Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1884)
- Date
- 1884-12-09
- Page
- Seite 800 (sequence 12)
- Language
- German
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800 Augsburg unmöglich. Einsender hat absichtlich diese Kund-! aufreizenden Rede gegen die Juden und die städtische Begebung vor der Berliner Conferenz veröffentlicht und an dem! Hörde zu sechs Monaten Staatsgefängniß und zu einer Geld- Beispiele von Augsburg zu beweisen gesucht, daß die isra-! strafe von 150 Gulden verurtheilt. elitische Jugend durch die Schule dem religiösen Cultus; Der Mitarbeiter des „Fügentlenseg" und Redacteur des und jüdischem Brauch und Recht wieder zugeführt werden! antisemitischen Blattes "Ujpest" Bartholomäus Szterenyi in kann. O esterrei ch-Ungarn. Wien, 24. Nov. Wahlen in Aussicht — sofort wieder der Antisemitismus auf dem Plane! Man schreibt von hier: Ein Antisemitenmeeting, welches als Volksversammlung zur Anhörung der Kandidaten für die bevorstehenden Handelskammerwahlen ins Rathhaus ein- Neu-Pest, der sich vor einigen Monaten hat taufen lassen, wurde wegen Gewaltthätigkeit gegen die Behörde unter militairischer Bewachung in das Gefängniß abgesührt. Pest, 25. Nov. (Privattmith.) Der zur Berathung des Gesetzentwurfes über die Reform des Oberhauses entsendete Ausschuß des Abgeordnetenhauses hielt gestern eine Sitzung, in welcher mit der Spezialdebatte begonnen wurde. Bei §. 4 (5) ad, der nach dem Entwurf lautet: „Ein israeberufen war, besuchten heute etwa zweitausend Personen und! litisches Kirchenhaupt, welches Se. Majestät auf Vorschlag Gäste. Dasselbe gestaltete sich zu einem ungeheuren Skandal, des Ministerrathes zum Mitglied ernennt, beantragte Referent nachdem die Kandidaten unter ununterbrochenem Jubel ihre Lang die Aufnahme der Modification: „Ein geistlicher oder antisemitischen Programme entwickelt hatten, bestieg der Arweltlicher Vorstand der israelitischen Kultusgemcinden. " Paul beiter Schwarzinger die Tribüne; schon bei seinen ersten Szontaph bemerkt, daß es keine organisirtc mosaische Kirche Worten entstand ungeheurer Lärm, und da Redner trotz des gebe, nimmt jedoch die Modification an. Moritz Jokai be- Tobens und Schreiens nicht abtrcten wollte, bestiegen einige antragt, wahrscheinlich im Aufträge der autonomen Orthodoxen, Personen die Tribüne; dieselben wurden handgreiflich, Madaß, nachdem es zweierlei vom Staate anerkannte israelitische gistratsdiener mußten Behufs Herstellung der Ordnung her- Gemeinden giebt, auch zwei israelitische Mitglieder ernannt beigeholt werden. Die tumultuose Szene währte eine halbe werden. Teleßky meint, daß man bei einem israelitischen Stunde. Der Versammlung präsidirte Abgeordneter Löblich. Mitgliede bleiben solle. Schließlich wird der Antrag des Schönerer gratulirte telegraphisch. Referenten in folgender von Minister-Präsidenten beantragte Pest, im November. (Privatmitth.) Die Schlußver- Fassung: „Ein geistlicher oder weltlicher israelitischer Gehandlungen über die im August v. I. im Zalaer und Somogyer Komitate stattgefundenenen antisemitischen Unruhen sind noch immer nicht beendet. Den Szentpeteruer Unruhestiftern meinde-Vorstand" angenommen. — Die Petitionen mehrerer Komitate in Betreff der Regelung der jüdischen Matriken werden nächstens zur Verhandwurde nach fünftägiger Verhandlung vor dem Gerichtshöfe lung kommen. in Groß-Kanissa gestern das Urtheil verkündet. Von den Pest, 28. November. (Privatmitth.) 8. Die Schwan- Angeklagten wurde 1 zu 2 Jahren Kerker und Verlust der kungen, in welchen sich unsere Regierung, d. h. der Ministerpolitischen Rechte verurtheilt: 10 wurden zu 1'/.,, 1 zu l1/4, 14 zu 1 Jahr; 3 zu 10, 6 zu 9, 2 zu 8, 1 zu 6 und 1 zu 2 Monaten Kerker verurtheilt. Sämmtliche Verurtheilte, unter ihnen befinden fich verhältnißmäßig viele Frauen, sind gehalten, den Schaden und die Kosten des Gerichtsverfahrens zu ersetzen und einzelne für die Erhaltungskosten während der Haft aufzukommen. In der Schlußverhandlung betreffend die Angelegenheit der Mihalder antisemitischen Unruhen wurden alle Angeklagten wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Bon den Unruhestiftern in Getye, welche die Wohnungen der dortigen jüdischen Einwohner am 30. August v. I. erbrochen und ausgeplündert haben, wurden II zu je 6 und 2 zu je 1 Monate verurtheilt. Der Staatsanwalt appellirte wegen des Strafausmaßes. Der Redacteur eines in Kecskemet erscheinenden antisemitischen Blattes, Emrich Nagy, wurde vom Kecskemetcr Präsident Tißa hin und her bewegt, kommen jetzt wieder in eclatanter Weise zum Vorschein. Daß er sich in der Reform des Oberhauses auf die Seite der Conservativcn gestellt hat, um diese Reform durchzusetzen, sieht Jeder dem dessalfigen Gesetzentwürfe ab. Jetzt nun stellt er sich wieder auf die linke Seite, und will die von ihm geplanten Maßregeln gegen die antisemitische Agitation all ealenckas Fraeeas zurücklegen. Es mag immerhin schwierig sein, Beschränkungen der Preß- und Redefreiheit nach einer bestimmten Richtung hin zu formuliren, ohne sie an sich zu verletzen. Aber Tißa hat diese Maßregeln schon zu oft zu verheißen, hat sie schließlich in der Thronrede vom Könige versprechen lassen und sie selbst in der Adreßdebatte gegen die Antisemiten betont, als daß es nicht eines Staatslcnkers unwürdig erscheint, jene fallen zu lassen. Volles Vertrauen auf die Versprechungen Tißa's gegen die Antisemiten hat man niemals gehabt. Dazu ermächtigte die Beschaffenheit seines Ministeriums durchaus k. Gerichtshöfe wegen einer Volksversammlung gehaltenen nicht. Man rief ihm oft genug zu: wann wird auf Deine