Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-12-23 · Heft 52 (23.12.1884) · p. Seite 829

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 52 (23.12.1884)
Date
1884-12-23
Page
Seite 829 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227501-3227554--42265-3310814
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

829 vor seinen Werken längst." Vgl. Hiob 28, 25 ff. An allen diesen und anderen Stellen wird ausdrücklich ausgesagt, daß Gott, auch die anorganischen Werke „mit Weisheit" geschaffen, abgegrenzt, gemessen, gezählt habe. Ebensowenig aber wie der Wille Gottes bewußtlos und ziellos ist, erscheint er in der Lehre Mosis und seiner Nachfolger als grundlos. Denn unstreitig sprechen sie aus. daß der Grund der göttlichen Schöpfung die Allliebe Gottes gewesen, daß er die Wesen „sehr gut" geschaffen, daß sie ihrer Beschaffenheit und Besonderheit gemäß des Daseins genießen und daß seine Fürsorge ihnen stets zugewandt sei. Wir glauben nicht, daß unser Verfaffer hiergegen etwas einzuwenden haben wird. Dann aber ist es sonnenklar, daß zwischen dem Mosaismus und Judenthume einerseits und dem Schopenhauer'schen Philosophem andererseits eine weite, unüberbrückbare Kluft besteht. Der Widerspruch liegt zuerst darin, daß nach unserer Lehre der Jntellect das Prius, der Wille das zweite ist, während Schopenhauer das Umgekehrte annimmt und darin seine wesentliche Grundansicht findet; alsdann, daß alles Dasein durch den von der göttlichen Allweisheit uud Allliebe erfüllten Willen Gottes geschaffen ist, während Schopenhauer den Willen, der in allen Wesen das Ding an sich ist, als bewußt-, grund- und ziellos ansieht, also zu einem leeren metaphysischen Begriff macht. Hiermit ist aber jede Uebereinstimmung zwischen dem Judenthume und der Lehre Schopenhauers um so mehr verschwunden, als, wie unser Verfaffer selbst zugiebt, alle Consequenzen, die Schopenhauer aus seiner Grundidee zieht, denen des Judenthums gegenüberstehen. Jndeß wollen wir nicht blos negativ verfahren, und uns noch etwas über die Hauptfrage auslaffen. (Schluß folg:.) Deutschland. Berlin, 10. Dez. Man erinnere sich, daß neuerdings von einigen „Thierschutzvereinen" der Versuch gemacht wird, das jüdisch-rituelle Schlachten gesetzlich zu verbieten und die sog. „Schlachtmaske" obligatorisch zu machen. Dadurch erhält folgende Bemerkung einige Wichtigkeit, die wir in der „Boff. Ztg." finden: „Auf dem städtischen Schlachthofe sind im Laufe des letzten Jahres wiederholt Versuche angestellt worden, um die Betäubung bezw. Tödtung der Thiere mit der Schlachtmaske (Bouterole) neuester Construktion zu bewirken. Die Versuche ergaben zwar die praktische Anwendbarkeit der Maske, aber unter schwierigen Voraussetzungen. Die Anwendung bezw. Aupaffung der Schlachtmaske bei so außerordentlich verschiedenartigen Raffen und Altersklassen erfordert viele Exemplare derselben in verschiedenen Größen, aber auch mehr Ruhe und Zeit, als sich die Schächter damit geben mögen. Abgesehen davon, scheint auch die Rücksicht auf rituelle Bedenken der jüdischen Gemeinden die Ursache zu sein, daß in Deutschland noch an keinem Schlachthof die allgemeine Benutzung der Schlachtmaske obligatorisch gemacht worden ist." — Bei der am 12. d. stattgefundenen Nachwahl im 5. und 6. Berliner Wahlkreise fielen die Antisemiten Cremer und Jrmer abermals gegen einen Deutschfreisinnigen und einen Sozialdemokraten durch. Der deutsche Reichstag wird also den Herrn Cremer so wenig wie den Prof. Wagner in seiner Mitte haben. — Wie die „Bonner Ztg." vom 15. berichtet, ist von einer großen Zahl der Wähler in Siegen dem Herrn Stöcker für seine Abstimmung über das Gesetz vom 4. Mai 1874 eine ihn tadelnde Adresse zngegangen, in welcher sie ihm vorwerfen, den Versprechungen ungetreu geworden zu sein, die er als Candidat gegeben und auf die hin er gewählt worden sei. Darmstadt, 8. Dez. (Privatmitth.) Am 24. Nov. waren es 25 Jahre, daß Herr Rabbiner vr. Landsberger in der hies. Gemeinde als Seelsorger wirkt. Durch die allgemeine Theilnahme wurde dieser Tag für den hochgeschätzten Jubilar zu einem äußerst festlichen. Morgens überreichte der Vorstand namens der hies. israel. Gemeinde ein sehr werthvolles Silbergeschenk. Später erschien der Stadtkommandant, Herr Generalmajor v. Röder, und überbrachte die Glückwünsche Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs, sowie der hies. Garnison, ebenso war eine Deputation des Vereins für Kunst und Wissenschaft erschienen, welche dem Jubilar als seinem Mitgliede gratulirte. — Unter andern vielen Gratulanten befanden sich auch Herr Oberbürgermeister Gly, Herr Provinzialdirektor v. Marquard, die Direktoren der hiesigen höheren Schulen u. a. m. Die hessischen Rabbinen ließen dem Jubilar durch vr. Saalfeld aus Mainz einen Pokal überreichen und von Nah und Fern liefen zahllose Telegramme und Gratulationen ein. Am Abend fand ein Festessen statt, welches den würdigen Schluß dieser erhebenden Feier bildete. - - Als weitere Mittheilung aus hies. Stadt diene Ihnen, daß Herr Otto Wolfskehl. Mitglied des isr. Vorstandes, zum zweiten Präsidenten des hessischen Landtages ernannt wurde. Ulm, 10. Dez. (Eingesandt.) Wir erhalten folgende Zuschrift, die wir deren Unparteilichkeit wegen wörtlich wiedergeben. Wir würden ihr unsere Bemerkungen hinzugefügt 52

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.