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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-11-15 · Heft 137 (15.11.1838) · p. Seite 553

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 137 (15.11.1838)
Date
1838-11-15
Page
Seite 553 (sequence 3)
Language
German
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553 Reste der jüdischen Nation aufgeregt hat! Man kann sich im Uebrkgen leicht denken, was aus dem Leben Jesu Christi wird, wenn es aller Wunder beraubt und auf die Biographie eines Sectirers, der entweder geschickter oder glücklicher war, zurückgeführt wird! Nur eines wäre zu erklären, das ist der Grund, warum dieser Sectirer, welcher seine Moral von Philo und den Essaern, seine Glaubenslehren vom Oriente entlehnt hat, der sich den Messias, wie so viele andre, genannt, der Wunder gethan hat zu einer Zeit, wo sie gewöhnlich waren, der nur die furchtsamsten und unwissendsten seiner Landsleute zu Gehülfen hatte, der durch einen schimpflichen Tod endigte, allein unter allen Sectirern seiner Periode einen so wunderbaren Erfolg gehabt hat? Erklärungen der Art, wie sie Herr Salvador giebt, haben immer einen Fehler, nämlich sie erklären Alles, ausgenommen gerade den Punkt, den man -erklären mußte: warum der Glaube der Menschen eher auf diesen als auf einen andern gefallen ist? Ich glaube einen Anatomen zu sehen, der um die Ursachen des Gehörs anzugeben, sehr gut zeigt, wie der Schall zum Ohre gelangt, und den Knorpel trifft, den er treffen soll, aber warum ich höre, wenn die materielle Operation vorüber ist, das sagt ihm die Wissenschaft nicht besser als mir, der ich glaube, daß der Schall, das Ohr, das Gehör, oder die Seele welche hört, das Werk Gottes sind/' (Schluß folgt.) Geschichte. Sabbathey Z w y, eine biographische Skizze. Von v r. H o r s ch e tz k y. (Fortsetzung.) Sogleich berichtete der Groß-Vezir dem Sultan, der gerade zu Adrianopel war, daß der bei Hofe so vielbesprochene Sabbathey zu Constantinopel sich befinde, und. Audienz verlange. Der Sultan befahl, ihn einstweilen in sichere Haft zu bringen. Es wurde ein Aga nebst 50 Janitscharen beordert, diesen Befehl zu vollziehen. Wie einst der erschrockene Gallus Sithacus vor dem scharfblickenden Mithridates, stand auch jetzt der Aga vor Sabbathey und wagte es nicht ihn zu berühren. Er kehrte zum Groß-Vezir zurück und. versicherte, daß Sabbathey wie ein Engel ihm vorgekommen sek, daß er dessen Anblick nicht ertragen konnte, und selbst bei Verlust des Lebens seines Auftrages sich zu entledigen nicht vermöge. Es wurde ein anderer Aga mit 200 Janitscharen abgesendet, aber auch dieser kam wie sein Vorgänger unverrichteter Sache zurück. Darauf ging Sabbathey freiwillig zum Groß-Vezir, der ihn zwar sehr gnädig empfing, aber doch nach dem Kastell Cesto in den Dardanellen bringen ließ, wo er prächtig wohnte, herrlich bewirthet, und jedermann zu ihm gelassen wurde. Mag es sein, daß die vollen Beutet der Anhänger Sabbathey's, oder wirklich dessen herrliche Gestatt auf die beiden Agas ihre Wunderkrast geübt hatten, so konnte diese Begebenheit und des Groß-Vezirs schonende Behandlung nicht anders als Sabbathey's Ansehen nur erhöhen. Seine Anhänger verbreiteten, der Ungläubigen Ohnmacht vermöge Nichts über des Messias Allgewalt, und die reichsten und angesehensten Juden von nahe' und fern machten dem Sohne Davids zu Cesto ihre Aufwartung. Der Gegenstand des Gespräches zwischen Zwy und seine Besucher war gewöhnlich dessen künftige Größe, und die baldige Erlösung der Nation. Um diese Zeit war es, als er von hier aus an alle Juden der Welt ein Schreiben ergehen ließ, in welchem er aus Gründen der Kabbala befahl, den 23. des Monats Tamus, einen Dienstag, dem Samstag gleich zu feiern, und am Trauertage der Zerstörung Jerusalems nicht mbhr zu fasten, sondern festlich ihn zu begehen. Auch ertheilte er allen einen Ablaß, die Andachtsübungen an seiner Mutter Grab halten würden. Daß der Groß-Vezir, welcher zur Belagerung von Candia abreisen mußte, Sabbathey so nachsichtsvoll behandelte, mag wohl deswegen geschehen seyn, weil Letzterer in dem mit ihm vorgenommenen Verhöre aussagte, er sei gezwungen gewesen, seine Rolle als Messias fortzuspielen, und sich den Königs-Titel beizulegen, um nicht Mißhandlungen seiner eigenen Partei sich auszusetzen. Daß aber die türkikische Justiz so lange zögerte, ihn den Händen der strafenden Gerechtigkeit zu übergeben, scheint darin ihren guten Grund gehabt zu haben, weit man bemerkte, daß die aus allen Gegenden herbeistcömenden zahllosen Besuchenden Sabbathey's nicht mit leeren Händen kamen, und der vorgebliche Erlöser sehr weislich durch die Kanäle der Kabbala einen großen Theil des ihm zugekommenen wieder gehörigen Ortes abfließen ließ, was seinen Aufenthalt zu Cesto in die Lange zog, und eben so angenehm als einträglich machte. Die meisten Anhänger zahlte Sabbathey in Polen. Hier war das Judenthum seit lange'schon wie in einem Brennpunkte konzentrirt. Es lag daher ganz natürlich den Juden dieses Landes vorzüglich daran, über die Sendung des neuen Messias ins Reine zu kommen. Zu. diesem Ende wurde ein sehr gelehrter Pole, Rabbi Nehemias Kohn,

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