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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-12-16 · Heft 51 (16.12.1884) · p. Seite 815

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 51 (16.12.1884)
Date
1884-12-16
Page
Seite 815 (sequence 11)
Language
German
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815 mit nicht viel Liebe zu reden pflegen. Kleiderhändler, Hau-j Diese aus dem Leben gegriffene unparteiische Beurtheisirer, Trödler — mit einem Worte Schacherjuden und Bettler, i lung erweist abermals, welch' ein unerschöpflicher Fond an Bon den Engländern unterscheiden sie sich scharf, nicht nur! Sittlichkeit und an sittlicher Kraft in dem jüdischen Stamme durch jüdischen Gesichtstypus und jüdische Manier, sondern \ vorhanden ist, daß er, selbst unter so ungünstigen Verhältauch, und namentlich dadurch, daß sie das Englische mit I nisten und in der unmittelbaren Berührung mit der dunkelsten einer Art jüdisch-deutschem Accent sprechen, denn sie stammen! Verbrecherwelt, sich einen moralischen Charakter zu bewahren fast sämmtlich aus Gegenden, wo die niedere Klasse der Juden die Landessprache durch jüdisch-deutschen Jargon entstellt, aus Westrußland, Polen, Ungarn, Deutschland und Holland. Viele sind selbst dort geboren, die andern sind Nachkommen von dorther eingewanderten Voreltern. Unter diesen Umständen ist es doppelt bemerkenswerth, welche Sympathie und Achtung die armen Juden den beiden Engländern einflößen, die sich über sie vor dem Parlamentskomit« ansgelaffen haben, dem Sanitätsinspektor vr. Liddle und d. vermag. Es zeigt sich aber auch, daß die zwischen den Juden aus ihren geschichtlichen Verhältnissen heraus und der eingeborenen Bevölkerung vorhandenen Differenzen, auf welche man in anderen Ländern so hart lossährt, die aber der freie Engländer zu würdigen weiß, auch ihr Gutes haben, da sie die arme jüdische Bevölkerung vor der Ansteckung durch ihre Nachbarn bewahren. Nußland. mit der obersten Entscheidung über die Expropriations-Ent-1 Turek, 28. Nov. (Privatmitth.) Was die „Alliance schädigungen beauftragten Parlamentsmitglied und Kronadvo-^ Jsraelite" für die Hebung des Culturzustandes unserer Glaukaten (Queen’s Counsel) Mr. Rodwell. z bensgenosten im Orient bereits geleistet hat, braucht nicht befon- Dr. Liddle sagt: „Die Juden sind sicher nicht der un-! ders erörtert zu werden. Weniger bekannt ist die in Ostpreußen gesundeste Theil der Bevölkerung dieses Stadtviertels. Der! vor einem Dezennium eingerichtete Filiale der Alliance, die Inspektor Mr. Dyte bemerkt, daß die Juden in der Regel „Freischule für russisch-jüdische Kinder" in Memel. Im Orient langlebig sind, und daß ihre religiösen Sanitätsvorfchristen ist Schule auf Schule entstanden, und eine Reihe gediegener sie befähigen, lange gegen ungünstige hygienische Verhältnisse Lehrkräfte aus der Borbereitungsschule in Paris übt ihre anzukämpfen, eine Behauptung, deren Bestätigung ich selbst segensreiche Mission dort von Konstantinopel bis nach Mazur Cholerazeit gesehen habe. Auch der Juden Nüchternheit j rokko und weiterhin aus. Anders ist es an unserer russischträgt zu dem guten Gesundheitszustand bei. Ferner lebt,! polnisch-deutschen Grenze, hinter deren absperrenden Grenzsoweit sie es irgend kann, jede jüdische Familie in einem! pfählen mit dem Doppeladler auf einen engen Raum von ca. Hause für sich; nicht wie arme Engländer und Irländer mit -15 Gubernien ^Gouvernements) zusammengedrängt, ca. 3 anderen Leuten zusammen. Gewiß die Juden sind sehr vorj Millionen Juden wohnen, von denen ein großer Theil unter treffliche Bürger." j den bekannten Nothständen im entsetzlichsten Elend vegetirt. Mr. Rodwell sagt: „Bon allen intelligenten Menschen,! Die Folgen der schweren barbarischen Verfolgungen und Ausmit denen ich je in Berührung gekommen bin, sind die Juden nahmegcsetze in Südrußland machen sich zudem nach und die vordersten und am reinlichsten in ihren Bräuchen."; nach in der eigentlichen Heimath der russischen Juden, in Es hanvelt sich hier, wir wiederholen es, um die ärmsten! Westrußland, jetzt ebenfalls bemerkbar, da wo ohnehin das Juden: Kleiderhändler, Trödler, Hausirer, Schnorrer. Daß Elend des mastenhasten jüdischen Proletariats bereits früher diese in Slums wohnen, hat folgenden Grund: dem armen > groß genug war. Und doch könnte ein Culturstaat etwas Judenisi es sowohlGemüthsbedürfniß als Geschäftserforderniß,! aus diesem Element machen, das mit crbarmenswerther Zähigin der Stadtgegend zu leben, die von jeher die Londoner! keit gegen die schwierigsten Lebensverhältniste ankämpft, wo Heimath der armen Juden gewesen, in der Lage dem Berliner! es nicht bereits durch den fortwährenden Druck engherziger Spandauerstraßen - Viertel ähnlich. Diese Gegend aber — j russischer Staatsweisheit in den Staub getreten ist. Bei der dieffeit und jenseit der östlichen Grenze der City gelegen — Wichtigkeit dieser Frage für das Gesammtjudenthum und ist eine von denen, die am stärksten vom andringendcn Genamentlich auch für die deutsche Ostgrenze war es eine glückschäftsleben der City überfluthet worden ist. Nach der Aus- > liche Fügung,' daß ein Mann wie vr. I. Rülf mitten auf sage eines Sachverständigen ist hier der Quadratsuß ein Pfund diesem schwierigen Terrain, in Memel, an dem exponirtesten Sterling, d. h. die Ouadratruthe über 3000 Mark, werth. Posten des nordöstlichen Deutschland, das Rabbinat übernahm. Also findet hier der arme Mann nur im Slum, d. h. in den Ihm ist es jetzt im Wesentlichen, Hand in Hand mit dem mit halbverfallenen Häusern besetzten engen Gaffen, ^die bisher jetzigen „Berliner Centralcomit^", zu danken, daß schwere von der überfluthenden, aus der City strömenden Bewegung, Kalamitäten in der dortigen russisch-jüdischen Bevölkerung unberührt gelaffen worden sind, ein seinen Mitteln zugäng-! thcils vermieden, theils gemildert worden sind, — daß das liches Unterkommen." — j russisch-jüdische Grenzproletariat nicht nur vom Hungertode 51-

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