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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-12-23 · Heft 52 (23.12.1884) · p. Seite 827

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 52 (23.12.1884)
Date
1884-12-23
Page
Seite 827 (sequence 7)
Language
German
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827 ziehung, und deshalb muß es die vornehmste Sorge sein, daß aller Orten Rabbiner bestellt werden, die ein gewisses Maß allgemeiner Bildung besitzen, und ein vernünftiger Unterricht eingeführt werde; so daß die jetzt bestehenden Winkelschulen, vulgo Cheder, einmal aufhören. Daß man dabei nicht denkt, etwa die Jugend zu verhindern, Bibel und Talmud zu studiren, geht daraus hervor, daß die Errichtung hebräischer Sprach- und Bibel- sowie Talmudschulen ausdrücklich erwähnt wird und wird nur gefordert, daß ein Unterrichtsprogramm vorgelegt werde, welches der Genehmigung des Consistoriums bedarf, um Auswüchsen entgegenzutreten. Der geeignetere und besiere Unterricht wird nicht verfehlen, seine Wirkungen auf den Cultus auszuüben und wenn einmal beispielsweise die Leute wissen, daß es seit Jahrhunderten keine Resche Galutha und Resche Kallah giebt, so werden sie auch im Jekum Purkan nicht für das Wohlergehen derselben beten. Wenn das Amt, Mitglied des Consistoriums zu sein, ausdrücklich als Ehrenamt bezeichnet ist, so geschah dies aus doppeltem Grunde: falls die Mitglieder ein Gehalt beziehen, so muß die Angelegenheit vor den Reichsrath gebracht, respective die betreffenden Summen in das Budget eingestellt werden und da fragt es sich, ob der Finanzminister daraus cingehen und der Reichsrath sie bewilligen würde. Ueberdies wollte man der Stellenjägerei Vorbeugen und wünscht, daß Männer, die eine gesicherte solide Stellung haben, in das Consistorium gelangen. Mit Rücksicht auf die Verhältnisse und die Zahl der Juden in Galizien glaubte man von der Wahl Umgang zu nehmen und zunächst die Ernennung durch den Kaiser festzustellen. Es wurde ferner die Ernennung von Rabbinen in Aussicht genommen, jedoch soll die Zahl derselben nicht präponderirend sein. Wie Sie aus diesen Mittheilungen ersehen, war man sich nicht unklar; aber man ließ manches vorsätzlich in der Schwebe, um die öffentliche Meinung zu hören, und wäre es im hohen Grad erwünscht, daß diese höchst wichtige Frage in objectiver Weise, wie Sie es gethan und weiter fortfahren mögen, erörtert werde. So viel mir bekannt, wird man der berechtigten Kritik gern Gehör schenken und genügend motivirten Wünschen Rechnung tragen. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 12. Nov. Wir haben heute eine eigenthümliche, originelle Schrift zu besprechen, aus der Feder eines wegen seiner Ueberzeugungstreue und Charakterfestigkeit höchst I) Wir werden nicht verfehlen, in einer der nächsten Nummern darauf zurückzukommen. Re da kt. achtbaren Autors, der sich auf verschiedenen Gebieten, z. B. der Shakespeare-Literatur Verdienste erworben hat und eine gewandte faßliche Sprache besitzt. Um so mehr bedauern wir, uns mit ihm in vielen Punkten nicht in Uebereinftimmung zu sinden: „Das Endergebnis der Schopenhauer'schen Philosophie in seiner Uebereinftimmung mit einer der ältesten Religionen" dargestellt von vr. David Asher. (Leipzig, Arnold, 1885). Der Verfasser läßt sich sowohl in dem „Vorbereitenden Theil" als im Verlauf seiner Schrift über viele Dinge aus, über welche sich reden ließe; wir halten uns jedoch an den eigentlichen Kern und gehen zu diesem sofort über. Herr Asher hat sich seit langer Zeit als unerschütterlicher Anhänger des Schopenhauer'schen Philosophems, dessen Urheber er auch persönlich nahegetreten war, bekannt; aber zugleich ist er ein treuer Bekenner des Judenthums, welchem er sich nach Bekämpfung mannichfacher Zweifel mit ganzer Seele wieder zuzewendet hat. Es lag ihm deshalb nahe, eine Bereinigung und Ausgleichung zwischen dem Schopenhauer'schen System und dem Judenthume, die sich in ihren Tendenzen und Resultaten so scharf gegenüberstehen, zu suchen. Es ist dies ja eine Erscheinung, der wir in der Geschichte des Judenthums nicht selten begegnen. So hat Philo die Verschmelzung der jüdischen Religion mit dem Platonismus, Maimonides mit dem Aristotelismus, Mendelssohn mit der Wolff'schen Philosophie und dem Rationalismus erstrebt. Allerdings haben diese jüdischen Denker ihr Ziel durch ausführliche systematische Bearbeitungen zu erreichen gestrebt, während wir bei unserem Autor nur eine mehr aphoristische Behandlung des Grundgedankens finden. Zunächst müssen wir zur Charakterisirung eine Aeußerung hervorheben, welche das Schlußergebniß des „Vorbereitenden Theiles" ausspricht. Schelling hat ein „großes Wort" hingeworfen, welches die Grundidee Schopenhauers ausspricht, „ohne sich jedoch dessen klar bewußt zu sein oder zu werden." Der Verfasser fährt fort: „ Es bedurfte des Genieblitzes eines Schopenhauer, um das von jenem gleichsam dunkel Geahnte und nur so Hingeworfene in seiner ganzen Bedeutung zu erfassen und lichtvoll auseinanderzusetzen, und mit ihm ist die Entwickelung für mich und die mir Gleichgesinnten zu Ende." Es ist gut, daß er „für mich und die mir Gleichgesinnten" hinzufügt. Denn das Ende der Entwickelung des philosophischen Denkens, der ganzen Philosophie mit Schopenhauer eingetreten zu sehen und zwar durch einen „Genieblitz" desselben, wird nur bei den unmittelbaren Jüngern Schopenhauers Beifall finden, bei Allen aber Mißfallen, welche die Geschichte der Philosophie kennen, welche wissen, daß man dieselbe Aeußerung aus dem Munde der Schüler jedes bedeutenden Philosophen gehört hat, die dann in einer nahen Zeit schon ihre Widerlegung fand, bei Allen, welche von der Entwickelung des Menschengeistes eine höhere Mei-

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