter Ehrgeiz geweckt und der ausgeübte Zwang (der Besuch des Gottes- 1