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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-01-01 · Heft 1 (1.1.1885) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 1 (1.1.1885)
Date
1885-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Iudmlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. KxpeöiLiorr: Leipzig. Woßpleth 18. I In rebactioni I wende man sich lBonn direct, i. I Berlagshandlung. 112 M.) sind glei^, Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Pr. SS) und Oesterreich bei ollen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. 49. Jahrgang. Leipzig, den 1. Januar 1885. No. 1. Inhalt. Leitende Artikel: Skizzen über das Ehemals und Jetzt im Judenthume.— Das Judenthum in Gegenwart und Zukunst. IV. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Stuttgart, Essen, Zweibrücken, Kaiserslautern. — Oesterreich-Ungarn: Pest. — Frankreich: Paris. — Rußland: Petersburg, Turek. — Belgien: Brüssel. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Heinrich Redlich, Profepor der Kupferstichkunst. — Noch einmal die Martinigänse. — Einen Betrüger zu entlarven. £,ci tcvu)c €Xzti(ie€. Bonn, 27. Dezember. Skizzeu über des Ehemals und Jetzt im Judenthume. i. Am 4. Januar 1886 wird ein Jahrhundert nach dem Tode Moses Mendelssohns verfloffen sein. Welche Veränderungen, welche Wandlungen sind während dieses Jahrhunderts mit und im Judenthume, in den Berhältnisien und in der geistigen Beschaffenheit der Juden vor sich gegangen! Bon großem Nutzen erscheint es uns da, sich dieser großen Entwickelung so viel wie möglich bewußt zu werden, die verschiedenen Standpunkte, welche das Ehemals und das Jetzt erweisen, sich klar zu machen, und so auf diesem Gebiete eine Selbsterkenntniß zu fördern, die in allen Angelegenheiten ein wahres Bedürfniß ist. Längst hat man erkannt, daß jede Epoche ihre Vorzüge und ihre Nachtheile besitzt, daß also eine vergangene Zeit in ihrem wahren Werthe durchaus nicht zu mißachten, die Gegenwart nicht zu überschätzen ist, daß aber über jede abgestorbene und veraltete Phase die Entwickelung hinwezschreitet, hinwegschreiten muß, selbst wenn damit mancherlei Tugenden des früheren Zustandes verloren gehen. Gerade aus letzterem Grunde, und weil die Vergangenheit der Phantasie so leicht im Lichte der Verklärung erscheint, geschieht es häufig, daß man die Mängel, die jener anhafteten, übersieht und die Nachtheile, welche mit der neuen Phase naturgemäß verbunden sind, allzu hoch anschlägt. Alle diese Klippen für eine wahrhafte Erkenntniß und ein gerechtes Urtheil müssen vermieden werden. Denn wenn man den wahren Charakter der Jetztzeit im Vergleiche zur Vergangenheit nicht klar erkennt, und möglichst unparteiisch abwägt, so wird man sich auch nicht klar machen können, welche Bestrebungen zu verfolgen, welchen Tendenzen nachzueifern sei. Hierbei fürchten wir aber, daß das jüngere Geschlecht zu einer solchen tiefer gehenden Vergleichung weniger befähigt sei, als diejenigen Aelteren unter uns, deren Jugend und Kindheit noch in die Reste der alten Zustände hineinreichten. Darum wird man es wohl nicht ungern sehen, wenn wir versuchen, in einzelnen Skizzen die Wandlungen im Meinen und Thun zu charakterisiren, ohne dabei einen äußerlich sichtbaren Faden festzuhalten. Das Volk Israel war von seinem Beginne an ein geschichtliches Volk — nicht, daß es eine in der Geschichte hervorragende Rolle spielte, diese Bedeutung erhielt es erst in viel späterer Zeit — sondern weil es von seinen ersten Ansängen an seine Geschichte niederschrieb und zwar mit solchem Bewußtsein, daß es selbst den geschichtlichen Moment bezeichnete, in welchem es aus der Urgeschichte der Menschheit hervorgegangen. Diese Geschichte ist allerdings in den uns überkommenen Schriften aus einem bestimmten Gesichtspunkte geschrieben, aus dem religiösen, und dies mit vollem Rechte, weil eben das Religiöse das Lebenselement dieser Nation zu aller Zeit war. Aber diese Geschichtsschreibung bringt ebenso sehr die politischen wie die inneren Erscheinungen und sie schildert ohne Parteilichkeit die inneren Zustände, wie sie dem religiösen Leben ent- oder widersprachen. In der Thora werden uns die Aufstände und Abtrünnigkeiten des Volkes aus- 1

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