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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-12-09 · Heft 50 (9.12.1884) · p. Seite 801

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 50 (9.12.1884)
Date
1884-12-09
Page
Seite 801 (sequence 13)
Language
German
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801 hohen Worte endlich die That folgen? aber daß er so vielfäl-! wegung unter den dortigen Juden hieher. Den vorliegentigen Verheißungen mit leichtem Sinn ein solches Fiasco folgen! den Meldungen zufolge nimmt die Bewegung derartige Dilaffen werde, hätte man doch nicht geglaubt. Diese unsre! mensionen an, daß die ältere Secte der Odesfaer Neu-Jsrae- Bemerkungen fließen nicht etwa aus einem aufrichtigen Ber-! liten es für gut befand, ihre Selbständigkeit aufzugeben und druß über das Ausbleiben jener versprochenen Maßnahmen. Denn jedenfalls wären diese sehr halber Natur gewesen und in solchem Falle schadet man mehr der Sache, die man vergeblich vertheidigen will und regt um so mehr zur Opposition auf. Wir müssen vielmehr dem gesunden Sinn des Volkes, dem sich der führenden „Biblischen Bruderschaft" unterzuordnen. Die Entstehung der neuen Secte erfolgte ein Jahr nach den Judenhetzen in Jelisawetgrad auf Initiative eines gewissen Gordin, dessen Lehren hauptsächlich daraus abzielen, veraltete Ceremonien zu beseitigen und seine Anhänger zur productiven Einflüsse unserer Zeit und der mannigfaltigen anderen Sor-i Arbeit anzuhalten. Um ein gutes Beispiel zu geben, zog er gen vertrauen, welche die ungarische Gesellschaft belasten. Frankreich. Paris, 27. Nov. (Privatmitth.) Es hat hier viel Aufregung bei den Israeliten hervorgerufen, daß die Budget- Commission so große Abstriche am Budget des israelitischen Cultus vorgenommen, namentlich die 32,000 Frcs. für das Rabbinerseminar zu Paris gestrichen hat. Das israelitische Centralconsistorium begab sich in die Commission, um Vorstellungen dagegen zu erheben und insbesondere zu betonen, daß das israelitische Cultusbudget auf dem Gesetze beruhe und daß gerade deshalb, so lange das Gesetz bestehe auch dafür gesorgt werden müsse, daß dieser Cultus functioniren könne, d. h. daß Cultusbeamte vorhanden sein müssen. Obschon nun dieselbe Commission die Position für die protestantischen theologischen Fakultäten wiederherstellte, achtete sie aus die Reclamation des Consistoriums nicht. Die Arch. isr. richten deshalb einen Aufruf an alle Israeliten, durch die Presse möglichst hiergegen zu protestiren. Man hofft übrigens, daß die Kammer die Ungerechtigkeit ihrer Commission nicht billigen werde. Es ist möglich, daß die Commission im Centralconsistorium so reiche Financiers erblickte, daß sic zu der Meinung gelangte, diese könnten das Seminar aus eigenen Mitteln erhalten. In Deutschland bestehen drei Rabbinerseminare und kein einziges erhält Staats Unterstützung'. selbst mit seiner Familie auf das Land, pachtete ein kleines Stück Grund und bearbeitetete es im Schweiße seines Angesichts. Unter seinen Anhängern sollen sich auch Leute mit Universitäts-Bildung befinden, Andere haben Mittelschulen absolvirt. Nach russischen Berichten fehlt nur eine energische leitende Persönlichkeit, um die Bewegung vollends in Fluß zu bringen. Die Stellung der neuen Secte gegenüber der Administration präcisirte Gordin in einem Memoire, das er im Namen der Bruderschaft dem Gouverneur von Cherson überreichte, folgendermaßen: Die Biblische Bruderschaft verlangt keine besonderen Rechte und Privilegien, sondern bittet nur um die Erlaubniß: 1. eventuell Land anzukansen und Ackerbau-Colonien zu errichten: 2. ihren Glauben offen zu bekennen und sich zu gottesdienstlichen Handlungen zu versammeln; 3. bei den Polizeivcrwaltungen besondere Civil- Register zur Eintragung der Geburten, Sterbefälle und Heirathen zu haben. Dieses Bestreben findet bei den aufgeklärten Russen großen Anklang; wer aber die Verhältnisse kennt, befürchtet mit Recht, daß auch die ackerbautreibenden Juden oder auch die Handwerker unter ihnen, sobald sie zu Vermögen kommen, angefeindet werden dürften. Jeder branntweintrinkende Faullenzer hält es doch für bequemer, den Juden auszurauben, statt selbst zu arbeiten. An Hetzern, welche ein Interesse an der Umkehrung aller bestehenden Verhältnisse haben, wird es auch niemals fehlen. sie bestehen sämmtlich aus Stiftungen und freiwilligen Bei-! November.^ ^lnläßlich r,e» fünfnnd- Wir Wn M* mto. nm W HrrrrrAiMrit W I ä™"äWf»:WU Bestch-i.s des huPgen L°„kh°u,->- S>°»zb„rg ist der Chef der Firma, Baron Günzburg, zum wirklichen Staatsrath ernannt worden. (Die Inhaber dieses Bankhauses trägen. Wir sagen dies nicht, um die Ungerechtigkeit der Budgetcommission gegen des israelitischen Cultus zu beschönigen, sondern um die Hoffnung auszusprechen, daß die Herren aus dem Centralconsistorium, namentlich der Präsident Herr Alphonse von Rothschild, und der Präsident des Consistoriums von Paris, Herr Gustav von Rothschild, den Fortbestand des Rabbinerseminars sichern werden, auch wenn die Deputirtenkammer bei dem Abstrich verharrt. Rußland. Petersburg, im November. Aus Petersburg wird der „N. fr. Presse" geschrieben: Seit längerer Zeit gelangen aus dem Süden Rußlands Nachrichten über eine religiöse Behoben sich auch um das Judenthum so vielfach verdient gemacht, daß wir den herzlichsten Glückwunsch anssprechen können. Redaction.) Belgien. Brüssel, 24. November. (Privatmitth.) Die hiesige freie Universität feiert in diesen Tagen ihr 50 jähriges Bestehen. Es war natürlich, daß die gegenwärtige Regierung keinen Antheil an dieser Feier nahm; desto lebhafter betheiligten sich Provinz und Stadt an derselben. Die Eintracht des Professorencollegiums unter einander und mit der Studenten

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