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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-01-01 · Heft 1 (1.1.1885) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 1 (1.1.1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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führlich mitgethcilt; das Buch der Richter verhehl: die oer- und die Dankbarkeit der Jünger gegen ihre Lehrer zur Urworrenen Berhältnisse und deren Folgen nichts die Bücher! fache hatte. Bo brachte auch das spätere, so reiche jüdische Samuelis und der Könige erzählen sehr Genaues über den in Israel immer wieder eindringenden und selbst den Tempel entweihenden Götzendienst und noch Esra und Nehcmia berichten über die Schwierigkeiten, die sie in religiöser Beziehung zu überwinden hatten. Darum sagen wir, daß dieses Bolk aller Zeit ein geschichtliches gewesen, und man braucht nur die Denkmäler der Egypter, Assyrer und Ehaleäer, so weit sie bis jetzt entziffert sind, zu durchmustcrn, um den großen Unterschied zu gewahren, der dieses kleine Volk von den gewaltigen Nationen und Herrschern weithin trennte, deren Denkmäler und Inschriften uns nur von den Eroberung-- und Vernichtungskriegen erzählen, welche diese Könige geführt, von den Städren, die sie verheert, von den Gefangenen, die sie gemacht, von der Beute, die sie zusammcngerafft — während die Geschichtsbücher Israel-:- nur von der inneren Geistesarbeit berichten, welche dieses Bolk in der Ueberwinduug der heidnischen Wabnchristthrun nnr wenige und sehr mangelhafte historische Schriften und Dokuinenre hervor. — Dies war das Ehemals auf diesem Gebiete; außer dem reichen Material, welches die Bibel für die Zeiten, die sie umspannt, bietet, war man sich der eigenen Geschichte nicht bewußt und besaß kein Bedürsniß, geschichtliche Taten aus;u;eichnen, cs sei denn die schwermülhigen Klagen über unselige Verfolgungeit. Mit dem ersten Viertel unsres Jahrhunderts änderte sich dies, wir möchten sagen, ebenso plötzlich. Mit dem Momente, wo jüdische Jünglinge sich mit dem Geiste der Wissenschaft vertraut gemacht hatten, trat in ihnen die Tendenz nach wissenschaftlicher Erforschung der Geschichte des Judcnthums mit) der Juden, der inneren wie der äußeren, ans, und schon in den zwanziger Jahren brachten die beiden bahnbrechenden Männer Jost und Zunz gediegene geschichtliche Werke hervor, welche cur ganz neues Lieht über die geschichtliche Entwickelung und den Vergebilde und Sitteulosigkeit und in der Entfaltung aller reli-> lauf der Ereignisse verbreiteter:. Sie knüpften da an, wo giösen und sittlichen Empsindungen und Gedanken vollbrachte, i die frühere Geschichtsschreibung ausgehört hatte, Zunz mit Dieser geschichtliche Sinn dauerte auch nach dem Abschluß den Büchern der Ehrortik und den spätesten Psalmen, Jost der Bibel fort'), und hat uits die Bücher der Makkabäer mir den Makkabäern. Ihnen schloß sich eine lange Rerhe und die Geschichtswerke des Josephus hinterlassen, so das; trefflicher Geschichtsarbeit.n an und die jüdische Gelehrsamwir auch das Todesröcheln des nationalen Daseins in einem teil, nachdem sie sich von der Bearbeitung der Halacha zubeispiellosen Kampfe gegen einen Weltbesieger vernehmen. : rückgezogen hat, wandte fick der Geschichtsforschung zu. Kein Hiermit aber reißt der Faden der jüdischen Geschichtsschrei-> Theil dieser mehr als drei Jahrtausende umfassenden Geschichte bung ab; der geschichtliche Sinn ist mit Einem Male oerbleibt unbeleuchtet und die Darstellung entspricht sowohl den schwunden. Schon der großartige Aufstand unter Barkochüa, wisse:.schastlichen als den populären Forderungen. Man hat der 60 Jahre nach dem Falle Jerusalems der: Römern wie erkannt, daß das geschichtliche Bewußtsein auch für die Masse den Juden so furchtbare Lpscr kostete, fand keinen jüdischen unsrer Glaubensgenossen unsrer Zeit ein wesentliches rcli- Gcschichtsschreiber mehr, und was rvir von ihm wissen, muß giöses Motiv umschließt und das Interesse lebhaft beregt. mühsam aus 'Andeutungen im Talmud und Midrasch und römischen Geschichtsschreibern znsammengesucht werden. Mil deshalb dem Wiedererstehen der gelehrten Schulen eoncentrirte sich die geworde Thätigkeit der Geister auf die Forteutivickelung des Gesetzes (Halacha) und die freie phantastische Schristauslegung (Haaada) und von da ab bis zur neuesten Zeit, Mendelssohn ein t Unterricht in der biblischen uird jüdischen Geschichte ist in ilrtcgrircndes Element des Religionsunterrichtes und cs werden den Schülern Kenntnisse beigebracht, die sehr gelehrten 'Rabbinern früherer Zeit unbekannt waren, aber von ihnen auch riicht gervürdigt wurden. Was aber noch rin bcforrderes, sehr wichtiges Ergebniß geschloffen, mangelte in der jüdischen Welt jeder Sinn für dieser neuerwachrcn Bestrebungen war, ist, daß man aus den Geschichte, geschichtliche Auffassung und Darstellung. Tie vergangenen Zeiten auch diejenigen Erscheinungen im Judentalmudische Literatur bietet deshalb für die Historie nur gethurne ins Auge faßte, welche abfeitens von dem gewohnten ringen Stoff-) und selbst eine genauere öieuntniß der tal Geleise, namentlich dem halachischen, lagen. Diese wurden mudischen Lehrer verdanken wir dem geltenden Grundsatz, daß während der ganzen Zeit bis zur Gegenwart völlig ignorirt, jeder Ausspruch möglichst ans den zurückgenihr: werden müsse, und das dem Studium unterzogene Judenthnrn wurde desvon welchem er ausgegangen, einem Grundsatz, der wiederum halb immer einseitiger, so daß wir uns nicht wundern dürfen, nicht geschichtlichen Sinn, sondern den Werth der Autorität wenn es zuletzt erstarrte nrrd verknöcherte. Die Fülle der - —■ Lebenskraft, die sich im Jndenthrrmc von Zeit zu Zeit in be- .. ^,^5 bewog selbst den Philo:ophen einen Bericht über sonderen Schöpfungen bethätigte, blieb ohne Einwirkung auf ferne Repe nach Rom zu Gunsten stnuer Glanbeusgenosteu r reder- ';no; zuschreiben. das;elbe uub außerhalb der allgelueliien Kenntniß. Wir . 2) Derenburg, versuchte das Geschichtliche aus dem Talmud zusollen nur einiges anführen. Die Alerandrinische Entwickelammenzustellen, cru stchr nützliches Werk, das aber erU re>1 r den ge- . ' ringen Umsaug dieser Aolizeu darlhul. lang, na.ncntlich die Phtlosvphte Phuo's, die an sich und in

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